Schmerztherapie bei der Geburt

Als werdende Mutter zu wissen, dass es bei Bedarf möglich ist, starke Geburtsschmerzen wirksam zu lindern, kann beruhigen und die Angst vor der Geburt verringern.
Als werdende Mutter zu wissen, dass es bei Bedarf möglich ist, starke Geburtsschmerzen wirksam zu lindern, kann beruhigen und die Angst vor der Geburt verringern. (buffaloboy2513 / Shutterstock)

Die Intensität und die Art der Schmerzen, die eine Frau während einer Geburt erduldet, sind sehr individuell und können sich von Frau zu Frau unterscheiden. Eine gute und rechtzeitig durchgeführte Schmerztherapie kann helfen, starke Schmerzen bei der Geburt zu lindern und auch den Geburtsverlauf zu erleichtern.

Kurzfassung:

  • Unterstützende Maßnahmen wie Akupunktur, Aromatherapien oder entspannende Bäder können helfen, die Geburt für Mutter und Kind so angenehm wie möglich zu machen. 
  • Spasmolytika wirken krampflösend und unterstützen die Öffnung des Muttermundes.
  • Die Periduralanästhesie (PDA) ist eine der bekanntesten Methoden zur Schmerzlinderung bei der Geburt. 
  • Eine "Walking Epidural" ist eine niedrig dosierte Epiduralanästhesie in Kombination mit einem niedrig dosierten Opiat.  Die Schwangere empfindet dabei zwar keine Schmerzen, behält jedoch das Gefühl in ihren Beinen.

Heute gibt es verschiedene Methoden, mit denen sich die Wehen bei der Geburt leichter ertragen lassen. Viele werdende Mütter stellen sich dabei jedoch häufig folgende Fragen: Was machen die Mittel mit dem Baby? Wie riskant sind sie für die Mutter? Und wie wirken sie sich auf den Geburtsverlauf aus?

Vorbereitung ist wichtig

In Geburtsvorbereitungskursen und auch während der Geburt werden schwangere Frauen mit geburtsunterstützenden Atem- und Entspannungstechniken durch die Hebamme vertraut gemacht. Sie sollen dazu dienen, den Wehenschmerz zu verarbeiten, ohne zu verkrampfen und dadurch den Geburtsweg zu verschließen. Häufig werden dazu unterstützende Maßnahmen wie Akupunktur , Aromatherapien oder entspannende Bäder angewendet, um die Geburt für Mutter und Kind so angenehm wie möglich zu gestalten.

Reichen diese Maßnahmen allein gegen den Geburtsschmerz nicht aus oder hat sich die Schwangere bereits im Vorfeld für ein schmerzlinderndes Verfahren bei der Geburt entschieden, so bestehen mehrere Möglichkeiten, um Linderung zu verschaffen. Wichtig ist, dass sich die werdende Mutter noch vor der Geburt umfassend und im Gespräch mit der Hebamme oder dem behandelnden Arzt über die Wirkweise, Risiken und Folgen der einzelnen Methoden informiert und damit vertraut macht. Die nachfolgend vorgestellten Methoden sollen einen Überblick über die möglichen schmerzlindernden Maßnahmen während der Geburt geben.

+++ Mehr zum Thema: Vorbereitung auf die Geburt +++

Natürliche Methoden

Folgende nicht-medikamentöse Methoden können schmerzlindernd und beruhigend wirken:

  • Wärme, z.B. Wärmekissen, Wärmepackungen oder warme Bäder
  • Entspannungs- und Atemübungen
  • Bewegung, z.B. gehen oder das Becken kreisen lassen
  • Massagen
  • Akupressur, z.B. durch sanften Druck auf den Kreuzbeinbereich
  • Wechsel der Körper- oder Liegeposition

+++ Mehr zum Thema: Hilfsmittel für die Geburt +++

Alternative Methoden

In der Geburtsbegleitung können auch alternative Methoden zur Schmerzlinderung zum Einsatz kommen. Zwar ist die Wirkung vieler Alternativmethoden noch nicht wissenschaftlich belegt, von manchen Frauen werden sie jedoch als entspannend und wohltuend empfunden.

  • Akupunktur : Häufig wird Akupunktur bereits im letzten Monat vor der Geburt im Rahmen der Geburtsvorbereitung eingesetzt, um Ängste und Anspannungen vor der Geburt zu verringern. Während der Geburt selbst kommt Akupunktur nur sehr selten zum Einsatz, da dies die Bewegungsfreiheit der werdenden Mutter einschränkt.
  • Homöopathie: Homöopathische Mittel werden beispielsweise bei Wehenschmerzen, Unruhe und Angst eingesetzt. Aufgrund des Placeboeffekts können homöopatische Mittel für manche Frauen tatsächlich hilfreich sein.
  • Aromatherapie: Ätherische Öle aus Kamille, Lavendel oder Rosmarin können in einer Duftlampe, zum Einatmen oder zum Massieren verwendet werden. Sie wirken auf manche Frauen beruhigend und entspannend.

Bringen natürliche und alternative Methoden nicht den gewünschten schmerzlindernden Effekt, können auch Medikamente gegen die Schmerzen helfen.

+++ Mehr zum Thema: Alternative Schmerzmittel bei der Geburt +++

Medikamentöse Therapie

Während der Geburt kann der Einsatz von Medikamenten nicht nur helfen, die Schmerzen zu lindern, sondern auch den Geburtsverlauf vereinfachen. Dadurch können auch mögliche Komplikationen bei der Geburt vermieden werden.

Spasmolytika

In der Eröffnungsphase der Geburt kommen meist entkrampfende Präparate – sogenannte Spasmolytika – zum Einsatz. Sie wirken krampflösend und unterstützen dadurch die Öffnung des Muttermundes. Sie haben grundsätzlich keine Nebenwirkungen für das Kind und können mehrfach verabreicht werden.

Opiate

Opiate wirken schmerzdämpfend und beruhigend. Sie werden bei Wehenschmerzen allerdings nur in Ausnahmefällen verabreicht, da sie nicht nur die Schmerzempfindung dämpfen, sondern auch den Atemantrieb und das Bewusstsein der Mutter (Dämmerzustand), aber auch des Kindes beeinträchtigen. Manche Neugeborenen tun sich aufgrund der Opiate auch nach der Geburt mit der Atmung schwerer.

Da opiathaltige Präparate und das heute nur noch sehr selten verwendete Lachgas auf das Zentralnervensystem von Mutter und Kind wirken, werden heute häufiger örtlich betäubende Medikamente zur Schmerztherapie während der Geburt eingesetzt. Dazu zählen die Periduralanästhesie, die Walking Epidural, die Spinalanästhesie und der Pudendusblock.

Periduralanästhesie (PDA, auch Epiduralanästhesie)

Die Periduralanästhesie, kurz PDA, ist eine der bekanntesten Methoden zur Schmerzlinderung bei der Geburt. Bei einer PDA wird das lokal betäubende Medikament in den Periduralraum im unteren Rücken der Frau gespritzt. Davor wird die Einstichstelle lokal betäubt und desinfiziert. Über eine spezielle Nadel (Tuohy-Nadel) wird ein dünner Plastikschlauch in einen Hohlraum außerhalb des Rückenmarks und nicht, wie häufig angenommen in das Rückenmark selbst eingeführt. Dadurch ist es möglich, das Betäubungsmittel je nach Bedarf zu dosieren. Das Medikament umspült den Rückenmarkskanal, in dem die Rückenmarksnerven verlaufen, und hemmt dadurch die Schmerzempfindung in der unteren Körperhälfte. Bis die Wirkung eintritt, dauert es meist etwa 15 bis 20 Minuten. Bei einer PDA ist es wichtig, auf die Kreislaufsituation der Schwangeren zu achten und die Vitalzeichen des Ungeborenen durch CTG-Kontrollen zu beobachten. Nur so können Folgeschäden verhindert werden. Gelegt wird die PDA immer von einem Anästhesisten.

Wann ist eine PDA sinnvoll?

Vor allem bei starken Schmerzen und auf Wunsch der werdenden Mutter sowie bei einem langen Geburtsverlauf kann eine PDA hilfreich unterstützen. Andere Gründe für eine PDA können außerdem sein:

  • Präeklampsie
  • geplante operative Entbindung, z.B. wenn die Schwangere wegen anderer Erkrankungen nicht aktiv mitpressen soll
  • Beckenendlagenentbindungen, um den Pressdrang in der Austreibungsphase zu vermindern.
  • Zwillingsentbindungen oder Frühgeburten

Welche Nebenwirkungen können bei einer PDA auftreten?

Die häufigste Komplikation (ca. 0,5-1%) ist der sogenannte postspinale Kopfschmerz. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsverlust und dadurch auftretenden Unterdruck. Die Einstichstelle, die durch die Punktion des Spinalkanals entsteht, kann durch körpereigenes Blut jedoch verklebt werden (Blood-Patch). Dazu wird der Mutter zunächst Blut entnommen und anschließend das Blut rund um die Einstichstelle des Spinalkanals injiziert. Dadurch wird ein künstlicher Bluterguss erzeugt, der das Loch verschließt und somit den Flüssigkeitsaustritt verhindert. Zur Kreislaufunterstützung werden dann weitere Infusionen notwendig. Nach der Entbindung kann es in seltenen Fällen zu Rückenschmerzen kommen. In extrem seltenen Fällen können Infektionen entstehen.

Walking Epidural

Bei der "Walking Epidural" handelt es sich um eine niedrig dosierte Epiduralanästhesie (PDA) in Kombination mit einem niedrig dosierten Opiat (z.B. Fentanyl), bei der die Schwangere zwar keine Schmerzen empfindet, jedoch das Gefühl in ihren Beinen behält. Im Gegensatz zur herkömmlichen PDA kann die Frau sich frei bewegen, bei Bedarf pressen und aktiv mitarbeiten oder ihre Position wechseln.

Wann wird eine Walking Epidural eingesetzt?

Die meisten Frauen erhalten eine Walking Epidural in der ersten Phase der Wehen, wenn die Schmerzen bereits sehr stark sind. Die Methode gilt in vielen Krankenhäusern bereits seit Jahren als Standardverfahren gegen den Geburtsschmerz.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Walking Epidural auftreten?

Die Walking Epidural hat die gleichen Vor- und Nachteile wie eine herkömmliche niedrig dosierte PDA. 

Spinalanästhesie

Bei einer Spinalanästhesie wird die harte Rückenmarkshaut mit einer dünnen Kanüle durchstochen und das Schmerzmittel direkt in den Rückenmarkskanal gespritzt. Anschließend wird die Nadel sofort entfernt. Die Betäubungswirkung tritt bei dieser Methode sehr rasch ein.

Wann eignet sich eine Spinalanästhesie?

Eine Spinalanästhesie wird bei einem geplanten Kaiserschnitt eingesetzt, da Vollnarkosen bei Schwangeren vermieden werden sollten und das Geburtserlebnis trotz Operation erhalten bleibt. Sie kann aber auch in dringlichen Situationen eingesetzt werden. Die Entscheidung liegt dabei beim Anästhesisten.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Spinalanästhesie auftreten?

Beim Einstich ins Rückenmark besteht die Gefahr, dass Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) austritt. Geht dadurch sehr viel Flüssigkeit verloren, kann es zu starken Kopfschmerzen kommen. Dies its jedoch relativ selten der Fall, da heute sehr feine Spinalnadeln für den Einstich verwendet werden.

+++ Mehr zum Thema: Geburt - Entscheidungshilfen +++

Pudendusblock

Bei dieser Methode wird kurz vor Beginn der Pressphase ein Lokalanästhetikum an eine bestimmte Stelle des Beckenbodens gespritzt, um die schmerzleitenden Bahnen des Nervus pudendus zu blockieren. Dadurch wird der Beckenboden entspannt und schmerzfrei. Der Pudendusblock kommt meist vor Saugglockenentbindungen und vor einem Dammschnitt zum Einsatz. Diese Form der Schmerztherapie wird allerdings nicht mehr in vielen Kliniken durchgeführt, da das Risiko besteht, das Kind dabei zu verletzen.

+++ Mehr zum Thema: Dammschnitt +++

Lokalanästhesie im Dammschnittbereich

Durch eine lokale Betäubung im Dammbereich hat die Entbindende keine bzw. weniger Schmerzen beim Dammschnitt. Das Anästhetikum wird fächerförmig in den Wundbereich gespritzt. Auch hier muss die direkte Gabe in die Gefäße vermieden werden, indem durch Zug an der Spritze (Aspiration) überprüft wird, ob Blut folgt.

+++ Mehr zum Thema: Geburt im Krankenhaus +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Dr. Max Christian Gosch
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

 Durchführung von Analgesie- und Anästhesieverfahren in der Geburtshilfe 
2. überarbeitete Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe  (2004): https://www.bda.de/docman/alle-dokumente-fuer-suchindex/oeffentlich/empfehlungen/540-eev-2011-s-183-190/file.html (zuletzt aufgerufen: 03.04.2018)
 
Wang FZ, Shen XF, Guo XR, Peng YZ (2009): Epidural analgesia in the latent phase of labor and the risk of cesarean delivery: A Five-year Randomized Controlled Trial; Anesthesiology http://anesthesiology.pubs.asahq.org/article.aspx?articleid=1932472 (zuletzt aufgerufen: 03.04.2018)
 
Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe Analgesie, Sedierung und Anästhesie in der Geburtshilfe, S. 312-319 https://download.e-bookshelf.de/download/0000/0128/49/L-G-0000012849-0002346126.pdf​ (zuletzt aufgerufen: 03.04.2018)

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