Bessere Lebensqualität für Krebspatienten

Ganzheitliche Rehabilitation in St. Veit
Ganzheitliche Rehabilitation in St. Veit (VAMED)

Durch ganzheitliche Rehabilitation nach Krebs wird die Zahl der Fälle von Angstzuständen und Depressionen halbiert. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Der medizinische Fortschritt in der Krebstherapie führt zu einem Paradigmenwechsel bei der Behandlung von Patienten: Rund 70 Prozent der Betroffenen haben nach ihrer Diagnose eine Lebenserwartung von über fünf Jahren. Auch nach erfolgreicher Therapie benötigen viele Patienten jedoch noch Hilfestellung im Umgang mit den physischen und psychischen Folgen der Behandlung. Hier setzt die onkologische Rehabilitation an.

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Krebs als chronische Erkrankung

Der Rehabilitation von Krebspatienten kommt eine immer wichtigere Rolle innerhalb des Gesundheitssystems zu. Krebs ist zunehmend als chronische Erkrankung zu sehen, das macht einen multiprofessionellen Ansatz in der Rehabilitation notwendig. Die Patienten werden in spezialisierten Behandlungskonzepten unterstützt, um nach der Erkrankung wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Wissenschafter des Onkologischen Rehabilitationszentrums St. Veit im Pongau überprüften nun erstmals die nachhaltige Wirkung dieses Ansatzes. Die Ergebnisse stimmen optimistisch: Im Rahmen der Studie konnte belegt werden, dass die Zahl jener Krebspatienten, die an depressiven Verstimmungen litten, durch die Rehabilitation halbiert werden konnte. Ein ähnlicher Wert ergibt sich für die Angst vor Rückfall oder neuerlicher Erkrankung. Diese Angstzustände beobachten die Ärzte bei vielen Patienten, oft unabhängig von ihrem tatsächlichen Rückfallrisiko.

Müdigkeit und Erschöpfung als Spätfolge von Krebs

Eine weitere häufige Spätfolge von Krebserkrankungen ist die so genannte Fatigue, also Müdigkeit und Erschöpfung, die sowohl aus der Krankheit als auch aus deren Behandlung resultieren kann und oft noch Monate nach der eigentlichen Genesung auftritt. Diese erleben die Patienten als massive Einschränkung ihrer Lebensqualität, ebenso wie Folgeerscheinungen wie Mundtrockenheit, Schädigung des peripheren Nervensystems, mangelnde Beweglichkeit und Inkontinenz.

Auch hier zeigen die Statistiken nach der Rehabilitation „drastische Verbesserungen bei jenen Patienten, die am meisten belastet sind“, so Prof. Dr. Thomas Licht, Leiter des Rehazentrums St. Veit. Das beträfe in der Regel vor allem Frauen nach Brustkrebserkrankungen, die mit einer Veränderung ihres Körperbildes und ihrer Lebensplanung zu kämpfen haben.

Patienten mit massiven Ernährungsstörungen, die unter starker Gewichtsabnahme leiden, sowie Menschen mit Krebserkrankungen des Blutsystems, die besonders aggressiv behandelt werden müssen, sind ebenso zentrale Zielgruppe der onkologischen Rehabilitation.

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Fächerübergreifende Krebs-Reha als Erfolgsgeheimnis

Kern der Reha ist die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesundheitsberufe – von Internisten über Psychologen und Physiotherapeuten bis zu Ergotherapeuten. Kraft- und Ausdauertrainings werden kombiniert mit einer psychoonkologischen Betreuung und Patientenschulungen in Hinblick auf zukünftige Lebensgewohnheiten, die helfen können das Wiedererkrankungsrisiko zu reduzieren.

Weitere Forschungen nötig

Wie das Rehabilitationsprogramm auf die Patienten langfristig wirkt, wird nun weiter erforscht. Für die erste Studie zu den Effekten von Rehabilitation wurden in St. Veit im Pongau bereits Daten von knapp 1.000 Personen ausgewertet. Auf dieser Grundlage soll nun gemeinsam mit einem zweiten Reha-Zentrum dem "Sonnberghof" im burgenländischen Bad Sauerbrunn weiter am Thema onkologische Rehabilitation geforscht werden. Ziel ist es, zu prüfen, wie nachhaltig die durch die Rehabilitation erzielten Verbesserungen der Lebensqualität der Patienten sind.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:
Quellen

Presseinformation der VAMED, abgerufen am 31.7.2017
 

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