Reha mit Kind und Kegel

(VAMED / Rehabilitation St. Veit im Pongau)

Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Sperl, ärztlicher Leiter des Kinder- und Jugendrehabilitationszentrum St. Veit, im Gespräch über familienorientierte Therapien.

In St. Veit, Salzburg entsteht – in Zusammenarbeit mit den Salzburger Landeskliniken – die erste Kinder- und Jugendrehaklinik Österreichs für Patienten nach Krebs-Behandlungen oder mit seltenen Stoffwechselerkrankungen.

Im Interview: Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Stoffwechselexperte und Primarius der Kinderreha St. Veit.

Was bedeutet für Sie familienorientierte Kinderrehabilitation?

Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Sperl: Die lebensbedrohliche Erkrankung eines Kindes wie etwa Krebs betrifft die ganze Familie. Oft viele Wochen und Monate, bis hin zu einem Jahr. Die Angst, das Kind zu verlieren; monatelanger Aufenthalt im Krankenhaus; wochenlange, ambulante Therapie...

In so schweren Fällen starker familiärer Belastung sehen wir auch die Angehörigen (Vater, Mutter, Geschwisterkinder) als Teil des Therapiekonzepts. Wir holen die Kinder zu uns, aber wir brauchen auch die Familie dazu, um den Weg zurück ins tägliche Leben zu finden.

Worin unterscheiden sich die Therapien bei Kindern und Erwachsenen – gerade in Ihrem  Bereich, in Bezug auf Onkologie und Stoffwechselerkrankungen?

Die Therapien unterscheiden sich gewaltig. Natürlich gibt es auch Jugendliche, die Erwachsenen schon ähnlich sind. Aber bei den kleinen Patienten braucht es ganz andere Therapiegeräte, ganz andere Erfahrungen in der Ergo- und der Physiotherapie. Wir setzen bei den Kindern viel stärker auf ganzheitliche Konzepte, auch auf individuelle Therapie. Gerade die Familienorientierung ist ein rein kinder- und jugendspezifisches Konzept: Man wirkt über die Therapie der Erwachsenen und Geschwisterkinder auf das Kind ein.

Im Bereich der Stoffwechselerkrankungen gibt es viele Kinder mit angeborenen Störungen, die eine lebenslange Diät zu erlernen haben. Damit beginnt man schon im Säuglings- und Kleinkindalter. Daher werden in der Reha auch Familien darin geschult, eine spezielle Diät zu kochen und einzuhalten. Damit wird die Basis gelegt für eine lebenslange Therapie ein ganz anderes Vorgehen als bei Stoffwechselerkrankungen im Erwachsenenbereich.

Sie leiten die erste und österreichweit auch einzige Rehaeinrichtung für Kinder mit Krebs und seltenen Stoffwechselerkrankungen. Wie bereitet man sich auf soetwas vor?

Bei der Hämato-Onkologie und den Stoffwechselstörungen ist es sinnvoll, das Know-How an einer Stelle zu bündeln. Das bietet sich schon einmal aufgrund der Anzahl der Fälle in Österreich an.

Bei der Onkologie arbeiten wir mit dem St. Anna Kinderspital zusammen, insbesondere mit Prof. Peters und Prof. Holter. Außerdem gibt es Modelle in Deutschland, an denen man sich orientieren kann. Die Rehabilitationsklinik Katharinenhöhe, Tannheim, arbeitet seit zwanzig Jahren mit familienorientierter Rehabilitation. Da findet ein reger Erfahrungsaustausch statt in Hinblick auf Therapiekonzepte für Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus geht es aber auch um neue Dokumentationssysteme, um unsere Arbeit wissenschaftlich zu begleiten.

Und bei den Stoffwechselerkrankungen?

Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Sperl (Salzburger Landeskliniken)

Im ambulanten Setting haben wir bereits überregionales Know-How: Die Uniklinik Salzburg ist eines von insgesamt vier Stoffwechseldiagnose-Zentren in Österreich. Die Herausforderung ist nun, unsere Erfahrungen und das Wissen unserer Diätassistentinnen von hier in das Kinder-Rehazentrum St. Veit zu transferieren.

Darüber hinaus vernetzen wir St. Veit mit den vier anderen österreichischen Stoffwechselzentren und bieten eine Start-Rehabilitation für kranke Kinder an. Das heißt: Wenn ein Kind eine entsprechende Diagnose bekommt, wird es für drei Wochen zu uns geschickt, um hier die Therapie zu erlernen.

Inhaltlich haben wir uns die Konzepte auch von Usedom angesehen, der einzigen Stoffwechsel-Rehaklinik in Deutschland. Darauf können wir aufbauen.

Was würden Sie sich als Primarius für Ihre Einrichtung wünschen?

Ich wünsche mir ein tolles Team: Ärzte, Pfleger, Ergo- und Physiotherapeuten. Da werden wir sicher von den Salzburger Landeskliniken mit erfahrenen Leuten unterstützt. Und ich würde mir wünschen, dass wir mit unseren Reha-Ergebnissen, dem Ambiente, dem "Sich wohlfühlen", aber natürlich auch mit dem Outcome die Leute begeistern.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:

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