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Narbenbehandlung

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Bei einer Keloidnarbe steht die Narbe hervor. (kckate16 / iStockphoto)

Bei der Behandlung von Narben werden meistens verschiedene Verfahren kombiniert, um das Ergebnis zu verbessern. Am besten ist es, der Entstehung von Narben bereits frühzeitig vorzubeugen.

Kurzfassung:

  • Narben entstehen durch eine Defektheilung der Haut nach einer Verletzung.
  • Verschiedene Faktoren können eine verstärkte Narbenbildung verursachen.
  • Verstärkter Narbenbildung kann durch bestimmte Maßnahmen vorgebeugt werden.
  • Eine Narbenkorrektur kann die Spannung im betroffenen Bereich verringern, Symptome lindern und das Aussehen verbessern.
  • Zur Behandlung von Narben stehen verschiedene nicht-operative und operative Korrekturmaßnahmen zur Verfügung.

 


Wie entstehen Narben?

Verletzungen der Haut führen in Abhängigkeit von der Tiefe und Oberfläche der Wunde zu einer mehr oder weniger starken Zerstörung von Kollegenfasern. Im Zuge der Wundheilung und um die natürliche Schutzfunktion der Haut wiederherzustellen, ersetzt der Körper einen Teil des zerstörten Kollagens durch Bindegewebe. Bindegewebe ist weniger elastisch als Kollagengewebe, weshalb es unter Umständen zu Bewegungseinschränkungen kommen kann.

+++ Mehr zum Thema: Wundheilung +++

Warum sehen Narben unterschiedlich aus?

Während der Wundheilung und Narbenbildung wachsen neue Gefäße in das Narbengewebe ein und das überschüssige Bindegewebe wird in der Regel wieder abgebaut. Allerdings kann sich das Aussehen von Narben durch bestimmte Einflüsse verändern. So haben das Alter, die Art der Narbe und die Gene, aber auch der genaue Ort der Narbe (Gelenke) Einfluss auf das Aussehen.

+++ Mehr zum Thema: Schwer heilende Wunden +++

Charakteristika von Narben

  • zu Beginn rötlich gefärbt
  • später heller als die sie umgebende Haut
  • keine Talg- und Schweißdrüsen
  • kein Haarwuchs 

Abhängig vom Aussehen und von der Lokalisation der Narben können diese auch eine psychische Belastung darstellen. Eine entstellende Narbe kann das soziale Leben des Betroffenen stark einschränken (z.B. Ablehnung durch andere, erschwerte Partner- und Arbeitssuche).

Dies kann eine Narbenkorrektur notwendig machen. An eine Narbenkorrektur sollte jedoch erst gedacht werden, wenn es zu Symptomen (Juckreiz, Schmerz), funktionellen Einschränkungen (Kontraktion, Irritation durch Erhabenheit) oder ausgeprägten kosmetischen Problemen kommt. Für die Korrektur stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, welche oft individuell miteinander kombiniert werden.

+++ Mehr zum Thema: Operative Narbenkorrektur +++

Welche Ursachen hat eine verstärkte Narbenbildung?

Größe und Tiefe der Wunde

Größe und Tiefe der Wunde bestimmen die Entwicklung des Narbengewebes, weil es zu einer unterschiedlich starken Zerstörung von Kollagengewebe kommt.

Entzündung im Wundgebiet

Bei längerer Entzündung der Wunde kommt es durch bestimmte Zellen der Haut (Keratinozyten, Fibroblasten) zu einer vermehrten Ausschüttung von spezifischen Wachstumsfaktoren. Diese Faktoren führen zu einer verstärkten Bildung von Bindegewebe.

Unregelmäßige Wundränder

Glatte Wundränder, wie sie zum Beispiel durch einen Skalpellschnitt entstehen, heilen unter geringerer Narbenbildung ab als Wunden mit unregelmäßigen Rändern.

Alter

Es gibt Hinweise, dass die Narbenbildung in jüngeren Jahren (10.–30. Lebensjahr) stärker ist als in höherem Alter. Dies ist wohl auf die mit zunehmendem Alter bessere Regenerationsfähigkeit der Haut zurückzuführen.

Hormone

Möglicherweise können Narben auch unter hormonellem Einfluss, etwa in der Schwangerschaft, stärker wachsen.

Vererbung

Bei der Bildung von hypertrophen Narben (verdickte, kordelförmige Narben) und Keloiden (wulstige Gewebewucherungen) gibt es eine familiäre Häufung, sodass ein genetischer Zusammenhang angenommen wird.

Körperstelle

An Stellen mit erhöhter Hautspannung (Dekolleté, Schultern, oberer Rücken) sowie beispielsweise den Ohrläppchen bilden sich oft wulstige Narben oder Keloide aus. Breitere Narben entstehen gehäuft über Gelenken, wo sie einer ständigen Zugbeanspruchung ausgesetzt sind.

Welche Maßnahmen beugen verstärkten Narben vor?

Operationstechnik

Ordnungsgemäße Schnittführung (möglichst parallel zu den Hautspannungslinien), gewebeschonende Operationstechnik und spannungsfreier Wundverschluss bilden die optimale Ausgangsbasis für eine kleine Narbenbildung.

Wundversorgung

Wundversorgung mit geeigneten sterilen Verbänden und Wundauflagen, um Infektionen zu vermeiden und eine gute Wundheilung zu gewährleisten.

Vermeidung von Sonnenbestrahlung

Narben sollten ein Jahr lang nach der Operation vor der Sonne geschützt werden, dies gilt auch für UV-Licht in Solarien. Bei Sonnenexposition müssen entsprechende Schutzcremen (Sunblocker) verwendet werden.

Verwendung rückfettender Hautpflegepräparate

Da Narben keine Talgdrüsen haben, hilft das Einmassieren von Pflegepräparaten, die Narben geschmeidig zu machen.

Nachbehandlung mit Narbensalbe, -pflaster oder -folie

Bei bekannter Neigung zu verstärkter Narbenbildung oder wenn sich nach der Nahtentfernung erste Anzeichen für eine überschießende Narbenbildung zeigen, kommen Narbensalben, -pflaster und -folien zum Einsatz.

Neben Silikonpräparaten gibt es viele neue Präparate mit den unterschiedlichsten Wirkstoffen wie Hyaluronsäure, Zwiebelextrakten, Heparin, Allantoin oder pflanzlichen Ölen, die einer überschüssigen Narbenbildung entgegenwirken können. Ausreichende Belege für die Wirksamkeit durch große, gut angelegte Studien stehen für diese Behandlungsform noch aus. Dennoch gibt es Hinweise aus kleineren Studien, die neben einer guten Verträglichkeit auch eine Wirksamkeit bestätigen konnten.

Die Anwendung beginnt üblicherweise nach der Nahtentfernung und sollte für mindestens 3–6 Monate fortgeführt werden. Leichtes einmassieren fördert das Eindringen der Wirkstoffe in die Haut. Silikonfolien dürften etwas wirksamer als Silikongele sein, allerdings ist die Anwendung von Gelen in der täglichen Routine wesentlich angenehmer.

Prinzipiell sollten Narben vorsorglich behandelt werden. Wenn es nach 6–8 Wochen noch immer zu keinem Rückgang der Rötung und Erhabenheit gekommen ist bzw. sogar zu einer Vergrößerung der Narbe, kann das ein Hinweis darauf sein, dass sich eine hypertrophe Narbe oder ein Keloid bildet. Die Reifung einer Narbe (und damit das vollständige Abblassen) dauert jedoch etwa ein Jahr.

Wann kann eine Narbenkorrektur durchgeführt werden?

Eine Narbenkorrektur kann dazu beitragen, die Spannung im Narbenbereich zu reduzieren. Da die Narbenbildung erst nach 6–12 Monaten abgeschlossen ist, sollte eine Narbenkorrektur erst nach diesem Zeitraum angedacht werden. Ausnahme sind Narben, die zu funktionellen Behinderungen führen.

Sie erkennen eine "reife“ Narbe daran, dass sie blass, weiß und schmerzlos ist. Eine unreife Narbe ist hingegen rosafarben oder rötlich und kann jucken oder schmerzhaft sein.

Grundsätzlich gibt es zwei Narbentypen, die zu unschönen Narben führen: Keloide und hypertrophe Narben. Daneben können einige Sonderformen unterschieden werden. Keloide und hypertrophe Narben sind gutartige Hautveränderungen, welche aufgrund ihrer Symptome, ihres Aussehens oder der damit einhergehenden Bewegungseinschränkung eine Korrektur notwendig machen.

Keloide

Keloide sind fleischfarbene, rote oder rosarote, wulstige Gewebewucherungen, die aus Narbengewebe entstehen können. Sie überschreiten die Grenzen der Wundränder und können sogar über mehrere Jahre weiter wachsen.

Keloide können nach jeder Verletzung, insbesondere nach Verbrennungen, Verbrühungen, Akne, an Piercing-Einstichstellen, in Operationsnarben, traumatischen Wunden oder an Einstichstellen von Impfungen entstehen. Oft können auch unbemerkte Mikrotraumata (Insektenstiche) Auslöser von Keloiden sein.

Keloide sind meist anders gefärbt und haben eine festere Struktur als die sie umgebende Haut. Während sie wachsen, können sie jucken oder bei Druck schmerzen. Werden sie sehr groß, können sie die Bewegung einschränken oder entstellend wirken.

Keloide kommen häufiger im Alter von 10–20 Jahren sowie bei Menschen mit dunkler Hautfarbe vor und treten familiär gehäuft auf. Sie treten bevorzugt am Dekolleté, an den Schultern sowie im oberen Rückenbereich auf. Auch das Ohrläppchen kann betroffen sein (Piercing). Kommt es zur Keloidbildung an mehreren Hautstellen, spricht man von Keloidismus.

Hypertrophe Narben

Hypertrophe Narben sind verdickte, kordelförmige Narben mit rötlicher Oberfläche. Sie wachsen nicht über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus.

Hypertrophe Narben bilden sich meist in den ersten sechs Wochen und erreichen etwa nach zwei Jahren ihre endgültige Form. Es kann zu einer spontanen Rückbildung einer hypertrophen Narbe kommen.

Sonderformen

Atrophe Narben entstehen durch eine lokale Zerstörung des Bindegewebes der Lederhaut, beispielsweise durch Entzündungen bei Akne oder Windpocken. Dadurch zieht sich dieser Hautbereich zusammen, er schrumpft quasi.

Sogenannte instabile Narben treten häufig durch eine beeinträchtigte Wundheilung oder an Stellen mit starker Hautspannung oder Dehnungsbeanspruchung (Gelenksregionen) auf. Sie sind durch immer wieder auftretende Geschwürbildung und/oder Einrisse gekennzeichnet. Bestehen instabile Narben länger, können daraus Narbenkarzinome entstehen, eine Form von Hautkrebs. Instabile Narben müssen einer chirurgischen Korrektur unterzogen werden (Entfernung und danach Hautverpflanzung oder Lappenplastik).

Auch Narben, die normale Hautspannungslinien kreuzen und dadurch die Funktion der Haut oder von Gelenken in diesem Bereich beeinträchtigen, sowie Narben, die kosmetisch störend sind (z.B. im Gesicht), sollten korrigiert werden.

Welche Verfahren zur Narbenbehandlung gibt es?

Prinzipiell sollte nach einer bestimmten Wartezeit, die von der Beschaffenheit der Wunde und vom Heilungsverlauf abhängt, so früh wie möglich behandelt werden, da das kosmetische Ergebnis dann besser ist. Bei Keloiden ist zu beachten, dass es bei frühzeitig angesetzter Therapie zudem seltener zu einer erneuten Ausbildung dieser Gewebewucherung kommt.

Oft werden zur Narbenkorrektur mehrere Verfahren kombiniert, z.B. Operationen mit einer Bestrahlung oder Kryotherapie (Kältebehandlung) mit der Injektion von Glukokortikoiden.

Nicht-operative Narbenkorrektur

Zur nicht-operativen Behandlung von Narben stehen zahlreiche Methoden zur Verfügung. Dazu zählen neben Injektionen mit Glukokortikoiden, Interferon oder 5-Fluoruracil (5-FU) auch die Kryotherapie und die Laserbehandlung. Druckkompression kommt vorwiegend bei Keloiden zur Anwendung, während Strahlentherapie und Microneedling "neuere“ Verfahren in der Behandlung von Narben darstellen.

Die Injektion von Glukokortikoiden erfolgt direkt in die Narbe und kann dementsprechend zu Schmerzen beim Einstechen führen. Die Erfolgsquote wird mit 50–100% angegeben, doch kommt es oft zu einem Rezidiv. Unerwünschte Wirkungen sind verstärkte Fettgewebebildung und das Sichtbarwerden von kleinen Gefäßen.

Interferon-Injektionen unterdrücken die überschüssige Bildung von Fibroblasten und damit die Bildung von Bindegewebe. Die Nebenwirkungen ähneln denen von Steroidinjektionen.

5-FU-Injektionen hemmen ebenfalls die Bildung von Fibroblasten und kommen beim Versagen anderer Therapiemaßnahmen in Betracht, da der Wirknachweis bis jetzt nicht ganz so eindeutig ausfällt.

Bei der Kryotherapie kommt flüssiger Stickstoff im Sprüh- oder Kontaktverfahren zum Einsatz. Die Kontaktzeit beträgt rund 20–30 Sekunden. Als Nebenwirkungen können Schmerzen, Rötung, Blasenbildung und im weiteren Verlauf eine unerwünschte übermäßige oder verminderte Pigmentierung der Haut auftreten.

In der Laserbehandlung wird zwischen einer ablativen und einer nicht-ablativen Laseranwendung unterschieden. Bei der ablativen Laserbehandlung werden obere Hautschichten abgetragen, bei der nicht-ablativen Methode werden überschüssige Gefäße verödet.

Die Druckkompression wird für mindestens sechs Monate angewandt und übt lokalen Druck auf die Narbe aus, wodurch es zu einer verminderten Kollagensynthese kommt. Diese Form der Behandlung wird häufig bei Verbrennungsnarben praktiziert. Dafür gibt es Kompressionsjacken, -handschuhe, -socken, -hosen und sogar -ohrclips. Der Druck muss für mindestens 23 Stunden pro Tag aufrechterhalten werden, was auf die Dauer unangenehm sein kann.

Im Zuge der Strahlentherapie wird normalerweise in sechs Behandlungen mit je 2 Gray (Gy) therapiert. Diese geringen Strahlenmengen sind vollkommen ungefährlich, können jedoch die Narbendicke reduzieren.

Beim Microneedling wird die Haut mit vielen kleinen Nadeln angestochen, um die Wundheilung anzustoßen. Nebenwirkungen können Infektionen und lokale Irritationen sein.

Operative Narbenkorrektur

Bei der operativen Narbenkorrektur wird die Narbe meist vollständig entfernt und die Wundränder werden neu aneinandergenäht, möglichst ohne Spannung der Haut. Bei großen Narbenarealen kann davor auch eine Gewebeexpansion der umliegenden Haut erforderlich sein. Dafür wird ein Silikonballon unter die Haut gesetzt und das Volumen des Ballons wöchentlich erhöht.

Welche Prognose haben behandelte Narben?

Eine Narbe kann nie vollständig entfernt werden. Inwieweit sie sichtbar bleibt, ist von ihrer ursprünglichen Größe, der Lokalisation, dem Lebensalter des Patienten, Hauttyp und -farbe sowie von Erbfaktoren abhängig. Bei großen Narbenoperationen oder nach Operationskomplikationen sind manchmal Folgeeingriffe notwendig.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Horst Koch, Dr. med. Christian Kos
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

AWMF-S2k-Leitlinie „Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide)“, 2020 (letzter Zugriff am 09.09.2020)

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