Behandlung der Migräne

Sowohl in der Akuttherapie als auch zur Prophylaxe von Migräne stehen heute verschiedene Substanzen zur Verfügung.
Sowohl in der Akuttherapie als auch zur Prophylaxe von Migräne stehen heute verschiedene Substanzen zur Verfügung. (blackboard1965 / Fotolia.com)

Bei Migräne handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die 10-12 % der österreichischen Bevölkerung betrifft. Es kommt dabei zu heftigen, häufig einseitigen pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmen können. Ein Drittel der Patienten leidet auch an Schmerzen im gesamten Bereich des Kopfes (holokraniell).

Kurzfassung:

  • Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die 10-12 % der Bevölkerung betrifft.
  • In 15 % der Fälle sind die Kopfschmerzen von einer Aura begleitet.
  • Die Akuttherapie der Migräne erfolgt medikamentös.
  • In der Notfalltherapie der Migräne werden die Medikamente direkt in die Vene verabreicht.
  • In der prophylaktischen Migränetherapie unterscheidet man medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen.

 


Die Behandlung der Migräne kann als Akuttherapie und/oder auch prophylaktisch als Dauertherapie erfolgen. Bei allen Therapieformen geht es vorrangig darum, die Kopfschmerzen und ihre Begleitsymptome zu verringern, um die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen.

Die Kopfschmerzen während eines Migräneanfalls sind in 15 % der Fälle von einer Aura begleitet, die sich in Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue, Lärmempfindlichkeit, Berührungsempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen äußern kann. Die Dauer einer Migräneattacke beträgt üblicherweise zwischen 4 und 72 Stunden, die Lokalisation im Kopf sowie die Intensität der Schmerzen können variieren. Bei Kindern sind die Attacken in der Regel kürzer und können auch ohne Kopfschmerzen nur mit Übelkeit, Erbrechen und Schwindel einhergehen.

Sowohl in der Akuttherapie als auch zur Prophylaxe stehen heute verschiedene Substanzen zur Verfügung. Welche Medikamente wann zum Einsatz kommen richtet sich unter anderem nach dem Schweregrad und der individuellen Verträglichkeit.

Migräne

Akuttherapie

Medikamentöse Therapie

Ziele der medikamentösen Akuttherapie sind eine Besserung der Kopfschmerzen und die Rückkehr zur üblichen Aktivität innerhalb von zwei Stunden. Die Therapie sollte zum optimalen Zeitpunkt erfolgen, die Dosis ausreichend hoch sein und die Verabreichungsform den individuellen Bedürfnissen angepasst sein.

Grundsätzlich sollten Medikamente zur Akuttherapie bei Migräne nicht länger als zehn Tage im Monat eingenommen werden, da sonst ein Medikamenten-Übergebrauch-Kopfschmerz entstehen kann. Das heißt, dass die (zu viel) eingenommenen Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen auslösen bzw. verstärken können.

  • Schmerzmittel (Analgetika und NSAIDs)
  • Migräne-spezifische Medikamente (Triptane)
  • Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika)
  • Mutterkornalkaloide

+++ Mehr zum Thema: Medikamentöse Akuttherapie bei Migräne +++

Behandlung von Migräneattacken als Notfall

Patienten, die einen Arzt zur Behandlung ihrer Migräneattacke rufen oder eine Notfallambulanz aufsuchen, haben meist zuvor orale Medikamente ohne Erfolg eingesetzt. Als Mittel der Wahl wird Acetylsalicylsäure direkt in die Vene, je nach Bedarf mit oder ohne Metoclopramid, verabreicht. Alternativ kann die Gabe von Sumatriptan mittels Injektion unter die Haut erfolgen.

Nicht-medikamentöse Akuttherapie

Zu den unterstützenden Maßnahmen während eines Migräneanfalls zählen, wenn möglich, Schlaf sowie das Auflegen eines Kältekissens oder von kalten Umschlägen auf die Stirn und/oder Nacken. Zusätzlich sollten Patienten während eines Migräneanfalls idealerweise vor äußeren Reizen geschützt werden und sich in einem kühlen, ruhigen und abgedunkelten Raum aufhalten.

Prophylaktische Therapie

In der Migräneprophylaxe unterscheidet man zwischen medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Die Wirksamkeit der prophylaktischen Migränetherapie wird definiert durch eine Reduktion der Migränetage um mindestens 50 %. Der Erfolg oder Misserfolg wird zunächst vom Patienten subjektiv beurteilt. Objektiviert wird der Therapieerfolg am einfachsten mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs. Hierzu werden sämtliche Schmerzattacken, deren Begleitumstände sowie die Medikamenteneinnahme dokumentiert.

Medikamentöse Prophylaxe

Eine medikamentöse Dauertherapie zur Reduktion von Migräneattacken ist nur unter bestimmten Voraussetzungen notwendig. Eingesetzt werden vorrangig:

  • Betablocker (blutdrucksenkende Mittel), Kalziumantagonisten
  • Magnesium
  • Topiramat
  • CGRP- (Calcitonin Gene-Related Peptide) und CGRP-Rezeptor-Blocker (monoklonale Antikörper)

+++ Mehr zum Thema: Medikamentöse Prophylaxe bei Migräne +++

Nicht-medikamentöse Prophylaxe

Auch mit nicht-medikamentösen Therapien lässt sich bei der Migräne einiges erreichen, allein oder in Kombination mit einer medikamentösen Therapie:

  • Erkennen und Meiden von Triggern wie Stress, Hormonschwankungen, niedrigem Blutzuckerspiegel, bestimmten Lebensmitteln, Schlafmangel
  • Änderung des Lebensstils
  • Bewegung
  • Verhaltenstherapie
  • evtl. komplementärmedizinische Anwendungen (Akupunktur)

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Autoren:

Medizinisches Review:
Doz. Dr. Fahmy Aboulenein-Djamshidian
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: September 2018
Quellen

S1-Leitlinie, Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, Deutsche Gesellschaft für Neurologie https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-057.html (letzter Zugriff: 05.09.2018)

Webseite der Kliniken Köln, Neurologie und Palliativmedizin Köln-Merheim. Stand: 15.02.2017 https://www.kliniken-koeln./Merheim_Neurologie_Kopfschmerz_Migraene.htm (letzter Zugriff: 08.08. 2017)

Webseite Neurologen und Psychiater im Netz: Akute Migräne-Therapie; https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/akut-therapie/ (letzter Zugriff: 08.08.2017)

Webseite der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und biologische Psychiatrie: Diagnostik und Therapie der Migräne; http://oegpb.at/2014/07/28/dfp-literatur-diagnostik-und-therapie-der-migraene/ (letzter Zugriff: 09.08.2017)
 

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