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Medikamente bei Neurodermitis

Behandlung Neurodermitis
Zur Behandlung von Neurodermitis gibt es verschiedene therapeutische Ansätze. (Andrey Popov / Fotolia.com)

Die medikamentöse Behandlung der Atopische Dermatitis, auch atopische Dermatitis genannt, richtet sich nach deren Ausprägung. (Update am 21.04.2020)

Je nach Hautzustand gibt es bei Neurodermitis 4 Therapiestufen:

Stufe 1: Trockene Haut – lokale Basistherapie der Haut, Vermeidung oder Reduktion von Triggerfaktoren (Faktoren, welche die Erkrankung bzw. deren Ausprägung begünstigen)

Stufe 2: Leichte Ekzeme – ergänzend zu den Massnahmen von Stufe 1 niedrig dosierte topische Glukokortikosteroide (Kortison) und/oder topische Calcineurin-Inhibitoren; Antiseptika wie Silber und silberbeschichtete Textilien

Stufe 3: Moderate Ekzeme – ergänzend zu den Massnahmen von Stufe 1 höher dosierte topische Glukokortikosteroide und/oder topische Calcineurin-Inhibitoren; Wet-Wrap-Therapie, UV-Therapie, psychosomatische Beratung

Stufe 4: Schwere Ekzeme – ergänzend zu den Massnahmen der vorherigen Stufen eine systemische immunmodulierende Therapie (z.B. Ciclosporin A, kurzzeitig orale Glukokortikosteroide, Dupilumab)

(Wollenberg et al., European Academy of Dermatology and Venerology. JEADV 2018; 32:657-682)

Basistherapie

Der Basistherapie – diese beinhaltet Hautpflege und desinfizierende/rückfettende Bäder – kommt in der Behandlung der Neurodermitis besondere Bedeutung zu. Die erblich bedingte und durch die Entzündung verursachte Störung der Hautbarriere trägt entscheidend zum Verlauf der Erkrankung bei. Durch eine konsequente Basistherapie kann Folgendes erreicht werden:

  • geringere Infektionsneigung
  • reduzierter Medikamentengebrauch
  • verbesserte Hautbarriere

+++ Mehr zum Thema: Hautpflege bei Neurodermitis +++

Topische antientzündliche Therapie

Topische Glukokortikosteroide (Kortison)

Topische Glukokortikoide sind die Therapie der 1. Wahl zur Verringerung der lokalen Entzündung. Die Anwendung erfolgt in der Regel einmal täglich. Die Dauer der Anwendung und die Stärke des verwendeten topischen Glukokortikoids richten sich nach dem aktuellen Schweregrad, dem Bereich, in dem Ekzeme auftreten, sowie dem Alter des Betroffenen. Werden diese grundsätzlichen Regeln befolgt, lassen sich die potenziellen Nebenwirkungen weitgehend vermeiden. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautatrophie, im Gesicht steroidbedingte Akne und Rosazea.

+++ Mehr zum Thema: Acne inversa +++

Topische Calcineurin-Inhibitoren

Diese sind seit 2002 zur Therapie der Neurodermitis zugelassen und stellen ähnlich wie die topischen Glukokortikosteroide eine antientzündliche Therapie dar. Sie finden insbesondere zur Behandlung der Hautveränderungen in spezifischen Hautarealen, wie beispielsweise im Gesicht, sowie im Rahmen der proaktiven Therapie Anwendung (siehe unten). Das Auftreten von lokalem Brennen oder Jucken zu Beginn der Behandlung ist die häufigste Nebenwirkung. Selten kann es zu einer lokalen Alkoholintoleranz kommen. Hierbei tritt ein Flush-artiges Gesichtserythem auf.

Konzept der proaktiven Therapie

Bei einer proaktiven Therapie wird die topische Therapie nach Abklingen des Ekzems nicht komplett abgesetzt und abgewartet, bis sich ein neuer Krankheitsschub ankündigt, sondern aktiv weiterbehandelt. Dieser Therapieansatz basiert auf der Erkenntnis, dass die Haut auch in scheinbar erscheinungsfreien Phasen eine zwar geringe, aber anhaltende Entzündungsreaktion aufweist. Mit der Fortsetzung der antientzündlichen topischen Therapie ergänzend zur Basistherapie auch nach Abklingen des Ekzems können die beschwerdefreien Zeiten verlängert und die Zahl akuter Ekzemschübe deutlich verringert werden.

Systemische Therapie

Reicht die topische Therapie zur Kontrolle der atopischen Dermatitis nicht aus, stehen Medikamente, welche die Aktivität des Immunsystems unterdrücken, als weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

Systemische Glukokortikoide

Kurzzeitig können systemische Glukokortikoide zur Behandlung des akuten Schubes einer schweren atopischen Dermatitis im Erwachsenenalter zum Einsatz kommen. Für eine Langzeittherapie stellen sie aber aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils (u.a. Bluthochdruck, Hyperglykämie, Osteoporose) keine Therapieoption dar.

Ciclosporin

Ciclosporin ist ein systemischer Calcineurin-Inhibitor. Seine Wirkung basiert auf der Hemmung der Aktivierung und Vermehrung von T-Lymphozyten – Zellen des Immunsystems, denen eine entscheidende Rolle in der Entzündungsreaktion der Neurodermitis zukommt. Ciclosporin ist für die Behandlung der schweren atopischen Dermatitis im Erwachsenenalter zugelassen. Es tritt üblicherweise eine rasche Besserung des Hautbefundes ein. Die Therapie erfolgt über drei bis vier Monate. Potenzielle Nebenwirkungen sind arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und Nephrotoxizität (Nierenschädigung).

Biologika: Dupilumab

Dupilumab ist ein monoklonaler Antikörper, der neu für die Behandlung der unkontrollierten moderat schweren atopischen Dermatitis im Erwachsenenalter zugelassen ist. Aktuelle Studien zeigen ebenfalls einen therapeutischen Nutzen in der Therapie der atopischen Dermatitis in der Adoleszenz und im Kindesalter bei gutem Sicherheitsprofil.

Dieser Antikörper ist gegen den gemeinsamen Rezeptor von zwei Botenstoffen (IL-13 und IL-4) gerichtet. Diese spielen eine wichtige Rolle in der Entzündungsreaktion der atopischen Dermatitis. Dupilumab wird alle zwei Wochen subkutan (= unter die Haut) gespritzt. Potenzielle Nebenwirkungen umfassen vor allem starke Lokalreaktionen an der Injektionsstelle sowie Konjunktivitiden.

Juckreizstillende Medikamente

Sowohl topische Glukokortikosteroide (Kortison) als auch topische Calcineurin-Inhibitoren oder UV-Therapie werden zur Verringerung des Juckreizes den Leitlinien entsprechend empfohlen.

UV-Therapie

Die Lichttherapie, eine gezielte Bestrahlung der Haut mit UV-Licht bestimmter Wellenlängen, kann zu einer deutlichen Verbesserung des Hautzustandes beitragen. Das Licht setzt hierbei unterschiedliche fotobiologische Prozesse in der Haut in Gang und beeinflusst so Haut- und Immunzellen. Die Effektivität der Lichttherapie lässt sich durch die Einnahme von Tabletten oder die Anwendung von Salben und Bädern, welche die Lichtempfindlichkeit erhöhen, steigern (PUVA-, Balneo-PUVA-Therapie). Der Einsatz der UV-Therapie ist aufgrund der möglichen Langzeitschäden (Hautalterung und Hautkrebs) limitiert.

Komplementärmedizin

Komplementärmedizinische Verfahren können gegebenenfalls und nach ärztlicher Absprache zum Einsatz kommen; für ihre Wirksamkeit bei der Neurodermitis fehlen allerdings kontrollierte wissenschaftliche Studien.

+++ Mehr zum Thema: Lebensqualität bei Neurodermitis +++

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Stand der medizinischen Information:
Quellen

University of Zurich: Leitlinie Neurodermitis; www.zora.uzh.ch/id/eprint/130071/8/Anderungen_aus_Proofs.pdf (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Abbildung: Wollenberg et al., European Academy of Dermatology and Venerology. JEADV 2018; 32:657-682
Deutsche Haut- und Allergiehilfe; https://www.dha-neurodermitis-therapie.de/therapie/was-bedeutet-proaktive-therapie.html (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Simon D: Neurodermitis – ein Leitfaden für Ärzte und Patienten. UNI-MED, 3. Auflage 2018; ISBN 978-3-8374-1561-2

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