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Medikamente bei Neurodermitis

Behandlung Neurodermitis
Zur Behandlung von Neurodermitis gibt es verschiedene therapeutische Ansätze. (Andrey Popov / Fotolia.com)

Die medikamentöse Behandlung der atopischen Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, richtet sich nach deren Ausprägung.

Kurzfassung:

  • Die medikamentöse Therapie bei Neurodermitis wird an den momentanen Hautzustand angepasst und erfolgt nach einem Stufenschema.
  • Die Basistherapie dient der hydrierenden und rückfettenden Pflege der Haut.
  • Die lokale antientzündliche Therapie wird mit Glukokortikoiden und Calcineurininhibitoren unterschiedlicher Stärke durchgeführt.
  • Für die Behandlung der schweren Neurodermitis kommen auch systemische Therapien zum Einsatz, d.h. die eingesetzten Medikamente wirken auf den ganzen Körper. 

Allgemeines zur Therapie

Die Therapie der Neurodermitis richtet sich dem Schweregrad der Erkrankung (Stufenschema). Dieser kann sich im Verlauf immer wieder ändern. Aus diesem Grund wird die Behandlung ständig an den jeweils vorliegenden Hautzustand angepasst. Insgesamt gibt es 4 Therapiestufen:

  • Stufe 1: Trockene Haut

Lokale Basistherapie der Haut mit dem Ziel, diese ausreichend mit Feuchtigkeit und Fetten zu versorgen und auf diese Weise die Barrierefunktion zu stärken, sowie Vermeidung oder Reduktion von Triggerfaktoren (Faktoren, welche die Erkrankung respektive deren Ausprägung begünstigen) und unspezifischen Irritanzien (z.B. tierische Wolle oder Weichspüler). Der Einsatz von juckreizstillenden Wirkstoffen kann in Erwägung gezogen werden.

  • Stufe 2: Leichte Neurodermitis

Ergänzend zu den Massnahmen von Stufe 1 mittelstark wirksame topische Glukokortikoide (Kortison) und/oder topische Calcineurininhibitoren. Antiseptika, die Silber enthalten und silberbeschichtete Textilien können hilfreich sein.

  • Stufe 3: Mittelschwere Neurodermitis

Ergänzend zu den Massnahmen von Stufe 1 stark wirksame topische Glukokortikoide und/oder topische Calcineurininhibitoren. Wet-Wrap-Therapie, UV-Therapie und psychosomatische Beratung.

  • Stufe 4: Schwere Neurodermitis

Für die Behandlung der schweren Neurodermitis kommen systemische Therapien zum Einsatz, d.h. Therapien, die auf den ganzen Körper wirken. 

+++ Mehr zum Thema: Neurodermitis +++

Basistherapie

Der Basistherapie, die Hautpflege und desinfizierende/rückfettende Bäder beinhaltet, kommt in der Behandlung der Neurodermitis besondere Bedeutung zu. Die erblich bedingte und durch die Entzündung verursachte Störung der Hautbarriere trägt entscheidend zum Verlauf der Erkrankung bei. Durch eine konsequente Basistherapie kann Folgendes erreicht werden:

  • geringere Infektionsneigung
  • reduzierter Medikamentengebrauch
  • verbesserte Hautbarriere
  • verminderter Juckreiz

Für die Basistherapie stehen zahlreiche Salben, Cremen und Lotionen zur Verfügung. Bei Bedarf kann die pflegende Wirkung durch den Zusatz juckreizstillender Substanzen erweitert werden. Hierzu zählen:

  • Glycerin
  • Harnstoff
  • Polidocanol
  • Gerbstoffe

Topische Therapie

  • Topische Glukokortikoide (Kortison)

Topische Glukokortikoide sind die Therapie der 1. Wahl zur Verringerung der lokalen Entzündung. Die Anwendung erfolgt in der Regel 1–2x täglich. Die Dauer der Anwendung und die Stärke des verwendeten topischen Glukokortikoids richten sich nach dem aktuellen Schweregrad, den Bereichen, wo Neurodermitis auftritt sowie dem Alter des Betroffenen. Werden diese grundsätzlichen Regeln befolgt, lassen sich die potenziellen Nebenwirkungen weitgehend vermeiden. Zu diesen gehören primär eine Ausdünnung der Haut und das Sichtbarwerden von kleineren Gefässen (Teleangiektasien).

  • Topische Calcineurininhibitoren

Diese sind in der Schweiz seit 2002 zur Therapie der Neurodermitis zugelassen und stellen ähnlich wie die topischen Glukokortikosteroide eine antientzündliche Therapie dar. Sie finden vor allem zur Behandlung der Hautveränderungen in spezifischen Hautarealen, wie beispielsweise im Gesicht, sowie im Rahmen der proaktiven Therapie (prophylaktisch und zur Vorbeugung von Krankheitsschüben) Anwendung. Das Auftreten von lokalem Brennen oder Jucken zu Beginn der Behandlung ist die häufigste Nebenwirkung.

  • Spezielle Licht-UV-Therapie

Die Lichttherapie ist eine gezielte Bestrahlung der Haut mit UV-Licht bestimmter Wellenlängen und kann zu einer deutlichen Verbesserung des Hautzustands beitragen. Das Licht (UV-A oder UV-B) setzt hierbei unterschiedliche fotobiologische Prozesse in der Haut in Gang und beeinflusst so Haut- und Immunzellen. Die Effektivität der Lichttherapie lässt sich durch die Einnahme von Tabletten oder die Anwendung von Salben und Bädern, welche die Lichtempfindlichkeit erhöhen, steigern (sog. Psoralen-UVA[PUVA]-, Balneo-PUVA-Therapie). In Kombination mit gewissen Medikamenten darf jedoch eine UV-Therapie nicht durchgeführt werden. Der Einsatz der UV-Therapie ist aufgrund von möglichen Langzeitschäden (Hautalterung und Hautkrebs) limitiert und darf nur unter medizinischer Aufsicht, d.h. beim Hautarzt (Dermatologen) erfolgen. 

Proaktive Therapie

Bei einer proaktiven Therapie wird die topische Therapie nach Abklingen des Ekzems nicht komplett abgesetzt und abgewartet, bis sich ein neuer Krankheitsschub ankündigt, sondern aktiv 1–2x/Woche weiterbehandelt. Dieser Therapieansatz basiert auf der Erkenntnis, dass die Haut auch in scheinbar erscheinungsfreien Phasen eine zwar geringe, aber anhaltende Entzündungsreaktion aufweist. Mit der Fortsetzung der antientzündlichen topischen Therapie ergänzend zur Basistherapie auch nach Abklingen des Ekzems können die beschwerdefreien Zeiten verlängert und die Zahl akuter Ekzemschübe deutlich verringert werden.

Systemische Therapie

Reicht die topische Therapie zur Kontrolle der atopischen Dermatitis nicht aus, stehen Medikamente, welche die Aktivität des Immunsystems beeinflussen, als weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

  • Systemische Glukokortikoide

Kurzzeitig können systemische Glukokortikoide zur Behandlung des akuten Schubes einer schweren atopischen Dermatitis im Erwachsenenalter zum Einsatz kommen. Diese wirken immunsuppressiv. Für eine Langzeittherapie stellen sie aber aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils (u.a. Bluthochdruck, Hyperglykämie, Osteoporose) keine Therapieoption dar.

  • Ciclosporin A

Die Wirkung von Ciclosporin A basiert auf der Hemmung der Aktivierung und Vermehrung von T-Lymphozyten. T-Lymphozyten sind Zellen des Immunsystems, denen eine entscheidende Rolle in der Entzündungsreaktion der Neurodermitis zukommt. Ciclosporin A ist für die Behandlung der schweren atopischen Dermatitis im Erwachsenenalter zugelassen. Es tritt üblicherweise eine rasche Besserung des Hautbefundes ein. Die Therapie erfolgt über eine begrenzte Zeit. Potenzielle Nebenwirkungen sind arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und Nephrotoxizität (Nierenschädigung).

  • Neuartige Medikamente

Dank wachsendem Verständnis über die beteiligten Botenstoffe konnten neuartige Medikamente entwickelt werden, die gezielt auf Botenstoffe des Immunsystems einwirken. Diese Botenstoffe spielen beim Entzündungsgeschehen der Neurodermitis eine zentrale Rolle.

Neurodermitis ist eine individuell sehr unterschiedlich ausgeprägte Erkrankung. So wird auch die Therapie vom Hautarzt (Dermatologen) oder Allergologen gemeinsam mit den betroffenen Personen individuell abgestimmt.

+++ Mehr zum Thema: Lebensqualität bei Neurodermitis +++

(Stand der medizinischen Information: Januar 2021)

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
, PD Dr. Dr. med. Ahmad Jalili (2021)
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Werfel T, Werner A, Frank A et al. S2k guideline on diagnosis and treatment of atopic dermatitis, 2015.

Werfel T, Werner A, Frank A et al. Aktualisierung „Systemtherapie bei Neurodermitis“ zur Leitlinie Neurodermitis, 2020.

He H, Guttman-Yassky E. JAK Inhibitors for Atopic Dermatitis: An Update. Am J Clin Dermatol. 2019; 20(2):181-192.

Hoy SM. Crisaborole Ointment 2%: A Review in Mild to Moderate Atopic Dermatitis. Am J Clin Dermatol. 2017 Dec;18(6):837-843.

University of Zurich: Leitlinie Neurodermitis; www.zora.uzh.ch/id/eprint/130071/8/Anderungen_aus_Proofs.pdf (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Abbildung: Wollenberg et al., European Academy of Dermatology and Venerology. JEADV 2018; 32:657-682
Deutsche Haut- und Allergiehilfe; https://www.dha-neurodermitis-therapie.de/therapie/was-bedeutet-proaktive-therapie.html (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Simon D: Neurodermitis – ein Leitfaden für Ärzte und Patienten. UNI-MED, 3. Auflage 2018; ISBN 978-3-8374-1561-2

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Neurodermitis ist eine chronisch verlaufende Ekzemerkrankung der Haut und tritt sehr häufig im Kindesalter auf.

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