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Behandlung eines Leistenbruchs

Leistenbruch Operation Krankenhaus
Ein Leistenbruch wird in der Regel chirurgisch versorgt. (PeopleImages / iStockphoto)

Ist einmal die Diagnose Leistenbruch gestellt, so ist die einzig effektive Therapie zur Heilung die operative Sanierung, wobei es nicht immer darum geht, das Loch in der Bauchdecke zu verschließen, weil das oft mit einem Spannungsaufbau vergesellschaftet ist, sondern die Leistenkanalhinterwand zu stabilisieren und gegebenenfalls durch die Implantation von Kunststoffnetzen eine stabile, tragfähige Narbenbildung zu bewirken, die dauerhaft einen Rückfall verhindern kann.

Kurzfassung:

  • Ein Leistenbruch wird im Regelfall chirurgisch saniert. Es gibt keine Alternative der kausalen Behandlung.
  • Dabei wird das Loch in der Bauchdecke verschlossen und/oder durch Verstärkung der Leistenkanalhinterwand mit Netzunterstützung überbrückt.
  • Bei Kindern und minderjährigen Personen werden keine Kunststoffe verwendet, um das weitere Wachstum nicht zu stören.
  • Die Operation erfolgt in der Regel offen über einen direkten Leistenschnitt oder minimalinvasiv (laparo-endoskopisch). Letztgenannte Verfahren haben vor allem bei Rückfällen, beidseitigen Befunden und Frauen gesicherte Vorteile.

 


Offene Operation

Hierbei wurden die rein nahtgestützten Verfahren (Bassini, Shouldice) durch spannungsfreie netzgestützte Verfahren weitgehend abgelöst (Lichtenstein, TIPP). Durch die weitläufige Leistenverstärkung mit Kunststoffnetzen konnte durch Spannungsreduktion und stabilere Narbenbildung eine Reduktion der Rückfallraten erzielt werden. Dennoch spielen die Nahtverfahren noch eine Rolle bei jungen Patienten mit kleinen lateralen (durch den Leistenkanal tretenden) Leistenhernien und ansonsten stabilen Gewebsverhältnissen der Leistenkanalhinterwand.

+++ Mehr zum Thema: Hernien +++

Laparo-endoskopische Operation

In den letzten beiden Jahrzehnten haben sich minimalinvasive Operationstechniken in vielen Bereichen der Chirurgie durchgesetzt. Dies gilt auch für die chirurgische Versorgung von Leisten- und Schenkelbrüchen. Dabei werden drei kleine Schnitte von 0,3 bis 1 cm Länge fernab des Bruches etwa in Nabelhöhe gesetzt und röhrenförmige Stäbe eingebracht, über die verschiedene Instrumente mit Blick auf einen Monitor bedient werden können. Die Hernie wird so freigelegt und mit einem hochwertigen Kunststoffnetz, welches makroporös und monofilamentär sein sollte, verstärkt (TAPP- und TEP-Methode).

Die Vorteile der minimalinvasiven Methoden sind etwas geringere chronische Schmerzraten sowie eine raschere Heilung und Belastbarkeit nach der Operation (Vollbelastung nach etwa drei Wochen möglich).

Dennoch lässt sich durch die verfügbare Fachliteratur kein eindeutiger Vorteil dieser Verfahren gegenüber den offenen Techniken beweisen. Die offenen und laparoskopischen Verfahren haben Vor- und Nachteile und sollten individualisiert in Abhängigkeit von Art, Größe und Lokalisation des Hernienbefundes, Alter, Risikoprofil und Begleiterkrankungen des Patienten sowie vorbestehenden Narben und stattgehabten Voroperationen angeboten werden.

Die moderne Hernienchirurgie erfordert aufgrund zunehmender Komplexität der Fälle und Verbreitung mannigfaltiger Techniken, Netzmaterialien und Fixationselementen ein hohes Maß an Spezialisierung. Nur wenige Chirurgen bzw. Kliniken beherrschen alle Techniken. Heutzutage ist nur ein ausgewiesener Spezialist in der Lage, aus der Vielzahl von Behandlungsmethoden die individuell richtige für den jeweiligen Patienten auszuwählen und korrekt durchzuführen. Patienten können an der Zertifizierung von Hernienzentren erkennen, dass ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung im Bereich der jeweiligen Fachabteilung nachweislich vorliegt.

+++ Mehr zum Thema: Leistenbruch +++

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Autoren:
Assoc.Prof. Priv.Doz.Dr. Emanuel Sporn, OA Priv.-Doz. Dr. Gernot Köhler, MSc. MBA
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

OA Priv.-Doz. Dr. Gernot Köhler, MSc. MBA (2020)
 

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