Homöopathie: Heilung oder Humbug?

Homöopathische Globuli
Kann das was? (Thomas_EyeDesign / iStockphoto)

Homöopathie ist wohl die umstrittenste, aber auch die beliebteste Form der alternativen Medizin. Während die einen sie als Pseudowissenschaft abtun, hegen andere keinen Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Sicher ist aber eines: Sie ist ein riesiges Geschäft.

Globuli – auf die homöopathischen Zuckerkügelchen schwören Millionen von Menschen. 50% der Österreicher ab 15 Jahren verwenden zumindest einmal im Jahr homöopathische Mittel, in Deutschland sind es rund 60%. Die Therapieform ist allerdings hoch umstritten und spaltet Ärzteschaft wie Patienten. Während ihre Gegner sie als Humbug angreifen, verteidigen ihre Verfechter sie als überaus effektiv. Was ist also dran an der Homöopathie? Wirkt sie oder nicht? Und was kann die moderne Medizin von ihr lernen?

Ähnliches mit Ähnlichem heilen

Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann entwickelte die Homöopathie Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit seiner Heilkunst wandte er sich damals gegen die Medizin seiner Zeit: Er wollte Ähnliches mit Ähnlichem heilen. So lautet auch das erste Grundprinzip der Homöopathie. Homöopathische Mittel verwenden Wirkstoffe, die genau die Symptome erzeugen, die geheilt werden sollen. Die Tollkirsche verursacht zum Beispiel Fieber und wird deshalb gegen Fieber  eingesetzt.

Die "20-Millionen-Ente"

Das zweite Grundprinzip ist eine spezielle Zubereitungsart – die sogenannte Potenzierung. Hahnemann war überzeugt: Indem man Substanzen verdünnt, verstärken sich ihre Heilkräfte. Das funktioniert so: Die Wirkstoffe werden in Alkohol oder destilliertem Wasser aufgelöst. Dann wird ein Teil dieser Lösung auf ein Zehntel der Ausgangskonzentration verdünnt und geschüttelt. Das Ergebnis ist eine Dezimalpotenz, kurz D1-Potenz. Dieser Schritt wird wiederholt. Man vermengt wieder einen Teil der Mixtur mit neun Teilen Wasser und schüttelt. So ergibt sich eine D2-Potenz.

Kurz: je stärker die Verdünnung, desto höher die Potenz. Eine D20-Potenz ist beispielsweise so stark verdünnt wie eine Aspirintablette im ganzen Atlantischen Ozean.

Es gibt aber noch viel extremere Beispiele. Eines der bestverkauften homöopathischen Mittel ist Oscillococcinum C200, das auch die "20-Millionen-Ente" genannt wird. Es ist ein homöopathisches Erkältungsmittel. Mit 400 Nullen ist seine Potenzzahl wesentlich größer als die geschätzte Zahl an Molekülen im gesamten Universum. Für seine Produktion muss der Hersteller nur eine Barbarie-Ente pro Jahr kaufen. Der erzielte Jahresumsatz: 20 Millionen Dollar. Genau genommen benötigt er nicht einmal ein ganzes Tier, sondern nur das Leber- und Herzgewebe.

Warum es so gut wirken soll? Laut Homöopathielehre ist die Wirkung eines Mittels umso stärker, je höher seine Potenzierung ist – also je öfter es verdünnt und verschüttelt wurde. Einziges Problem dabei: Bereits nach zwölfmaliger Verdünnung im Verhältnis 1:100 ist rein rechnerisch im Arzneimittel kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz (sprich: der Ente) mehr enthalten. Wo kein Wirkstoff, da keine Wirkung, oder? 

Das Prinzip der Potenzierung in der Homöopathie
(Anita Kovacs / netdoktor)

Das Wassergedächtnis

Die Potenzierung ist eines der Hauptargumente der Homöopathie-Kritik. Im Prinzip sind fast alle homöopathischen Mittel so stark verdünnt, dass darin kein Wirkstoff mehr zu finden ist. Homöopathen sind sich dessen bewusst und verweisen auf das "Gedächtnis" des Wassers, das die Information des Wirkstoffs speichern soll. Das würde allerdings bedeuten, dass jegliche Substanz, die mit einem Tropfen Wasser in Berührung kommt, eine Spur hinterlässt. Man denke nur an alles, was sich im Meer herumtreibt. Jeder Schluck Meerwasser wäre ein hochpotenter Homöopathie-Cocktail.

Da stellt sich die Frage: Wie konnte Homöopathie trotzdem so erfolgreich werden? 


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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Ludwig Kaspar
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: Juni 2018

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