Impfreaktionen

Mädchen mit Teddybär im arm fühlt sich krank und greift sich an die Stirn.
Mädchen mit Teddybär im arm fühlt sich krank und greift sich an die Stirn. (12-06-09 © Garry Studer / iStockphoto)

Medizinische Laien, aber auch so mancher Experte stehen Impfungen mitunter reserviert gegenüber. Der Grund für diese Skepsis ist meist in der Befürchtung zu suchen, Impfungen würden schwer wiegende Nachwirkungen mit sich bringen und die verbundenen Risken den Nutzen einer solchen Maßnahme deutlich überwiegen.

In Hinblick auf mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen ist es einerseits von besonderer Bedeutung, unbegründete Ängste zu zerstreuen. Andererseits gilt es aber auch klarzumachen, dass Impfungen - wie jedes andere Arzneimittel - neben der erwünschten Wirkung auch unerwünschte Begleiteffekte haben können. Ob eine Impfung als sinnvoll einzustufen ist oder nicht, wird letztlich vom Verhältnis dieser beiden Faktoren abhängen.

Selbstverständlich kann im Einzelfall auch eine Impfung die Ursache für eine Gesundheitsstörung sein und es gilt folgender Satz des Pharmakologen Gustav Kuschinsky:
"Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkungen hat, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung besitzt."

Unverständlich ist allerdings, warum gerade im Zusammenhang mit Impfungen Nebenwirkungen so emotional beurteilt werden und so viel Unrichtiges behauptet wird.
Wenn man sich etwa den Beipackzettel von gerne verwendeten Acetylsalicylsäure(ASS)-Präparaten (u.a. Aspirin) betrachtet, so sind hier Nebenwirkungen aufgelistet, die einem die Haare zu Berge stehen lassen können. Allerdings: Diese sind unglaublich selten, die Präparate haben ein gutes Image und niemand macht sich darüber ernsthafte Gedanken.

Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Bei Acetylsalicylsäure handelt es sich um eine chemische Substanz, die direkt in den Organismus eingreift. Im Unterschied dazu ist eine Impfung im weiteren Sinn wohl auch eine chemische Substanz - der im Organismus ausgelöste Effekt ist aber eigentlich ein biologischer. Unser Organismus muss sich von der ersten bis zur letzten Minute des Lebens ständig in einer "feindlichen" Welt behaupten: Wir nehmen potenziell krankmachende Keime beim Essen und Trinken zu uns, beim Atmen, beim Geschlechtsverkehr, sogar beim Nasebohren.

Der Körper ist aber speziell für diese Anforderungen gebaut, ja unser Immunsystem ist deshalb so differenziert und spezialisiert, damit es solchen Herausforderungen gewachsen ist. Das bedeutet: Wenn jemand beim Atmen irgendein Bakterium aufnimmt, so können zwei Dinge daraus resultieren: Das Immunsystem tötet den Keim ab, oder wir werden krank, weil der Keim zunächst listiger ist, und unser Immunsystem muss sich mehr anstrengen.

Wenn wir also im Zuge einer Impfung fremde Keime aufnehmen, so bedeutet dies für unseren Organismus absolut nichts Außergewöhnliches - solche Dinge abzuwehren ist etwas, worin er trainiert ist. Entscheidend ist aber, dass bei einer Impfung dem Immunsystem sogar geholfen wird, indem man die Abwehrreaktion unter kontrollierten Bedingungen ablaufen lässt. Dieser Vorgang ist also völlig biologisch und im natürlichen Ablauf des Lebens vorgesehen.

Impfungen sind daher sogenannte biogene Arzneimittel. Für Impfstoffe gilt dasselbe strenge Arzneimittelgesetz wie für alle anderen Medikamente auch. In mancherlei Hinsicht ist das Arzneimittelgesetz bei Impfstoffen noch strenger als bei Medikamenten: So erfolgen in jedem Unternehmen genaue Kontrollen des Produktionsablaufs und selbst bei einem zugelassenen Präparat werden die einzelnen Produktionschargen vor der endgültigen Erlaubnis, diese in den Verkehr zu bringen, nochmals überprüft (sogenannte Chargenprüfung). Diese Vorgangsweise garantiert heutzutage, dass Fehler bei der Impfstoffherstellung praktisch unmöglich sind - und davon profitiert der Konsument.

Welche anderen Reaktionen können beobachtet werden?

Es wird vermutet, dass Impfungen bereits bestehende Erkrankungen aktivieren können, vor allem solche, bei denen das Immunsystem nicht mehr normal reagiert.

Als Beispiel hierfür gilt hier die Multiple Sklerose (MS), bei der immer wieder diskutiert wird, ob nicht durch Impfungen Schübe begünstigt werden könnten, oder auch das Guillain-Barré-Syndrom, eine Erkrankung der Nerven.

Aktivierung von anderen Erkrankungen

Bis heute ist nicht völlig klar, ob tatsächlich eine Kausalbeziehung zwischen Impfungen und derartigen Erkrankungen besteht. Solange dies nicht der Fall ist, wird man bei Patienten mit solchen Erkrankungen besonders vorsichtig sein.

Auch bestimmte Hauterkrankungen, wie Ekzeme, können möglicherweise durch Impfungen beeinflusst werden - sowohl positiv als auch negativ. Hier sind noch viele Dinge unklar, es gilt daher zwischen möglichem Risiko und Nutzen einer Impfung abzuwägen. Eine Absprache mit einem Fachmann ist in diesen Fällen unerlässlich

Andere Komplikationen

Der Injektionsvorgang selbst birgt ebenfalls Risken, wenn er unsachgemäß durchgeführt wird: direkte Injektion in einen Nerv oder in seine unmittelbare Umgebung kann diesen schädigen, vor allem durch eine entzündliche Reaktion.

Auch die Applikation von Impfstoffen in ein arterielles Gefäß kann Reaktionen bis hin zum Gefäßverschluss auslösen. Wird die Injektion nicht unter sterilen Gesichtspunkten, unter Beachtung der üblichen Hygienevorschriften (Einmalspritzen und - nadeln) gegeben, so können beim Injektionsvorgang fremde Krankheitserreger in den Stichkanal eingebracht werden. Daraus kann ein sogenannter Spritzenabszess resultieren oder auch eine andere Erkrankung, deren Erreger sich im oder am Injektionsbesteck befunden haben (z.B. Hepatitis B).

Reaktionen durch falsche Handhabung

Es gilt der Grundsatz, dass praktisch alle Impfstoffe temperaturempfindlich sind. Werden sie nicht ordnungsgemäß gelagert, so resultiert ein Wirkungsverlust, der bis zur völligen Unwirksamkeit gehen kann.

Besonders empfindlich sind diesbezüglich alle Lebendimpfstoffe wie z. B. Gelbfieber, weniger empfindlich sind Totimpfstoffe wie Tetanus, Diphtherie oder Hepatitis A. Werden Impfstoffe tiefgefroren, so sind sie nach dem Auftauen möglicherweise sogar gefährlich, da die Inhaltsstoffe teilweise ausfallen und dann Impfreaktionen auftreten können.

Die meisten Impfstoffe sind zwischen +2 und +8 Grad zu lagern, der Transport zum Kühlschrank muss unter Einhaltung dieser Temperaturvorgabe erfolgen (Einhaltung der Kühlkette). Nur dann sind Qualität und Wirksamkeit bis zum Verfalldatum mit Sicherheit gegeben. Bereits abgelaufene Impfstoffe sollten nicht weiterverwendet werden, dies gilt insbesondere für die sehr empfindlichen Lebendimpfstoffe! Auch direkte Lichteinwirkung ist für manche Impfstoffe schädlich.

++ Mehr zum Thema: Worauf sollte man sonst noch achten? ++

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Autoren:
Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, MD

Aktualisiert am:

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