Impfkomplikation

Frau mit Pflaster am Arm (bikeriderlondon / Shutterstock)

Impfungen können Nebenwirkungen haben. Die Einteilung erfolgt in Impfreaktion, Impfkrankheit, Impfkomplikation und Impfkomplikation mit bleibendem Schaden.

Die nachfolgende Auflistung soll eine grobe Orientierung ermöglichen sowie einzelne Begriffe definieren (in Anlehnung an U. Quast, Impfreaktionen, Hippokrates Verlag):

Impfreaktion

  • harmlose Beschwerden im Rahmen der Immunantwort
  • Häufigkeit im Bereich von einigen Prozent der Impflinge
  • z.B.: Reaktion an der Stichstelle nach Tetanusimpfung

Impfkrankheit

  • leichte Form der Infektionskrankheit
  • Häufigkeit seltener als die Impfreaktion (unter 1%)
  • z.B.: Impfmasern

Impfkomplikation

  • vorübergehend Therapie nötig
  • Häufigkeit im Promillebereich
  • z.B.: Lymphknotenabszesse nach Tuberkulose-Schutzimpfung

Impfkomplikation mit bleibendem Schaden

  • Häufigkeit im Bereich von etwa 1 zu 1,000.000
  • z.B.: Impfpoliomyelitis nach Kinderlähmungsschluckimpfung (in Österreich nicht mehr erhältlich)

Was tun bei einem Verdacht auf eine Impfkomplikation?

Wann immer man den Verdacht hat, dass eine Impfkomplikation vorliegen könnte, sollte man versuchen, in Zusammenarbeit mit Arzt oder Ärztin eine schlüssige Antwort auf die folgenden drei Fragen zu finden:

  • Ist die Erkrankung im Hinblick auf die aufgetretenen Symptome überhaupt "passend" zu der verabreichten Impfung?
  • Ist das Intervall zwischen Impfung und Beginn der fraglichen Komplikation schlüssig?
  • Sind andere Krankheiten, die in der Ausprägung ähnlich verlaufen könnten, mit Sicherheit ausgeschlossen?

Beispiel für einen Verdacht auf eine Impfkomplikation

Ein Mann erhält am 15. April seine erste FSME-Impfung. Am 5. Mai wird er mit einer Gehirnhautentzündung ins Spital eingeliefert. Der Mann vermutet nun, dass es sich bei der Entzündung um eine durch die Impfung ausgelöste FSME handeln muss. Wenn man die drei obigen Fragen nun in diesem Fall anwendet, würde Folgendes resultieren:

Passende Symptome

Das Symptom Gehirnhautentzündung wäre in Hinblick auf eine FSME-Impfung passend, weil die FSME ja eine Form der Gehirnhautentzündung ist.

Allerdings: Der verabreichte Impfstoff ist ein sogenannter Totimpfstoff, d.h. er enthält keine vermehrungsfähigen Erreger, die ins Gehirn wandern könnten. Andererseits - so argumentiert der Patient - wäre es doch denkbar, dass bei der Impfstoff-Produktion ein Fehler passiert ist, und noch lebende Viren im Impfstoff waren. Auch dieses Argument ist nicht stichhaltig, da die Impfstoffzubereitung das Vorhandensein noch vermehrungsfähiger Viren ausschließt.

Schlüssiges Intervall

Das Intervall wäre passend. Gleiches gilt aber auch für die Möglichkeit, dass der Patient kurz nach der Impfung unbemerkt einen Zeckenbiss erlitten hat und die Erkrankung durch auf diesem Weg übertragene FSME-Viren ausgelöst wurde.

Der Patient argumentiert nun, dass er ja gegen FSME eine Impfung erhalten hat, eine Erkrankung daher unmöglich sein kann/darf. Auch dieses Argument ist vordergründig logisch, aber trotzdem falsch: Eine Impfung, vor allem die allererste Impfung, schützt bei Impfstoffen wie FSME (aber auch Tetanus, Hepatitis A, Hepatitis B u.v.a.) noch so gut wie gar nicht. Ein Schutz wäre erst nach der zweiten Impfung gegeben.

Ausschluss anderer Erkrankungen

Nicht nur FSME-Viren können für eine Gehirnhaut-Entzündung verantwortlich zeichnen. Auch andere Viren sind dazu in der Lage, und der Verlauf der Erkrankung gleicht jenem der FSME zum Verwechseln. Erst das Spital wird in solchen Fällen durch entsprechende Blutuntersuchungen endgültig in der Lage sein, der Gehirnhautentzündung einen bestimmten Erreger zuzuordnen.

Im vorliegenden Fall handelte es sich tatsächlich um eine FSME und der Patient fühlte sich mit seiner Kritik im Recht. Aufgrund der anderen beiden Fragen bzw. deren Beantwortung war es allerdings ganz eindeutig möglich, beweisend darzulegen, dass nicht die Impfung schuld war, sondern dass der Patient offensichtlich kurz nach der Impfung von einer infizierten Zecke gebissen wurde. Der Beweis gelang vor allem aufgrund der Tatsache, dass jene Charge Impfstoff, mit welcher der Patient geimpft wurde, zuvor einigen Tausend Personen ohne Schwierigkeiten verabreicht worden und die Charge auch in der vorherigen Chargenprüfung absolut in Ordnung gewesen war.

Bedauerlicherweise sind es solche Zwischenfälle, die Impfungen in Misskredit bringen, weil keine systematische Klärung des Ursache-Wirkungsprinzips erfolgt. Wenn noch entsprechende Schlagzeilen folgen, hat das Image der Impfung beträchtlichen Schaden genommen und viele Impflinge sind zutiefst verunsichert.

Doch - und das sei keinesfalls in Abrede gestellt - Impfungen können Nebenwirkungen haben. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) unterscheidet vier Kategorien von Erkrankungen nach Impfungen:

1. Durch Impfungen verursachte unerwünschte Reaktionen

Dabei handelt es sich um überschießende Reaktionen, die mit der Impfung direkt ursächlich verknüpft sind, über deren Existenz man weiß und deren Auftreten auch in einem möglichen zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung steht.

Als Beispiele für diese Kategorie gelten:

  • Masern-Impfung: Impfmasern
  • Tetanus-Impfung: starke Schwellung und Rötung an der Impfstelle
  • Keuchhusten-Impfung: kurzzeitiges hohes Fieber

2. Durch die Impfung ausgelöste unerwünschte Reaktionen

Darunter versteht man sind gesundheitliche Probleme, die sich auch bei anderen Gelegenheiten ereignet hätten, bei denen die Impfung jedoch den letzten Anstoß für das Auftreten der Symptome gegeben hat (eine direkte Ursache-Wirkungsbeziehung ist hier oft nur sehr schwer herzustellen).

Beispiel für eine unerwünschte Reaktion

Keuchhusten-Impfung - hohes Fieber - epileptischer Anfall beim Kind: Die Epilepsie war vor der Impfung beim Kind "stumm", durch das mit der Keuchhusten-Impfung verbundene mögliche kurzzeitig hohe Fieber, das einen Krampfanfall begünstigt, ist die Epilepsie plötzlich manifest geworden. Sie wäre aber auch manifest geworden, wenn das Kind aus einem anderen Grund plötzlich hohes Fieber bekommen hätte.

3. Erkrankungen durch fehlerhafte Produktion, fehlerhafte Dosierung oder fehlerhafte Anwendung eines Impfstoffes

Während Fehler bei Produktion und Auslieferung der Impfstoffe - wie oben erwähnt - sehr selten sind, kann bei der Dosierung oder Anwendung wie bei jeder medizinischen Maßnahme etwas schiefgehen.

Beispiele für eine fehlerhafte Anwendung, Dosierung oder Produktion

  • Eine Tetanus-Impfung wurde nicht am Oberarm in den Muskel gegeben, sondern knapp unter die Haut verabreicht. Die Reaktion an der Impfstelle wird dadurch häufig um vieles stärker, auch Fieber kann auftreten.
  • Eine Tuberkulose-Schutzimpfung wurde nicht streng in die obersten Hautschichten injiziert, sondern in tiefere Schichten. Lymphknoten-Schwellungen und -Abszesse sind dadurch viel häufiger.

4. Erkrankungen, die rein zufällig mit der Impfung zusammentreffen und dieser irrtümlich ursächlich zugeschrieben werden.

Diese Fälle sind oft sehr knifflig. Als Beispiel darf das oben angeführte Exempel des Patienten mit der Gehirnhautentzündung gelten.

Impfen: Reaktionen & Nebenwirkungen
Welche Unterschiede gibt es zwischen den Impfstoffgruppen?
Welche anderen Reaktionen können beobachtet werden?
Worauf sollte man sonst noch achten?

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Autoren:
Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Hygiene und Mikrobiologie

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