Matomo pixel

Hormontherapie bei Prostatakrebs

Meistens wird die Hormontherapie bei Prostatakrebs durch eine Depotspritze unter die Haut durchgeführt.
Meistens wird die Hormontherapie bei Prostatakrebs durch eine Depotspritze unter die Haut durchgeführt. (scyther5 / iStockphoto)

Testosteron trägt zum Tumorwachstum bei. Durch Drosselung der Hormonproduktion kann die Ausbreitung des Tumors gebremst werden.

Die Prostata ist eine hormonabhängige Drüse. Von seltenen Ausnahmefällen abgesehen, stimuliert Testosteron das Wachstum des Prostatakarzinoms. Gebildet wird das wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen) zum größten Teil in den Hoden, ein kleiner Teil wird in den Nebennieren produziert.

Testosteron sorgt dafür, dass Prostatazellen – insbesondere Prostatakrebszellen – schneller wachsen und sich vermehren. Wird der Testosteronspiegel durch eine Hormontherapie gesenkt, verlangsamt sich das Wachstum der Krebszellen und nur noch wenige teilen sich.

Die Hormontherapie heilt die Erkrankung nicht, kann aber ihr Fortschreiten verlangsamen oder verhindern. Sie wird vorwiegend bei fortgeschrittenem Prostatakrebs eingesetzt. Ziel ist, die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und Beschwerden zu lindern.

Eine solche Therapie wirkt zudem nicht dauerhaft, irgendwann (im Schnitt nach 1,5-2 Jahren) wachsen die Krebszellen auch ohne den Einfluss von Testosteron. Mediziner sprechen dann von einem "kastrationsresistenten Prostatakarzinom“.

+++ Mehr zum Thema: Prostatakrebs +++

Welche Formen der Hormontherapie gibt es?

Zur Absenkung des Testosteronspiegels gibt es verschiedene Verfahren:

1. Operation (Kastration)

Dabei entfernt der Chirurg das hormonbildende Gewebe beider Hoden, die Hodenhüllen werden belassen. Diese Form der Hormontherapie ist nicht mehr rückgängig zu machen und bedeutet daher für viele Patienten eine psychische Belastung. Die auch als "plastische Orchiektomie“ bezeichnete Operation wird heute nur noch sehr selten angewendet, aber immer dann wenn eine sehr rasche Testosteronsenkung erforderlich ist, zum Beispiel bei drohender - durch Wirbelsäulenmetastasen verursachter – Querschnittslähmung.

2. Chemischer Hormonentzug

Die Senkung des Testosteronspiegels kann auch mit Medikamenten erfolgen. Sie hat die gleiche Wirkung und gleiche Nebenwirkungen wie die chirurgische Entfernung der Hoden, ist aber reversibel und daher in der Regel psychisch weniger belastend. Allerdings ist damit eine dauerhafte Medikamenteneinnahme verbunden.

Die Medikamente hemmen dabei nicht die Testosteronbildung selbst, sondern dessen Wirkung in den Tumorzellen. Das kann auf unterschiedliche Arten geschehen:

  • Absenkung der Testosteronproduktion
  • Hemmung der Testosteronwirkung

Absenkung der Testosteronproduktion:

LHRH (GnRH) ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) die Freisetzung der Hormone LH und FSH stimuliert. LH bewirkt im Hoden die Testosteronbildung, FSH initiiert die Spermienproduktion.

  • LHRH-Analoga:

LHRH-Analoga wirken wie natürliches LHRH: Zunächst kommt es zu einer Ausschüttung von LH und damit zum Anstieg des Androgenspiegels. Durch die Dauerstimulation der Hypophyse nimmt deren Empfindlichkeit ab (LHRH-Rezeptorzahl nimmt ab), Freisetzung von LH verringert sich und der Testosteronspiegel sinkt in weiterer Folge innerhalb von wenigen Wochen ab.

  • LHRH-Antagonisten:

LHRH-Antagonisten sind die Gegenspieler des natürlichen LHRH: Sie blockieren die LHRH-Rezeptoren an der Hypophyse und unterdrücken so die Ausschüttung von LH, wodurch der Testosteronspiegel sinkt. Im Gegensatz zu LHRH-Analoga bewirken diese Präparate eine sehr rasche Absenkung des Testosteronspiegels.

  • Östrogen:

Östrogen hemmt die Freisetzung von LHRH, LH sinkt und damit auch die Testosteron-Freisetzung, heute kaum noch im Einsatz.

Hemmung der Testosteronwirkung:

  • Antiandrogene:

Antiandrogene sind Wirkstoffe, die die Effekte der männlichen Geschlechtshormone (Androgene) aufheben, indem sie die Testosteron-Rezeptoren an den Zielzellen blockieren und so die Wirkung des Hormons verhindern. Sie werden in Form von Tabletten, Kapseln oder Injektionspräparaten verabreicht.

Man unterscheidet steroidale und nicht-steroidale Antiandrogene:

+ Steroidale Antiandrogene:

Sie sind vom Hormon Progesteron abgeleitet, blockieren nicht nur die Wirkung der Androgen, sondern senken zusätzlich deren Blutspiegel, indem sie die Freisetzung von FH hemmen. Sie sind weniger selektiv als die nicht-steroidalen Antiandrogene.

Wirkstoffe: Cyproteronacetat (CPA)

+ Nicht-steroidale Antiandrogene:

Sie blockieren nur die Wirkung der Androgene, Nebenwirkungen wie Libidoverlust, Erektionsstörungen, Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit und der Knochendichte sind geringer als bei anderen Therapieoptionen. Nicht-steroidale Antiandrogene werden bei Patienten eingesetzt, deren Erkrankung kastrationsresistent geworden ist, aber noch nicht metastasiert hat (nmCRPC). Die Bildung von Metastasen soll hinausgezögert werden.

Wirkstoffe: Abirateron, Apalutamid, Darolutamid, Enzalutamid

Wann kommt die Hormontherapie zum Einsatz?

  • Alleinige Hormontherapie

Standard ist die Hormontherapie als Dauertherapie bei Tumoren, die in Lymphknoten, Knochen oder anderen Organen Fernmetastasen gebildet haben. Meist wird heute eine Hormontherapie kombiniert entweder mit einer Chemotherapie oder modernen Antiandrogenen. Eine alleinige Hormontherapie (kontinuierlich oder intermittierend) sollte heute nur nach sorgfältiger Indikation gegeben werden (z.B. Patienten mit einem deutlich reduziertem Allgemeinzustand).

  • Unterstützung der Bestrahlung

Der Hormonentzug kann auch eingesetzt werden, um den Erfolg der Strahlentherapie zu unterstützen. Die Therapie vor/während oder nach der Bestrahlung soll die Krebszellenanzahl verringern und die Prostata verkleinern. Das kann unter Umständen die Wirksamkeit der Bestrahlung erhöhen.

  • In Kombination mit Chemotherapie oder Antiandrogenen

Die Hormontherapie wird heute häufig (vor allem bei ausgeprägter Fernmetastasierung) entweder mit einer Chemotherapie oder einem modernen Antiandrogen kombiniert.

+++ Therapie des Prostatakarzinoms +++

Welche Nebenwirkungen können bei einer Hormontherapie auftreten?

Alle Formen der Hormontherapie führen bei fast allen Männern zu ausgeprägten Nebenwirkungen:

  • Unfruchtbarkeit
  • Nachlassen oder Verlust der Erektionsfähigkeit
  • Antriebsschwäche
  • Hitzewallungen
  • Osteoporose
  • Verlust des sexuellen Interesses (Libidoverlust)
  • Muskelabbau
  • Zunahme des Körperfetts
  • Blutarmut
  • Brustschmerzen und Brustvergrößerung

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.ch


Autoren:
,
Medizinisches Review:
, Prim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Stand 05/2019; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Prostata_5_0/LL_Prostatakarzinom_Kurzversion_5.1.pdf (letzter Zugriff am 29.10.2020)
 
Patientenleitlinie Prostatakrebs I – Lokal begrenztes Prostatakarzinom, Stand 2018; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Prostatakrebs_1_v01-2020.pdf (letzter Zugriff am 29.10.2020)
 
Pharmazeutische Zeitung, Neues Antiandrogen bei Prostatakrebs, Stand 02/2019; https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neues-antiandrogen-bei-prostatakrebs/ (letzter Zugriff am 29.10.2020)
 


AWMF-S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms (Stand: 2016, wieder derzeit überarbeitet) http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_Prostata_Langversion_4.0.pdf (Online, zuletzt: 21.02.2018)

European Association of Urology (EAU)-Guidlines: Prostate Cancer: http://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/ (Online, zuletzt: 21.02.2018) 

Weitere Artikel zum Thema

Die Vorsteherdrüse umschließt die Harnröhre des Mannes. Das kleine Organ hat viele Aufgaben. Männer sollten über ihre Prostata Bescheid wissen. …

mehr...
Newsletter-Anmeldung
×
Newsletter Anmeldung Hintergrund