Hormontherapie bei Prostatakrebs

Meistens wird die Hormontherapie bei Prostatakrebs durch eine Depotspritze unter die Haut durchgeführt.
Meistens wird die Hormontherapie bei Prostatakrebs durch eine Depotspritze unter die Haut durchgeführt. (scyther5 / iStockphoto)

Testosteron trägt zum Tumorwachstum bei. Durch Bremsung der Hormonproduktion kann die Ausbreitung des Tumor gebremst werden.

Die Hormontherapie ist seit den 1950er-Jahren eine anerkannte Standardbehandlung bei Prostatakrebs.

Was versteht man unter einer Hormontherapie bei Prostatakrebs?

Die Prostata ist eine hormonabhängige Drüse. Von seltenen Ausnahmefällen abgesehen, stimuliert Testosteron das Wachstum des Prostatakarzinoms. Gebildet wird das wichtigste männliche Geschlechtshormon zum größten Teil in den Hoden, ein kleiner Teil wird in den Nebennieren produziert. Die Hormontherapie (Hormonentzug, Antihormontherapie) setzt dahingehend an, dem Testosteroneffekt entgegenzuwirken und so das Tumorwachstum zu hemmen. Auch hier gibt es verschiedene Verfahren.

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Welche Formen der Hormontherapie gibt es?

Folgende Methoden werden zur Hormonbehandlung bei Prostatakrebs eingesetzt:

Orchiektomie

Die älteste Methode, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt wurde, ist die Orchiektomie oder operative Kastration. Dabei entfernt der Chirurg das hormonbildende Hodengewebe unter Belassung der Hodenkapsel. Viele Männer empfinden diesen Eingriff aber als sehr belastend und lehnen ihn ab.

GnRH-Analoga oder GnRH-Antagonisten

Eine Alternative zur Orchiektomie ist der Versuch, die Testosteronbildung medikamentös mit sogenannten GnRH-Analoga zu unterdrücken. Sie unterbrechen den Regelkreis, der die Testosteronproduktion steuert. Eine andere Substanzgruppe, die Antiandrogene, blockieren die Wirkung des Testosterons speziell in der Prostata, indem sie dort dessen Andockstellen an den Zellen besetzen. Die Therapie erfolgt meist durch die Gabe einer Depotspritze unter die Haut. Dieser Vorgang wird alle 1-6 Monate (je nach Präparat) durchgeführt und ist nahezu schmerzfrei. Alternativ können auch sogenannte GnRH-Antagonisten eingesetzt werden. Die antitumorale Wirkung von GnRH-Agonisten und Antagonisten ist vergleichbar.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Hormontherapie auftreten?

Sowohl die Orchiektomie als auch die Therapie mit GnRH-Analoga/Antagonisten führen bei fast allen Männern zu Unfruchtbarkeit sowie zu einem Nachlassen bzw. Verlust der Erektionsfähigkeit. Ebenfalls mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Antriebsschwäche
  • Hitzewallungen
  • Osteoporose
  • Verlust des sexuellen Interesses (Libidoverlust)
  • Muskelabbau
  • Zunahme des Körperfetts
  • Blutarmut
  • Brustschmerzen und Brustvergrößerung

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Wie wirkungsvoll ist eine Hormontherapie bei Prostatakrebs?

Unabhängig von der Methode ist eine Heilung des Prostatakarzinoms mit einer Hormontherapie nicht möglich. Sie kann aber das Wachstum des Tumors bei vielen Patienten über Monate bis Jahre deutlich verlangsamen oder stoppen. Zudem lindert diese Therapieform tumorbedingte Beschwerden.

Für wen ist eine Hormontherapie sinnvoll?

Standard ist sie als Dauertherapie (in Ausnahmefällen auch intermittierend) bei Tumoren, die in Lymphknoten, Knochen oder anderen Organen Fernmetastasen gebildet haben. Darüber hinaus kann die Hormonentzugstherapie unterstützend zur Bestrahlung eingesetzt werden – mit dem Ziel, deren Wirksamkeit zu erhöhen. Die Hormontherapie wird heute häufig (vor allem bei ausgeprägter Fernmetastasierung) entweder mit einer Chemotherapie oder einem modernen Antiandrogen kombiniert.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Alois Mahlknecht, Krankenhaus Franz Tappeiner, Meran, Südtirol, Univ. Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Abteilung für Urologie und Andrologie, Donauspital
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. (FH) Silvia Hecher, MSc

Stand der Information: Februar 2018
Quellen

AWMF-S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms (Stand: 2016, wieder derzeit überarbeitet) http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_Prostata_Langversion_4.0.pdf (Online, zuletzt: 21.02.2018)

European Association of Urology (EAU)-Guidlines: Prostate Cancer: http://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/ (Online, zuletzt: 21.02.2018) 

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