Anwendungsbereiche der Homöopathie

Anwendung, Homöopathie
Die Homöopathie wird in den unterschiedlichsten Bereichen angewendet. (temmuz can arsiray / iStockphoto)

Die komplementärmedizinische Methode wird heute in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Allerdings sind der Homöopathie auch Grenzen gesetzt.

Kurzfassung:

  • In der Homöopathie stehen die Beschwerden des jeweiligen Menschen im Mittelpunkt und nicht die Erkrankung. 
  • Unter Regulationsfähigkeit verstehen Homöopathen die Fähigkeit des Menschen, auf Reize - wie sie durch homöopathische Mittel gesetzt werden - mit Anregung der Selbstheilungskraft zu reagieren.
  • Die Regulationsfähigkeit ist laut Homöopathen in lebensbedrohlichen Situationen (z.B. Herzinfarkt, bei einer Verletzung oder einer schweren Infektion) meist eingeschränkt.
  • Bei Operationen (z.B. bei einem Beinbruch) oder wenn Organstrukturen unwiederbringlich zerstört sind, ist der konventionellen Medizin der Vorzug zu geben.
  • In Österreich wird Homöopathie von speziell ausgebildeten Ärzten ausgeübt.

Bei gleicher klinischer Diagnose können Patienten sehr unterschiedliche Symptome entwickeln. So können die im Rahmen einer Gastritis auftretenden Schmerzen als drückend, brennend, stechend oder auch ganz anders empfunden werden. Möglicherweise kommt es vor oder nach dem Essen, in Zusammenhang mit bestimmten Speisen oder völlig unabhängig von der Nahrungsaufnahme zu Übelkeit. Auch sind verschiedene andere Begleitsymptome denkbar. Kommt also ein Patient aufgrund einer Gastritis in eine homöopathische Ordination, so lautet die erste Frage: "Wie sind Ihre individuellen Beschwerden?"

+++ Mehr zum Thema: Geschichte der Homöopathie +++

Bei der Homöopathie handelt es sich laut homöopathischer Lehrmeinung um eine höchst individuelle Vorgangsweise, bei der die Beschwerden des jeweiligen Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht auf die Erkrankung fokussiert wird. Grundsätzlich soll die Homöopathie laut ihren Vertretern in der Behandlung aller Störungen und Krankheiten zum Einsatz kommen können - egal ob körperlicher, funktioneller oder seelisch-geistiger Natur. Voraussetzung dafür soll demnach das Vorhandensein von einer sogenannten Regulationsfähigkeit sein. Darunter verstehen Homöopathen die Fähigkeit des Menschen, auf Reize - wie sie durch homöopathische Arzneien gesetzt werden - mit Anregung der Selbstheilungskraft zu reagieren. 

Wo sind der Homöopathie Grenzen gesetzt?

Die Regulationsfähigkeit ist laut Homöopathen in lebensbedrohlichen Situationen, also etwa bei einer schweren akuten Erkrankung wie einem Herzinfarkt, bei einer tiefgehenden Verletzung oder einer schweren Infektion meist eingeschränkt. In solchen Fällen kann die Homöopathie demnach nicht Therapie der ersten Wahl sein. Auch bei Notwendigkeit einer Operation (z.B. bei einem Beinbruch) oder wenn Organstrukturen unwiederbringlich zerstört sind, wird man sich auf die Möglichkeiten der konventionellen Therapie konzentrieren. Die Homöopathie kann allerdings als Zusatztherapie nach Absprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden.

+++ Mehr zum Thema: Anwendungsbereiche der Homöopathie +++

Wo findet die Homöopathie breite Anwendung?

Homöopathische Ärzte behandeln heutzutage vor allem jene Menschen, denen konventionelle therapeutische Ansätze nicht ausreichend oder nicht dauerhaft helfen können oder bei denen Nebenwirkungen der Medizin unvertretbar hoch sind. Die komplementärmedizinische Methode wird unter anderem in den folgenden Bereichen eingesetzt:

Wohin kann ich mich bei Interesse wenden?

In Österreich darf die Homöopathie nur von speziell ausgebildeten Ärzten ausgeübt werden, die nach dem Medizinstudium und der Ausbildung zum Allgemeinmediziner oder zur Fachärztin noch eine drei- bis sechsjährige Zusatzausbildung erwerben. Die Ausbildungskriterien für die Homöopathie sind über den ECH europaweit einheitlich geregelt. 

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Warum dürfen nur Ärzte Homöopathie ausüben?

Die Ausübung der Homöopathie ist in Österreich Ärzten deswegen vorbehalten, weil sie die Möglichkeit haben, die Grenzen der Methode einzuschätzen, und zudem eine Gesprächsbasis mit Kollegen pflegen, die konventionelle Medizin betreiben. Außerdem gehört zur regelgerechten Ausübung der Homöopathie nicht nur die richtige Verschreibung eines Mittels, sondern auch die Führung des Patienten, die ärztliche Beratung in Fragen der Lebensführung und die Begleitung in existenziell krisenhaften Situationen.

Homöopathie wird hierzulande aber nicht nur im niedergelassenen ärztlichen Bereich ausgeübt, sondern auch in einigen österreichischen Spitalsambulanzen. Die Homöopathie versteht sich nicht als "Alternativmedizin", sondern als Teil einer integrierten Medizin, die auf diese Weise den Bedürfnissen der Patienten umfassender gerecht werden möchte.

Hinweis: Studien zur Homöopathie kommen derzeit – wie in vielen Bereichen der Medizin – zu unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Ergebnissen. Ihre konkrete Wirkungsweise ist weiterhin zentraler Bestandteil intensiver Forschung.  

+++ Mehr zum Thema: Homöopathie +++

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Autoren:
Dr. Susanne Stöckl-Gibs,
Medizinisches Review:
Dr. Ilse Fleck-Vaclavik
Redaktionelle Bearbeitung:
Thomas Auinger

Stand der medizinischen Information:
Quellen

William Boericke: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen – Materia Medica und Repertorium. 1., deutschsprachige Auflage. Verlag Grundlagen und Praxis, Wissenschaftlicher Autorenverlag, Leer 1972. (8. Auflage. 2004)

Clemens Maria Franz von Bönninghausen: Systematisch-alphabetisches Repertorium der Homöopathischen Arzneien. Coppenrath, 1833

National Health and Medical Research Council. 2015. NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions. Canberra: National Health and Medical Research Council; 2015. https://www.hri-research.org/wp-content/uploads/2015/07/NHMRC-Information-Paper-Mar2015.pdf (Online, zuletzt: 01.04.2019)

Hahnemann, Samuel: Organon der Heilkunst, Neufassung der 6. Auflage mit Systematik und Glossar, Josef M. Schmidt, München 2006.

Genneper, Thomas/Wegener, Andreas: Lehrbuch Homöopathie, Stuttgart, 3. Auflage 2011
Samuel Hahnemann: Reine Arzneimittellehre. Theil 1–6. Leipzig 1811–1821 http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Hahnemann,+Samuel/Reine+Arzneimittellehre (Zuletzt aufgerufen: 01.04.2019)

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