Hörgeräte (Hörapparate)

Arten von Hörgeräten
Moderne Hörgeräte sind heutzutage fast unsichtbar und werden für die jeweiligen Bedürfnisse und das Hörpofil des Trägers maßgeschneidert. (Kzenon / Fotolia.com)

Hörgeräte können bei Gehörproblemen Abhilfe schaffen. Angebracht werden Sie im Ohr oder hinter dem Ohr.

Kurzfassung:

  • Je nach Bauform kann zwischen drei verschiedene Arten von Hörgeräten unterschieden werden.
  • Moderne Hörgeräte sind häufig mit Funktionen wie Situationserkennung oder Tinnitus-Maskers ausgestattet.
  • Welches Hörgerät für den Patienten geeignet ist, ist von der Art und dem Grad der Hörstörung sowie der individuellen Situation abhängig.
  • Kann die vorliegende Hörstörung nicht mit einem Hörgerät versorgt werden, kann ein Hörimplantat in Betracht gezogen werden.

In vielen Fällen kann eine Hörstörung durch eine medikamentöse oder chirurgische Therapie behoben werden. In einigen Fällen jedoch ist eine Verbesserung des Hörvermögens auf diese Weise nicht mehr möglich.

Dann ist die Versorgung mit einer technischen Hörhilfe nötig, um das Hören wieder zu ermöglichen. Dies ist in den meisten Fällen ein Hörgerät.

Wie funktionieren Hörgeräte?

Ein Hörgerät besteht im Prinzip aus drei Komponenten:

  • dem Mikrofon
  • dem Verstärker
  • dem Lautsprecher

Das Mikrofon nimmt den Schall aus der Umgebung auf, der Verstärker verstärkt ihn und der Lautsprecher strahlt den verstärkten Schall in den Gehörgang ab.

Bei modernen Hörgeräten werden mehrere Mikrofone zugleich zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung verwendet. Dies ermöglicht das Erkennen der Richtung, aus der der Schall kommt. Der Verstärker ist in Digitaltechnik ausgeführt.

Er ist in der Lage, eine individuell abgestimmte Verstärkung der Schallinformation je nach Profil der Hörstörung durchzuführen. Die verstärkten Signale werden schließlich mit Miniaturlautsprechern wieder in Schallwellen umgewandelt und in den Gehörgang abgestrahlt.

Arten von Hörgeräten

Hörgeräte sind heute so klein, dass sie nahezu unsichtbar getragen werden können. Im Hinblick auf die unterschiedliche Bauform von Hörgeräten unterscheidet man:

  • HdO-Hörgeräte, d.h. "Hinter dem Ohr"-Geräte, die meist eine höhere Leistung aufweisen
  • IdO-Hörgeräte, d.h. "Im Ohr"-Geräte, die in der Ohrmuschel oder im äußeren Gehörgang Platz finden
  • RIC-Hörgeräte, die fast unsichtbar hinter dem Ohr getragen werden und bei denen der Lautsprecher im Gehörgang platziert ist
  • ITC-Hörgerät

    Ein Im-Ohr-Hörgerät ist sehr klein und daher besonders unauffällig. Dieses Gerät nutzt die anatomischen Vorteile des Außenohres und wird in eine individuell angefertigte Hohlschale eingearbeitet. (Yuli, Fotolia.com)

  • Hinter-dem-Ohr-Gerät

    Hinter-dem-Ohr-Geräte werden, wie der Name schon sagt, hinter dem Ohr getragen. Sie bieten mehr Platz für Elektonik, technische Möglichkeiten und hohe Verstärkungsleistungen. ( andras_csontos, Fotolia.com)

  • Cochlea-Implantat

    Das Cochlea-Implantat ist eine Innenohrprothese, die Schall in elektrische Impulse umwandelt, durch die der Hörnerv in der Hörschnecke (Cochlea) stimuliert wird. (elsahoffmann)

  • Im-Ohr-Hörgeräte

    In-dem-Ohr-Geräte (IdO) - ITE "In-The-Ear": Bei diesem Hörsystem wird die Ohrmuschel vollständig ausgefüllt und ist damit die größte Form des Im-Ohr-Hörgeräts. (© Denis Barbulat, iStockphoto)

  • Im-Ohr-Hörgeräte

    In-dem-Ohr-Geräte (IdO) - ITC "In-The-Canal": Diese Hörgeräte sind meist kompakter und weniger sichtbar als herkömmliche Im-Ohr-Hörgeräte. (© Denis Barbulat, iStockphoto)

  • Im-Ohr-Hörgeräte

    In-dem-Ohr-Geräte (IdO) - CIC "Complete-In-Canal": Das kleinste Im-Ohr-Modell befindet sich direkt im Gehörgang und ist praktisch unsichtbar. (© Denis Barbulat, iStockphoto)

Technische Zusatzfunktionen von modernen Hörgeräten 

Hörgeräte der neuesten Generation bieten eine Fülle von technischen Raffinessen. Dazu gehört die automatische Anpassung der Verstärkungseigenschaften an die akustische Umgebung. Eine weitere Fähigkeit dieser Geräte ist die selektive Verstärkung von Sprachschall bei gleichzeitiger Unterdrückung von Störschall.

Hörgeräte mit Situationserkennung

Manche Geräte verfügen außerdem über eine automatische Situationserkennung, die je nach Hörsituation selbstständig das passende Hörprogramm auswählt. Beispielsweise wird erkannt, ob sich der Patient in einer ruhigen Umgebung befindet oder in einer lauten oder ob er gerade einem Sprecher zuhört oder Musik hört. Dementsprechend ändert sich die Einstellung des Gerätes automatisch.

"Smarte" Hörgeräte

Neuere Entwicklungen ermöglichen eine direkte Anbindung von Hörgeräten an Handys, Fernseher, Telefone und andere elektronische Medien. Dadurch erfolgt die direkte Übertragung von Sprache oder Musik aus diesen Medien. Manche Hörgeräte verfügen auch über eine Bluetooth-Schnittstelle, mit der zusätzliche Geräte angebunden werden können.

Tinnitus verdecken mit dem Hörgerät

Besteht neben der Schwerhörigkeit ein störendes Ohrgeräusch (Tinnitus), so kann ein Hörgerät mit der Funktion eines "Tinnitus-Maskers" gewählt werden. Der Tinnitus-Masker spielt ein Geräusch zur Verdeckung des Tinnitus ein, was viele Patienten als erleichternd empfinden.

Welches Hörgerät ist das richtige für mich?

Welcher Typ von Hörgerät für die Versorgung einer Hörstörung geeignet ist, hängt von Art und Grad der Hörstörung sowie von der individuellen Situation des hörgestörten Patienten ab.

Daher ist eine ausführliche Diagnostik durch einen HNO-Facharzt für die Wahl des Hörgeräts eine wichtige Voraussetzung. Die Versorgung mit Hörgeräten erfolgt schließlich durch den Hörgeräteakustiker, der den Typ des Hörgeräts auswählt und das Hörgerät so einstellt, dass es den individuellen Bedürfnissen des Patienten optimal angepasst ist.

++ Mehr zum Thema: Hörtest ++

In den meisten Fällen beginnt die Versorgung mit Hörgeräten damit, dass die optimale Einstellung der Geräte gefunden werden muss. Dieser Prozess kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Dabei werden verschiedene Typen von Hörgeräten getestet. Der Patient muss sich an den neuartigen Höreindruck gewöhnen und lernen, das Hörgerät in verschiedenen Hörsituationen möglichst effizient zu nutzen.

Hörimplantate als Alternative zu Hörgeräten

Es gibt jedoch Hörstörungen, die nicht mit einem Hörgerät der konventionellen (bisher besprochenen) Bauart versorgt werden können. So kann beispielsweise der Grad der Hörstörung so hoch sein, dass trotz maximaler Verstärkung des Schalls kein nutzbarer Höreindruck ausgelöst wird. Auch aus anderen Gründen (z.B. allergische Reaktion) kann dem Patienten das Tragen eines Hörgeräts unmöglich sein.

In diesem Fall ist die Versorgung mit einem Hörimplantat in Betracht zu ziehen. Auch bei den Hörimplantaten gibt es heute eine Vielfalt von Systemen, die je nach Art und Ausprägung der Hörstörung ausgewählt werden. So unterscheidet man zwischen

  • aktiven Mittelohrimplantaten,
  • Knochenleitungsimplantaten und
  • Cochlea-Implantaten.

Ein Hörimplantat besteht im Regelfall aus zwei Komponenten: dem Implantat (das operativ eingesetzt wird) und dem Audio- oder Sprachprozessor (der extern getragen wird). Letzterer ist für die Schallaufnahme, die Signalverarbeitung und für die Energieversorgung des Systems zuständig. Die Übertragung der Information erfolgt über einen Sender durch die Haut an das Implantat. Die Versorgung mit einem Hörimplantat – die immer mit einer Operation (Implantation) verbunden ist – erfolgt an spezialisierten Kliniken bzw. Zentren.

Aktive Mittelohrimplantate eignen sich für Patienten, die keine Hörgeräte vertragen bzw. mit konventionellen Hörgeräten keinen befriedigenden Hörerfolg erzielen. Im Rahmen eines operativen Eingriffs wird das Implantat hinter dem Ohr eingesetzt: Dieses überträgt mittels eines nur wenige Millimeter großen Schwingungskörpers die Schallinformation mechanisch an die Gehörknöchelchen im Mittelohr. Von dort wird der Schall in das Innenohr weitergeleitet. Voraussetzung für die Verwendung dieses Implantats ist eine noch ausreichende Funktion der sensorischen Zellen im Innenohr.

Für Patienten mit Fehlbildungen im Gehörgang oder im Mittelohr stellen Knochenleitungsimplantate eine gute Möglichkeit der Versorgung dar. Bei diesen Implantaten wird ein Hören über Knochenleitung ermöglicht, d.h. der Schall wird durch Vibrationen des Schädelknochens an das Innenohr übertragen. Auch diese Form von Implantaten setzt die Funktionalität der sensorischen Zellen im Innenohr voraus.

Bei Patienten mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit kommt die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat in Betracht. Beim Cochlea-Implantat entsteht der Höreindruck nicht durch akustische Erregung des Innenohrs, sondern durch direkte elektrische Stimulation des Hörnervs. Das Implantat besitzt einen Elektrodenträger (einen dünnen Schlauch), der im Rahmen einer Operation in die Cochlea (Hörschnecke) eingeführt wird. Mithilfe der Elektroden, die am Träger lokalisiert sind, können verschiedene Stellen des Hörnervs stimuliert werden. Je nach Ort der Stimulation erhält der Implantatträger Höreindrücke in verschiedener Tonhöhe.

+++ Mehr zum Thema: implantierbare Hörsysteme +++

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Autoren:
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Redaktionelle Bearbeitung:
Tanja Unterberger, Bakk. phil., Silke Brenner

Stand der medizinischen Information:
Quellen

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