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Herzschrittmacher

Schrittmacher Herz
Moderne Herzschrittmacher stimulieren das Herz nur bei Bedarf. (Jan-Otto / iStockphoto)

Ein Herzschrittmacher generiert elektrische Impulse mit dem Ziel, die Kontraktion des Herzmuskels anzuregen.

Kurzfassung:

  • Herzschrittmacher stimulieren den Herzmuskel und stellen eine natürliche Schlagabfolge wieder her.
  • Die Indikationen für eine Implantation sind vielfältig und umfassen Bradykardie, therapieresistente Herzinsuffizienz und AV-Block.
  • Üblicherweise wird ein Herzschrittmacher unter lokaler Betäubung eingesetzt.
  • Herzschrittmacher stimulieren nicht die ganze Zeit, sondern nur bei Bedarf.
  • Herzschrittmacher verbessern das Überleben und helfen dabei, die kardiale und geistige Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.

 


Was ist ein Herzschrittmacher?

Bei einem Herzschrittmacher handelt es sich um einen elektronischen Impulsgeber, welcher die Kontraktion des Herzmuskels stimuliert und eine natürliche Schlagabfolge wieder herstellen soll. Der Schrittmacher selbst besteht aus dem Impulsgeber und einer Reizelektrode, welche direkt im Herzen platziert wird. Während frühere Herzschrittmacher ausschließlich zur Anregung der Herzmuskelkontraktion zur Anwendung kamen, haben moderne Herzschrittmacher auch andere Einsatzbereiche:

Zudem ist die Technik eines Herzschrittmachers in implantierten Defibrillatoren (ICD) integriert, da nach einer erfolgten Defibrillation häufig eine Korrektur der verlangsamten Herzaktivität notwendig ist.

Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Einkammerschrittmacher (z.B. AAI, SSI)
  • Zweikammerschrittmacher (z.B. VDD, DDD)
  • Dreikammerschrittmacher (biventrikulärer Schrittmacher)

+++ Mehr zum Thema: Vorhofflimmern +++

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Moderne Herzschrittmacher stimulieren das Herz nicht die ganze Zeit, sondern nur nach Bedarf (Bedarfsprinzip), also dann, wenn die Herzfrequenz unter einen festgelegten Wert abfällt. Die Energie stammt in aller Regel von einer Lithium-Iod-Batterie.

Im Notfall, etwa wenn die Reizelektrode keine Signale mehr empfängt oder es zu anderen Komplikationen kommt, schaltet der Herzschrittmacher vom Bedarfsmodus in den Notfallmodus. Im Notfallmodus hält der Herzschrittmacher eine vom Hersteller festgelegte Schlagfrequenz ein und stimuliert das Herz dementsprechend, um das Überleben des Patienten sicherzustellen.

+++ Mehr zum Thema: Herzinfarkt +++

Ursachen für die Implantation eines Herzschrittmachers

Das Herz des Menschen versorgt dessen Körper mit ausreichend Blut, Sauerstoff und anderen Nährstoffen. Dabei arbeitet das Herz vollkommen automatisiert. Eine seiner Hauptaufgaben ist die Anpassung der Schlagabfolge an die jeweiligen körperlichen Anforderungen. So schlägt es bei sportlichen Tätigkeiten schneller, während es in der Nacht seine Schlagabfolge auf ein Minimum reduziert.

Das natürliche Signal für die Kontraktion entstammt dem Sinusknoten. Im Sinusknoten liegen die sogenannten Schrittmacherzellen (Namensgeber des Herzschrittmachers), welche zur spontanen Auslösung eines Reizpotentials befähigt sind. Dieses Reizpotential wandert im Anschluss über den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten), die His-Bündel, den Kammerschenkel und die Purkinje-Fasern zur Muskulatur der beiden Herzkammern und löst schlussendlich eine Kontraktion derselben aus.

Störungen der Reizbildung oder der Erregungsleitung sind in der Lage die natürliche Schlagabfolge des Herzens zu reduzieren. Die Folge ist ein verlangsamter (Bradykardie) und unter Umständen unregelmäßiger (Herzrhythmusstörung) Herzschlag. Dadurch kann eine Herzinsuffizienz entstehen bzw. ein bisher latentes Herzversagen manifest werden. Die darauffolgende Minderdurchblutung von lebensnotwendigen Organen und Geweben kann zu zentralen oder peripheren Ischämie-Reaktionen (Sauerstoffmangel und Gewebeschäden) führen.

Denkbare Gründe für die Implantation eines Herzschrittmachers sind:

  • degenerative Prozesse im Herzen und dem Reizleitungssystem
  • koronare Herzkrankheit
  • Herzinfarkt
  • entzündliche Erkrankungen des Herzens (z.B. rheumatisches Fieber)
  • angeborene Herzfehler
  • traumatische Verletzungen
  • iatrogene Verletzungen im Rahmen von Herzoperationen

+++ Mehr zum Thema: Herz-Kreislauf-Erkrankung +++

Indikation für einen Herzschrittmacher

Gründe für die Implantation eines Herzschrittmachers sind unter anderem:

  • konstanter oder intermittierender AV-Block 3. Grades
  • wechselnder Herzblock
  • bestimmte Schenkelblockierungen
  • Sick-Sinus-Syndrom
  • hypersensitiver Karotissinus
  • schwere therapieresistente Herzinsuffizienz

+++ Mehr zum Thema: Kardiale Synkope +++

Wie wird ein Herzschrittmacher implantiert?

Üblicherweise wird ein Herzschrittmacher über eine periphere Vene mithilfe eines Katheters unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose (je nach Operationsverfahren) implantiert. Ziel ist es den Elektrodenkopf der Reizelektrode im rechten Ventrikel so zu platzieren, dass diese sich an der Innenwand anlagert und auf diese Weise verankert wird (Ankerelektrode). Alternativ kann ebenso eine aktive Fixierung erfolgen, bei welcher die Reizelektrode aktiv "eingeschraubt“ wird (Schraubelektrode). Dies geschieht in der Regel dann, wenn mit einer Ankerelektrode keine ausreichende Fixierung sichergestellt werden kann.

Der Impulsgeber, im Prinzip die Anode (positiv geladener Pol) des Systems, wird entweder direkt unterhalb des Schlüsselbeins (oberhalb oder unterhalb der Hautoberfläche) bzw. unter dem Brustmuskel platziert. Davon abweichend ist auch eine Implantation in eine tiefe Bauchdeckentasche möglich.

+++ Mehr zum Thema: Narkose +++

Welche Komplikationen sind möglich?

  • Elektrodenverschiebungen
  • Kabelbruch
  • Störungen des Impulsgebers
  • ineffektive Stimulation wegen eines Anstiegs der Reizschwelle
  • Infektionen der Schrittmachertasche oder des Elektrodenkanals
  • Herzrhythmusstörungen
  • Thrombophlebitis

+++ Mehr zum Thema: Thrombose +++

Prognose

Die Implantation eines Herzschrittmachers ist heutzutage ein Routineeingriff und sehr sicher. Im Gegensatz zu einer rein medikamentösen Therapie, kann durch den Einsatz eines Herzschrittmachers nicht nur das Überleben, sondern auch die kardiale und geistige Leistungsfähigkeit meist schlagartig verbessert werden.

Aufgrund von möglichen Früh- und Spätkomplikationen ist eine dauerhafte ambulante Überwachung des Patienten notwendig.

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Autoren:

Medizinisches Review:
OA Dr. Marcel Francesconi
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Heberer G., Köle W., Tscherne H. Chirurgie, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, 5. Aufl., 1986.
 

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