Cannabinoide im Einsatz gegen die Folgen von Krebs

Cannabis bei Krebs
Nach einer Chemotherapie können Cannabinoide zu mehr Wohlbefinden führen. (Ridofranz / iStockphoto)

Zwar ist die Studienlage noch nicht eindeutig, Ärzte mit Cannabinoid-Erfahrung glauben aber an das Potenzial der Substanzen in der Krebstherapie.

Für Krebspatienten bieten Cannabinoide an mehreren Stellen Abhilfe. Sie lindern die Tumorschmerzen selbst – und sie helfen gegen einige der Nebenwirkungen der Chemotherapie. Erbrechen und Übelkeit nehmen ab. Darüber hinaus gibt es Vermutungen, dass Cannabinoide eine antikarzinome Komponente beinhalten. Sie bremsen mitunter das Krebswachstum. Dieser Effekt beruht bis dato auf wenigen aber eindeutigen Einzelbeobachtungen. Statistisch belastbare Daten dazu gibt es nicht.

Bereits seit den 70er-Jahren weisen Studien eine erhöhte Wirksamkeit von Cannabinoiden in der Krebsbehandlung aus. Zu den schmerzlindernden und stimmungsverbessernden Eigenschaften kommen auch mögliche antikarzinome  – also krebsverhindernde – Wirkungen, die noch nicht ausreichend erforscht und diskutiert sind. Klassische Studien – vor allem zusammenfassende ­­– weisen auf die geringe Evidenz der Wirksamkeit hin.

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Große Studien versus Einzelerfolge

Dem widersprechen Mediziner mit Cannabinoid-Erfahrung: Sie kritisieren den "Tunnelblick-Effekt“ von Übersichtsstudien. Individuelle Erfahrungen von Ärzten und Patienten sprechen in vielen Fällen eine andere Sprache. Die entsprechenden Erfahrungen sind ausreichend, um einen Therapieversuch zu rechtfertigen:

  • Die nachgewiesenen Wirkungen der Cannabinoide auf das körpereigene Cannabinoid-System werden als ausreichend erachtet, um die gut verträglichen Substanzen zu verordnen.
  • Denn ein Faktum ist unbestritten: Die Verträglichkeit ist selbst bei lang andauernder Anwendung gut.

Helfen, wenn sonst nichts mehr hilft

Insbesondere in der Behandlung von Tumorschmerzen und den Nebenwirkungen der Chemotherapie werden die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze als sinnvoll angesehen. Cannabinoide werden fast ausschließlich ergänzend verordnet. Sie wirken zum Beispiel der häufig vorkommenden Appetitlosigkeit bei Krebspatienten entgegen.

Mehr Hunger, weniger Schmerzen

Gerade die körperliche Verfassung spielt bei dieser Gruppe eine wesentliche Rolle. Patienten berichten, dass ihnen das Essen nach der Einnahme dieser Präparate wieder besser schmecke. Auch der beobachtete Rückgang des Brechreizes spielt eine Rolle.

Der Nachweis über die Wirkung bei Tumorschmerzen ist bis heute nicht in jener Deutlichkeit gelungen, die modernen Studiendesigns abverlangt wird.

Dennoch argumentieren die Befürworter der Cannabinoid-Therapie mit dem Einzelerfolg: Da Cannabinoide so gut wie immer als Add On verordnet werden, sei es ethisch schwer vertretbar, den betroffenen Patienten die Behandlung zu verwehren. Denn jeder Patient, dem geholfen werden könne, sei ein Erfolg.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:

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