Behandlung der Nesselsucht (Urtikaria)

Nesselausschlag, Behandlung
Wie wird ein Nesselausschlag behandelt? (Rawpixel / iStockphoto)

Das Therapieziel der Urtikaria-Behandlung ist die dauerhafte Symptomfreiheit des Patienten. Da die Symptome der Urtikaria oftmals ohne erkennbaren Auslöser spontan auftreten können, steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund.

Kurzfassung:

  • Für die Therapie der Nesselsucht ist es wichtig, zunächst deren Ursache zu finden.
  • Ein Symptom-Tagebuch kann helfen, die Auslöser ausfindig zu machen.
  • Zur Behandlung der Nesselsucht werden vor allem Antihistaminika eingesetzt.
  • Zeigt die Behandlung mit Antihistaminika nicht den gewünschten Erfolg, kann der Arzt Wirkstoffe (z.B. Omalizumab, Ciclosporin) verschreiben, die das Immunsystem beeinflussen.

Bei der Nesselsucht, auch Urtikaria oder Nesselausschlag genannt, handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion der Haut, die den ganzen Körper betreffen kann. Die Auslöser einer Urtikaria sind oftmals nicht bekannt. Die akute Urtikaria (aU) heilt in der Regel innerhalb von sechs Wochen ab, während die Beschwerden bei der chronischen Urtikaria (cU) länger – häufig viele Jahre und mitunter jahrzehntelang – immer wieder oder anhaltend auftreten.

Zu den typischen Beschwerden zählen:

  • Quaddeln (Hauterhebungen) – ähnlich wie nach der Berührung von Brennnesseln
  • blasse bis rote Hautausschläge
  • Juckreiz
  • Schwellung der Lippen, Zunge und des Gesichts (Angioödeme)

+++ Mehr zum Thema: Nesselausschlag +++

Wie wird die Nesselsucht behandelt?

Im Zuge einer gründlichen Anamnese werden mögliche Ursachen und Faktoren einer Urtikaria hinterfragt. Dies können unter anderem bei der spontanen Urtikaria chronische Infektionen, nicht allergische Überempfindlichkeitsreaktionen auf Lebensmittel oder Medikamente oder Autoimmunerkrankungen sein. Bei der physikalischen Urtikaria sind eventuelle Auslöser auch kalte Gegenstände, Luft oder Wind. Oftmals sind die auslösenden Faktoren allerdings unbekannt. Sollten die auslösenden Faktoren identifizierbar sein, gilt es diese zu vermeiden bzw. zu beseitigen und die Beschwerden medikamentös zu behandeln. Im Zentrum der medikamentösen Therapie stehen:

Antihistaminika

Antihistaminika hemmen die Ausschüttung von Histamin – dem Botenstoff, der die Nesselsucht-Symptome hervorruft. Sie unterbinden damit den Juckreiz und helfen, das Auftreten neuer Quaddeln weitgehend zu vermeiden. Die Wahl wird zumeist auf ein Antihistaminikum der zweiten Generation fallen, da diese neueren Präparate die geringsten Nebenwirkungen aufweisen – sie führen weniger häufig zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Antihistaminika bei chronischer Urtikaria

Für die Behandlung der chronischen Nesselsucht wird ein Ablauf aus drei Stufen empfohlen: Zuerst wird ein Antihistaminikum, das nicht müde macht (nicht sedierend) eingesetzt. Wichtig dabei ist eine regelmäßige Einnahme, denn nur so können die Antihistaminika ihre volle Wirkung entfalten und die Symptome verhindern. Stellt sich nach zwei bis vier Wochen kein Therapieerfolg ein, kann als zweiter Schritt die Dosis bis auf das Vierfache gesteigert werden. Die Umstellung kann auch früher erfolgen, sofern die Symptome nicht tolerierbar sind. Der behandelnde Arzt kann sich auch für ein anderes Antihistaminikum entscheiden. Durch die Kombination verschiedener Antihistaminika entstehen hingegen keine Vorteile in der Behandlung.

+++ Mehr zum Thema: Antihistaminika +++

Omalizumab

Führen oben genannte Maßnahmen nicht zur Symptomfreiheit, können weitere Wirkstoffe, sogenannte Biologika, angewendet werden. Diese Medikamente regulieren das überaktive Immunsystem gezielt und verhindern, dass der Körper übermäßig Histamin ausschüttet. Omalizumab ist ein künstlich hergestelltes "Abwehreiweiß" (Immunglobulin G), das sich an das Immunglobulin E bindet und damit die allergische Reaktion verhindert. Es kommt zwar nicht zu einer Heilung der Nesselsucht, die Symptome können allerdings zumeist gut unterdrückt werden. Das Medikament wird alle vier Wochen unter die Haut (subkutan) gespritzt.

Cyclosporin A

Wenn nach sechs Monaten keine Besserung eintritt, kann eine Therapieumstellung auf Ciclosporin erfolgen. Die Umstellung kann auch früher erfolgen, sofern die Beschwerden nicht tolerierbar sind. Bei der Nesselsucht setzen die Mastzellen Histamin in die Haut und in die Schleimhaut frei. Dadurch kommt es zu allergischen bzw. entzündlichen Reaktionen im Körper, die die typischen Beschwerden der Nesselsucht hervorrufen. Cyclosporin A reguliert die Histaminausschüttung der Mastzellen und verringert damit auch die Symptome.

Kortison in Form eines Notfallsets

Sollten die vorangegangenen Therapiemaßnahmen immer noch nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann Kortison in Form von Tabletten oder einer Spritze als Kurztherapie eingesetzt werden. Die Behandlung mit Kortison ist nur in Ausnahmefällen eine Option, etwa wenn die Atemwege des Patienten angeschwollen sind.

Ernährung anpassen

Manchmal kann es – vor allem bei der spontanen Urtikaria – auch hilfreich sein, Nahrungsmittel zu meiden, die reich an Histamin, dem wichtigen Botenstoff der Nesselsucht, sind. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören unter anderem:

  • Fischprodukte
  • Meeresfrüchte
  • abgelagerter Käse
  • Sauerkraut
  • Tomaten
  • Wein

Wichtig: Andere Substanzen, die man selber aus eigener Erfahrung verdächtigt, Nesselausschläge auszulösen, sollte man sich notieren.

Sonstige Behandlungsmöglichkeiten

Vor allem die chronische Form der Urtikaria, bei der die Symptome längere Zeit anhalten, kann für Betroffene belastend sein. Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe bzw. psychologische Maßnahmen wie eine Psychotherapie können Patienten dabei helfen, mit dieser Belastung und dem daraus oft resultierenden Stress besser umgehen zu können.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S3-LeitlinieUrtikaria – Klassifikation, Diagnostik und Therapie“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. In: AWMF online (Stand 2011, derzeit in Überarbeitung); https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-028l_S3_Urtikaria_Klassifikation_Diagnostik_Therapie_2011-abgelaufen.pdf (letzter Zugriff: 23.05.2019)

Maurer M, Grabbe J: Urtikaria – gezielte Anamnese und ursachenorientierte Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt 2008, Bd. 105, S. 458–466;
https://www.aerzteblatt.de/archiv/60587/Urtikaria-gezielte-Anamnese-und-ursachenorientierte-Therapie (letzter Zugriff: 23.05.2019)

Henz BM et al.: Urtikaria – Klinik, Diagnostik, Therapie. Springer-Verlag, Berlin – Heidelberg 1996
Webseite der American Academy of Allergy Asthma & Immunology (AAAAI): Skin Allergy Overview; https://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/allergies/skin-allergy (letzter Zugriff: 23.05.2019)

Zuberbier T et al., Allergy 2018 Jan 15; DOI: 10.1111/all.13397
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/haut-haare-naegel/nesselsucht

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