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Asthma-Medikamente

Behandlung Asthma
Grundsätzlich wird zwischen Dosieraerosolen, Pulverinhalatoren und Verneblern unterschieden. (Image Point Fr / Shutterstock)

Da es sich bei Asthma um eine Erkrankung der Atemwege handelt, werden die meisten Asthmamedikamente inhaliert. Auf diesem Weg gelangen sie direkt an ihren Bestimmungsort im Körper, an dem sie ihre Wirkung entfalten sollen.

Kurzfassung:

  •  Reliever (Bedarfsmedikamente) werden in Notfällen und zur Linderung akuter Symptome eingesetzt.
  • Controller (Langzeitmedikamente) wirken vorbeugend. Sie unterdrücken die ständige Entzündungsbereitschaft der Atemwege oder wirken erweiternd auf die Bronchien.
  • Grundlage der medikamentösen Asthmatherapie ist die Kombination der beiden Medikamentengruppen.
  • Bei schwerem Asthma können monoklonale Antikörper injiziert werden.
  • Die Behandlung richtet sich nach einem definierten Stufenschema.

Reliever (Bedarfsmedikamente)

Reliever sind Medikamente, die ihre Wirkung unmittelbar nach der Anwendung entfalten und deshalb als Bedarfsmedikamente bei akuten Beschwerden dienen. Dabei handelt es sich um rasch wirksame Beta-2-Sympathomimetika. Diese Substanzen bewirken eine Entspannung der verkrampften Bronchialmuskulatur und somit eine Erweiterung der Atemwege. Zu dieser Stoffgruppe zählen:

  • Fenoterol
  • Salbutamol
  • Terbutalin

Bedarfsmedikamente dienen dazu, akute Asthmasymptome zu lindern, sie sind also für spezielle Situationen und für den Notfall geeignet. Gegen die zugrunde liegende Entzündungsreaktion und die Hyperreagibilität der Atemwege helfen sie hingegen nicht. Aus diesem Grund sollten Reliever auch nur bei Bedarf eingesetzt werden – in diesem Fall sind sie in der Regel gut verträglich. Bei übermäßigem Gebrauch dieser Präparate kann es allerdings zu Nebenwirkungen wie Herzrasen und Bluthochdruck kommen.

Zunehmend werden (durch Studien der letzten Jahre gut untermauert) auch Kombinationspräparate aus Formoterol mit einem inhalativen Kortison (Budesonid oder Beclometason) als Bedarfsmedikation empfohlen. Der entscheidende Vorteil liegt neben der raschen Erweiterung der Bronchien in einer gleichzeitigen Behandlung der zugrunde liegenden entzündlichen Reaktion in den Atemwegen. Formoterol nimmt als Wirkstoff eine Sonderstellung ein, da es sowohl schnell wirksam die Bronchien erweitert als auch eine Wirkdauer von etwa zwölf Stunden besitzt. So kann es als Kombinationspräparat mit einem inhalativen Kortison sowohl als Controller als auch als Reliever eingesetzt werden. Dieses Konzept nennt sich MART ("Maintenance-and-Reliever-Therapie“) mit nur einem Spray und zeigt eine bessere Kontrolle des Asthmas und eine Überlegenheit in der Therapie einer Verschlechterung.

+++ Mehr zum Thema: Asthma und Kortison +++

Controller (Langzeitmedikamente)

Controller entfalten ihre Wirkung langsamer, helfen im akuten Anfall also vergleichsweise wenig. Allerdings können diese Medikamente Anfällen und anderen Asthmasymptomen längerfristig vorbeugen, indem sie die ständige Entzündungsbereitschaft der Atemwege unterdrücken und so der grundlegenden Ursache von Asthma entgegenwirken.

Damit diese Medikamente ihren Effekt optimal entfalten können, müssen sie von den Betroffenen täglich inhaliert werden, und zwar auch in der beschwerdefreien Zeit. Nur dann kann sich die chronische Entzündung der Atemwege zurückbilden. Daher werden sie als Langzeitmedikamente bezeichnet.

  • Entzündungshemmung mittels inhalativer Glukokortikoide

Das wirksamste Langzeitmedikament bei Asthma sind Glukokortikoide, also synthetische Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol. Glukokortikoide wirken stark entzündungshemmend und unterdrücken die Überempfindlichkeit der Atemwege. Zu diesen Abkömmlingen gehören:

  • Beclometason
  • Budesonid
  • Ciclesonid
  • Fluticason
  • Mometason (wird erst im nächsten Jahr in Österreich verfügbar sein)

Im Gegensatz zur Einnahme von Tabletten wurden diese Wirkstoffe dahingehend verändert, dass sie sich rasch zersetzen, falls sie versehentlich geschluckt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Heiserkeit oder ein Pilzbefall der Mundschleimhaut. Letzterer lässt sich weitgehend vermeiden, indem nach erfolgter Inhalation der Mund gespült oder die Zähne geputzt werden. Auch die Inhalation direkt vor einer Mahlzeit ist hilfreich.

Bei schwerem Asthma können Glukokortikoide gegebenenfalls vorübergehend auch in Tablettenform eingenommen werden. Dies ist mit einem höheren Risiko für Nebenwirkungen verbunden (z.B. Gewichtszunahme, Anstieg des Blutzuckers, Störungen des Knochenhaushalts) und sollte daher nur dann erfolgen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen.

+++ Mehr zum Thema: Schweres Asthma +++

  • Bronchienerweiterung mittels Sympathomimetika

Reicht die Wirkung der Glukokortikoide alleine nicht aus, gibt es Wirkstoffe, die damit kombiniert werden können. Dazu gehören inhalative langwirksame Beta-2-Sympathomimetika. Diese können eine anhaltende Erweiterung der Atemwege bewirken und so – gemeinsam mit der entzündungshemmenden Wirkung der Glukokortikoide – die langfristige Krankheitskontrolle in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung verbessern. Langwirksame Beta-2-Sympathomimentika sind:

  • Formoterol (das sowohl schnell- als auch langwirksam ist)
  • Salmeterol
  • Vilanterol

Es gibt Kombinationspräparate zum Inhalieren, die Glukokortikoide und Sympathomimetika vereinen.

  • Weitere Langzeitmedikamente

Die sogenannten Leukotrienantagonisten (Montelukast) sind Asthmamedikamente in Tablettenform. Leukotrienantagonisten blockieren die Wirkung von entzündungsfördernden und bronchienverengenden Botenstoffen (Leukotrienen). Diese Substanzgruppe ist bei leichten bis mittelschweren Formen von Asthma eine alternative Behandlungsmöglichkeit und kann dabei helfen, die Dosierung der Glukokortikoide zu verringern. Auch werden sie in Kombination mit einer bestehenden Medikation aus Glukokortikoiden und Sympathomimetika angewendet, um eine bessere Asthmakontrolle zu erreichen.

Weiters kann die dauerhafte Anwendung eines anticholinergen Medikaments (inhalatives Tiotropium ist hierfür zugelassen) als Erweiterung der bestehenden Therapie zu einer Stabilisierung der Erkrankung führen.

Der Wirkstoff Theophyllin führt ebenfalls zu einer direkten Erweiterung der Atemwege und wird in Kombination mit anderen Langzeitmedikamenten eingesetzt. Aufgrund des eingeschränkten Bereichs, in dem das Präparat sicher und effektiv eingesetzt werden kann, und der damit einhergehenden erhöhten Gefahr von Nebenwirkungen verliert dieses Medikament in der Asthmatherapie aber zunehmend an Bedeutung. Es wird in der Notfalltherapie des akuten, lebensbedrohlichen Asthmaanfalls eingesetzt bzw. wenn andere Mittel ohne Wirkung bleiben.

  • Kombinationsmöglichkeiten

Die wesentlichen Grundzüge der medikamentösen Asthmatherapie sind also eine dauerhafte Bekämpfung der Entzündung in den Atemwegen sowie eine langfristige bzw. anhaltende Erweiterung der Bronchien. Bedarfsmedikamente sollten bestenfalls nicht zum Einsatz kommen. Ist dieses Ziel erreicht, spricht man von kontrolliertem Asthma.

Grundsätzlich sollte die Medikation immer wieder dem momentanen Schweregrad der Erkrankung angepasst werden. Bei Verschlechterung wird die Medikation um Wirkstoffe erweitert, bei Besserung bzw. Stabilisierung werden die Medikamente wieder reduziert. Gerade die Variabilität der Beschwerden (stabile und instabile Phasen) ist für Asthma sehr typisch.

+++ Mehr zum Thema: Therapie von Asthma bei Kindern +++

Zur Verfügung stehende Inhalatoren

Grundsätzlich wird zwischen Dosieraerosolen, Pulverinhalatoren und Verneblern unterschieden.

  • Dosieraerosole

Dosieraerosole (DA) sind die bekanntesten Inhalatoren und bestehen im Prinzip aus einer Kartusche und einem Mundstück. Durch Druck auf die Kartusche wird ein Sprühstoß mit definierter Arzneistoffmenge abgegeben. DA können auch bei großer Atemnot noch angewendet werden. Nachteilig ist die notwendige Koordination zwischen dem Auslösen der Dosis und dem Einatmen, welches zeitgleich erfolgen sollte. Dieses Problem kann aber durch die Verwendung einer Inhalationshilfe (Spacer) gut behoben werden.

  • Pulverinhalatoren

Pulverinhalatoren teilen sich in zwei Gruppen: jene, die einzeln vor jeder Anwendung mit einer Kapsel befüllt werden müssen, und jene, bei denen das Öffnen des Inhalators oder das Drehen an einem Dosierrad die Dosis von selbst vorbereitet. Die bei den DA notwendige Koordination entfällt bei Pulverinhalatoren. Allerdings ist eine bestimmte Atemgeschwindigkeit Voraussetzung, dass der Inhalator die Dosis freigibt. Bei starker Atemnot sind Pulverinhalatoren deshalb ungeeignet.

  • Vernebler

Es gibt elektrische und mechanische Vernebler. Elektrische Vernebler sind größere Standgeräte für den Heimgebrauch. Sie eignen sich für Patienten, denen sowohl die Koordination als auch die erforderliche Atemgeschwindigkeit fehlt. Das Inhalieren nimmt jedoch deutlich mehr Zeit in Anspruch (10–20 Minuten). Eine Sonderform sind mechanische Vernebler (Respimat), bei denen durch Federdruck für kurze Zeit ein Sprühnebel erzeugt wird. Der Respimat ist gewissermaßen eine Mischung aus DA und elektrischem Vernebler.

+++ Mehr zum Thema: Asthmatherapie +++

Zusatztherapie bei schwerem Asthma

Bei einem Teil der Patienten lassen sich die Beschwerden trotz Therapie mit Bedarfs- und Dauermedikamenten nicht ausreichend kontrollieren. In diesen Fällen gibt es seit einigen Jahren zusätzliche therapeutische Möglichkeiten. Monoklonale Antikörper gegen körpereigene Botenstoffe wie gegen Immunglobulin E (allergisches Asthma), gegen Interleukin 5 (eosinophiles Asthma) oder gegen Interleukin 4 und 13 (eosinophiles Asthma) bereichern die Behandlung des schweren Asthmas und sind eine gut verträgliche Alternative zu Glukokortikoiden in Tablettenform.

+++ Mehr zum Thema: Schweres Asthma +++

Immuntherapie bei allergischem Asthma

Bei allergischem Asthma, bei dem die auslösende Ursache eindeutig festzustellen ist, kann neben der medikamentösen Therapie unter bestimmten Umständen auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durchgeführt werden. Diese kann den Verlauf der Erkrankung verändern und das Auftreten von Asthmabeschwerden verringern.

+++ Mehr zum Thema: Therapie des allergischen Asthmas +++

Behandlungsplan, Kontrollen und Stufenschema

Jeder Patient erhält einen schriftlichen Behandlungsplan, in dem sein individuelles Therapieschema genau festgehalten ist, d.h. zu welcher Uhrzeit und in welcher Dosierung die jeweiligen Medikamente einzunehmen sind. Auch das Schema für die Bedarfsmedikamente für den Akut- bzw. Notfall wird darin dokumentiert.

Der Erfolg der Therapie und der Verlauf der Erkrankung müssen in regelmäßigen Abständen überprüft und an das Stufenschema angepasst werden. Zu Beginn der Therapie sollte schon nach ein bis drei Monaten die erste Kontrolluntersuchung erfolgen. Danach sollten Asthmapatienten, je nach Schweregrad und Therapiestufe, alle drei bis zwölf Monate den behandelnden Arzt aufsuchen.

+++ Mehr zum Thema: Nicht-medikamentöse Therapie bei Asthma +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Dr. Peter Cerkl, Dr. Gernot Rainer
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

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Karow T, Lang-Roth R: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 25. Auflage, 2017

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B, Ruth P: Mutschler Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020

Global Initiative for Asthma: Global Strategy for Asthma Management and Prevention; revised 2014

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung. 2. Auflage, Version 5/2009; zuletzt geändert: August 2013. AWMF-Registernr.: nvl/002

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Asthma. 2. Auflage, Version 1.3, Juli 2011; AWMF-Registernr.: nvl/002

Herold G: Innere Medizin 2015 – eine vorlesungsorientierte Darstellung. Eigenverlag, Köln 2014

Pohl W, Petrovic M: Asthma bronchiale. Österreichische Ärztezeitung Nr. 22; 25. November 2011

Patienteninformationsmaterial der Deutschen Atemwegsliga e.V. in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie; www.atemwegsliga.de/informationsmaterial.html

Schwarzer G et al.: Ketotifen alone or as additional medication for long-term control of asthma and wheeze in children. In: The Cochrane Library (1) 2004

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