Skotom

Von , Zahnärztin
Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Das Skotom (Gesichtsfeldausfall) bezeichnet eintretende Sehstörungen in einem Bereich des Gesichtsfeldes. Plötzliche Farbveränderungen, Lichtblitze, dunkle Flecken sind die häufigsten Erscheinungsformen des Skotoms. Im schlimmsten Fall erkennen die Betroffenen nur noch Umrisse ihrer Umgebung. Gesichtsfeldausfälle stellen beim ersten Auftreten einen augenärztlichen Notfall dar! Lesen Sie hier, was ein Skotom auslösen kann und was Sie dagegen tun sollten.

Skotom

Skotom: Beschreibung

Als Skotom bezeichnet man einen Ausfall im Gesichtsfeld.

Das Gesichtsfeld ist jener Teil der Umgebung, den man bei gerader Kopfhaltung und geradeaus blickenden Augen optisch erfassen kann. Ein Bereich von fast 180 Grad nach rechts und links kann dabei mit beiden Augen (binokular) gleichzeitig wahrgenommen werden. Nach unten ist noch ein Bereich von etwa 70 Grad zu erkennen, nach oben von 60 Grad. Der Bereich im Zentrum, in dem sich die Gesichtsfelder beider Augen überschneiden, wird dabei am schärfsten abgebildet. Im Außenbereich des Gesichtsfeldes wird die Wahrnehmung hingegen zunehmend unschärfer, Muster und auch Farben können nicht mehr exakt erkannt werden.

Ein Ausfall in diesem Gesichtsfeld - also ein Skotom - kann sich je nach Ursache ganz unterschiedlich bemerkbar machen: Lichtblitze, kleine, tanzende Punkte (Mouches volantes = "fliegende Fliegen"), Farbveränderungen, dunkle Flecken bis hin zur totalen Erblindung können auftreten. Dabei unterscheiden Mediziner zwischen relativem und absolutem Skotom sowie zwischen positivem und negativem Skotom:

  • relatives Skotom: Objekte im Bereich des Skotoms sind abgeschwächt.
  • absolutes Skotom: Objekte werden nicht erkannt.
  • positives Skotom: Der Patient sieht zusätzliche Formen und Strukturen wie Lichtblitze oder dunkle Flecken. Das Skotom ist also vom Patienten selbst wahrnehmbar. Daher spricht man auch von subjektivem Skotom.
  • negatives Skotom: Das Skotom ist nur durch augenärztliche Untersuchungen feststellbar. Daher spricht man auch von objektivem Skotom.

Daneben gibt es noch einige spezielle Formen wie Zentralskotom (bei Entzündung des Sehnervs) oder Heminanopsie (halbseitiger Gesichtsfeldausfall).

Natürliche Grenzen des Gesichtsfelds

Einige Gesichtsfeldgrenzen sind natürlich und anatomisch vorgegeben. So begrenzen beispielsweise anatomische Strukturen wie die Nase, die Wangen oder Augenbrauen unser Gesichtsfeld. Und auch der Austrittspunkt des Sehnervens an der Hinterwand des Augapfels bildet ein Skotom, welches als „blinder Fleck“ bezeichnet wird. Da sich in diesem kleinen Bereich keine Sehrezeptoren befinden, werden Objekte, die in einem bestimmten Winkel zum blinden Fleck stehen, nicht gesehen. Dies wird aber durch das andere Auge kompensiert, sodass wir den blinden Fleck gar nicht wahrnehmen.

Skotom: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Ein Skotom kann unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal steckt eine Migräne mit Aura dahinter (siehe unten: „Skotom bei Migräne“). Tritt der Gesichtsfeldausfall jedoch erstmalig und ohne Migräne auf, verbergen sich sehr wahrscheinlich ernste Erkrankungen dahinter, die sofort in ärztliche Behandlung gehören. Einige Beispiele:

Makuladegeneration

Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) äußert sich durch einen zunehmenden Verlust der Sehschärfe mit zunehmendem Alter. Es kommt zur Zerstörung von Gewebe an der Netzhaut, welches im fortgeschrittenen Stadium sogar zu einer Erblindung führen kann. Das Gesichtsfeld ist zwar nicht verschmälert, aber scharfes Sehen zentral gelegener Objekte ist nicht mehr möglich. Die Umgebung wird oft wie durch einen „grauen Schleier“ wahrgenommen.

Grüner Star (Glaukom)

Beim Grünen Star werden – bedingt durch einen erhöhten Augeninnendruck – Netzhaut und Sehnerv zerstört. Eine Folge ist das Skotom, das oft erst spät entdeckt wird, weil es zunächst außen im Gesichtsfeld auftritt und durch das andere Auge kompensiert wird.

Erkrankungen des Sehnervs

Entzündungen (z.B. Sehnerventzündung), Tumore, ein erhöhter Augeninnendruck sowie Durchblutungsstörungen unterschiedlichster Ursache können auf den Sehnerv drücken und diesen dauerhaft schädigen. Gesichtsfeldausfälle bis hin zur vollkommenen Erblindung sind die möglichen Folge.

Netzhautablösung

Löst sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut von der Hinterwand des Augapfels, so stellt dies einen augenärztlichen Notfall dar. Typische Anzeichen der Netzhautablösung sind zuckende Lichtblitze, schwarze oder rötliche Punkte vor der Nase und zunehmend größer werdende Gesichtsfeldausfälle. In diesem Fall sollte sofort der Augenarzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden, da dauerhafte Erblindung droht!

Eine Netzhautablösung kann etwa durch eine Verletzung (z.B. Schlag gegen das Auge) oder durch verschiedene Erkrankungen (wie diabetische Retinopathie) verursacht werden.

Schlaganfall

Ein Schlaganfall entsteht entweder durch eine Einblutung oder einen Gefäßverschluss im Gehirn. In beiden Fällen kommt es zum Absterben von Hirngewebe. Häufige Erstanzeichen sind Doppelbilder und Gesichtsfeldausfälle, Halbseitenlähmungen des Körpers und Sprachstörungen.

Gehirntumore

Raumforderungen im Gehirn, vor allem, wenn Sie im Verlauf des Sehnervs liegen, können ebenfalls Skotome verursachen. Oft ist bei Tumoren im hinteren Bereich des Gehirns ein Gesichtsfeldausfall das erste Krankheitszeichen.

Skotom bei Migräne

Die Migräne ist für die Leidenden (meist Frauen) eine große Plage: Anfallsartig kommt es zu heftigsten, meist einseitigen Kopfschmerzen, die zwischen vier bis 72 Stunden bestehen bleiben können. Dabei unterscheiden Mediziner zwischen der Migräne mit und ohne Aura:

Die Migräne ohne Aura ist der weitaus häufigere Typ. Es entwickeln sich dabei zunehmend starke, pulsierende Kopfschmerzen, die meistens nur auf einer Kopfseite auftreten. Zu den bis 72 Stunden anhaltenden Kopfschmerzen gesellen sich oft Erbrechen und Übelkeit hinzu. Eine zusätzliche Geräusch- und Lichtempfindlichkeit zwingt die Patienten, sich in abgedunkelte, stille Räume zurückzuziehen.

Bei der Migräne mit Aura gehen den Kopfschmerzen Störungen des Sehens und anderer Sinneswahrnehmungen voraus und werden als "Aura" bezeichnet:

  • Sehen von bunten Lichtblitze
  • Sehen von gezackten Linien (Fortifikationen)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Gefühlsveränderungen wie Kribbeln in Armen und Beinen

Die Aura wird von Patient zu Patient unterschiedlich wahrgenommen und erlebt. In der Regel halten diese Symptome nicht länger als 40 Minuten an.

Eine Sonderstellung nehmen die sogenannten Flimmerskotome ein, die sowohl gänzlich ohne Migräne als auch im Rahmen einer Migräne mit Aura auftreten können. Hierbei kommt es zu einem zunehmenden Blendeffekt im eher äußeren Gesichtsfeld - fast, als ob man ins Licht blicken würde. Die Sehstörung nimmt zwar zu, beeinflusst aber nicht das vollständige Gesichtsfeld. Ein Scharfsehen oder Lesen ist nicht mehr möglich. Die Beschwerden halten auch hier nicht länger als 30 Minuten an und können von Erbrechen oder Übelkeit begleitet werden.

Skotom: Wann müssen Sie zum Arzt?

Bei einem erstmaligen Gesichtsfeldausfall sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen! Es kann - muss aber nicht - eine ernste Erkrankung dahinterstecken. Auch in folgenden Fällen ist ein sofortiger Arztbesuch ratsam:

  • wenn Sie schon öfters eine Migräne mit Aura hatten, aber das Skotom diesmal anders als sonst verläuft oder die Kopfschmerzen ausbleiben
  • bei zunehmend größer werdendem Skotom
  • wenn Sie den Eindruck haben, als würde man vor Ihren Augen einen Vorhang von unten nach oben hoch schieben
  • wenn alles um Sie herum ausschaut, als wäre es mit einem grauen Schleier überzogen
  • wenn Sie nur noch Umrisse erkennen
  • bei Lichtblitzen oder schwarzen Bereichen im Gesichtsfeld
  • wenn zusätzlich Übelkeit, Erbrechen, Verwirrung, Sprachstörungen oder andere Beschwerden auftreten

Skotom: Was macht der Arzt?

Treten die Gesichtsfeldausfälle erstmalig und ohne weitere Beschwerden auf, ist der erste Ansprechpartner der Augenarzt. Der erste Schritt ist ein ausführliches Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei bittet Sie der Arzt, Ihre Beschwerden genau zu schildern. Zudem wird er fragen, ob Sie diese Beschwerden schon früher einmal hatten und ob irgendwelche Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt sind (z.B. Bluthochdruck, Grüner Star, Diabetes mellitus). Wichtig zu wissen ist für den Augenarzt auch, ob Sie (starker) Raucher sind.

Anschließend folgen augenärztlichen Untersuchungen wie:

  • Bestimmung der Sehschärfe und ggf. Abgleich mit bereits verwendeten Sehhilfen (wie Brille)
  • Spaltlampenuntersuchung: Mithilfe eines speziellen Mikroskops (mit Spaltlampe) kann der Augenarzt alle Strukturen des Auges vergrößern und beurteilen – beginnend vom vorderen Anteil mit Hornhaut und Linse bis hin zur Netzhaut und dem Augenhintergrund. Zahlreiche Augenkrankheiten, die ein Skotom auslösen können, lassen sich so aufdecken.
  • Augenspiegelung (Funduskopie): Hierbei kann der Arzt den Augenhintergrund mit dem Punkt des schärfsten Sehens (Makula) beurteilen. Das hilft bei der Diagnose einer Makuladegeneration.

Je nach Ursache können sich noch weitere gezielte Untersuchungen anschließen. Dazu gehört beispielsweise die Optische Kohärenztomografie (OCT). Mithilfe eines Lasers wird dabei ein genaues Bild der Netzhaut erstellt. Das ist etwa hilfreich bei der Diagnose und Verlaufskontrolle von grünem Star und Makuladegeneration. Bei einer Perimetrie wiederum wird der Umriss des Gesichtsfelds genau vermessen.

Wenn neben dem Skotom Anzeichen für einen Schlaganfall oder eine andere Erkrankung auftreten, wird eine fächerübergreifende Diagnostik in Zusammenarbeit mit weiteren Ärzten nötig, wenn nicht gar lebensrettend. Bei Verdacht auf Schlaganfall gehören dazu unter anderem neurologische Untersuchungen und eine Computertomografie des Schädels.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Quellen:
  • Leitlinie Nr. 21 des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V. und der Deutsche Ophtalmologischen Gesellschaft: "Altersabhängige Makuldegeneration AMD" (Stand: 2015)
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 22.10.2020)
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich