Hämoptoe (Bluthusten)

Von , Arzt
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Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

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Hämoptoe (Bluthusten) ist ein ernstzunehmendes Symptom. Betroffene haben einen blutigen Auswurf, hinter dem verschiedene Ursachen stecken können. Nicht immer handelt es sich um bedrohliche Erkrankungen. Oft bleibt der Auslöser sogar unklar. Generell ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig. Mit der richtigen Behandlung lässt sich eine Hämoptoe meist gut in den Griff bekommen. In den folgenden Kapiteln erfahren sie das Wichtigste zur „Hämoptoe“.

Frau hustet liegt im Bett

Hämoptoe: Beschreibung

Bei einer „Hämoptoe“ handelt es sich um blutigen Husten („Bluthusten“). Dabei stammt das Blut aus den Arterien/Venen der Luftröhre und Bronchien oder des Lungengewebes. Werden diese Gefäße verletzt, gelangt daraus Blut in die Atemwege, das schließlich ausgehustet wird.

Eine abgeschwächte Form der Hämoptoe ist die sogenannte Hämoptyse. Der Unterschied ist, dass bei Letzterer im Auswurf (Sputum) zwar Blut beigemischt ist, jedoch keine größeren Blutmengen oder gar bloßes Blut ausgehustet wird.

Die Hämoptoe ist von Erkrankungen zu unterscheiden, bei denen es auf andere Weise zum Ausscheiden von Blut aus dem Mund kommen kann, wie etwa Nasenbluten, Mund- und Zahnverletzungen oder Blutungen aus Speiseröhre und Magen.

Dies ist auf den ersten Blick oft nicht ganz einfach. Bei einer Hämoptoe kann das ausgeworfene Blut durch die beigemengte Luft oft schaumig erscheinen, stammt es dagegen aus dem Magen, ist es durch die Einwirkung der Magensäure häufig schwarz verfärbt. Um eine Blutungsquelle und deren Ursache ausfindig machen zu können, bedarf es in jedem Fall einer genauen Befragung des Patienten sowie weiterführender Diagnostik (siehe unten).

Hämoptoe: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Die einer Hämoptoe zugrunde liegende Blutung kann an verschiedenen Stationen des Atemsystems entstehen und die möglichen Ursachen sind zahlreich. Betrachtet man zunächst die Luftröhre (Trachea) und die Bronchien, kommen beispielsweise folgende Auslöser infrage:

  • Bronchitis (akut oder chronisch), also eine Entzündung der größeren Atemwege, die meist durch virale oder bakterielle Infekte verursacht wird.
  • Bronchiektasen: Diese kleinen Aussackungen der Bronchien entstehen oft infolge chronischer Bronchitiden. Die darin ständig ablaufenden Entzündungen können gelegentlich bluten und somit zu Hämoptyse, selten zu Hämoptoe führen.
  • Bronchialkarzinom (Lungenkrebs). Im Falle einer bösartigen Wucherung der Bronchialschleimhaut ist Bluthusten oft das erste Symptom, noch vor Schmerzen. Allerdings machen Bronchialkarzinome weniger als zehn Prozent der Ursachen einer Hämoptoe aus.
  • Lungenmetastasen. Dabei handelt es sich um Absiedlungen andere Krebsarten, die sich in der Lunge festsetzen. Häufig kommen diese zum Beispiel bei Darm-, Nieren- oder Brustkrebs vor.
  • Fremdkörperaspiration. Ein Phänomen, das vor allem bei Kindern die Ursache für eine Hämoptyse oder Hämoptoe sein kann. Eingeatmete Kleinteile verletzen die Schleimhaut der Atemwege und die darin liegenden Gefäße.

Verfolgt man die Atemwege weiter hinab, gelangt man schließlich zum Lungengewebe. Auch hier können verschiedene Auslöser zu Bluthusten führen:

  • Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) kommt es zwar nur selten zu einer Hämoptoe, dies kann aber vorkommen.
  • Auch im Falle eines Lungenabszesses gehört die Hämoptoe nicht zu den unbedingten Symptomen. Hat der Abszess (Eiteransammlung) aber Anschluss an ein verletztes Lungengefäß, ist Bluthusten durchaus möglich.
  • Während die Tuberkulose in Westeuropa mittlerweile nur noch vereinzelt vorkommt, ist sie in einigen Teilen Osteuropas und Asiens weit verbreitet. Dort ist sie nicht selten der Auslöser einer Hämoptoe.

Natürlich können auch äußerlich verursachte Verletzungen, beispielsweise ein Unfall oder Messerstich, die Auslöser einer Hämoptoe sein. Weitere mögliche Ursachen sind außerdem:

  • Eine Lungenembolie. Dabei kommt es zur Verlegung einer Lungenarterie durch ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel (Embolus). Dieses Gerinnsel entsteht außerhalb der Lunge (häufig in den Beinvenen) gelangt aber über den Blutkreislauf dorthin, wo es zum Verschluss kommt. Neben anderen gravierenden Folgen kann dabei auch Bluthusten auftreten.
  • Eine pulmonale Hypertonie. Damit ist ein erhöhter Blutdruck im sogenannten Lungenkreislauf gemeint. Dieser entsteht zum Beispiel häufig in Folge bestimmter Herzklappenfehler (Mitralstenose, Aorteninsuffizienz).
  • Gefäßfehlbildungen. So kann es etwa zu „Kurzschlüssen“ (mediz. Shunts) von Arterien und Venen kommen, oder zu krankhaften Erweiterungen von Gefäßen im Rahmen der erblich bedingten Oslerkrankheit.
  • Autoimmunerkrankungen. Genannt seien hier exemplarisch das Goodpasture-Syndrom, bei dem körpereigene Antikörper unter anderem Strukturen der Lunge angreifen, und die Wegener-Granulomatose, die durch Entzündungen kleiner Gefäße am ganzen Körper gekennzeichnet ist. Auch Lupus kann in seltenen Fällen eine Hämoptoe verursachen.
  • Eine erhöhte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese): Unter Einnahme bestimmter Medikamente („Blutverdünner“, zum Beispiel Aspirin) sowie in Folge mancher Krankheiten (Hämophilie) ist die Blutgerinnung gestört. Sehr selten kann es dadurch auch zu Bluthusten kommen.

Hämoptoe: Wann sollten Sie zum Arzt?

Bluthusten, beziehungsweise blutiger Auswurf ist ein dringendes Warnsignal, das umgehend ärztlich abgeklärt werden sollte. Hinter dem Symptom muss nicht in jedem Fall eine ernsthafte Erkrankung stecken. Viele Ursachen können gut behandelt werden. In jedem Fall gilt: je früher sie erkannt werden, desto besser.

Hämoptoe: Was macht der Arzt?

Diagnostik

So unterschiedlich Lokalisation und Ursachen einer Blutung im Atemsystem sein können, so wichtig ist es, dass der behandelnde Arzt den Patienten zunächst genau zu den Umständen der aufgetretenen Hämoptoe befragt:

  • Wann ist diese zum ersten Mal aufgetreten?
  • Wie lange hat sie angedauert?
  • Wie viel Blut wurde ausgehustet und wie sah es aus?
  • Gibt es relevante Vorerkrankungen?

Diese und weitere Fragen helfen, die möglichen Auslöser weiter einzugrenzen. Jedoch sind die Patientenaussagen, gerade was die Menge des Blutes angeht, oft nicht zuverlässig, weil die Menge subjektiv größer wahrgenommen wird, als sie ist.

Zudem wird der Arzt Blut abnehmen, um wichtige Laborwerte zu erhalten (Blutbild, Gerinnungswerte, Sauerstoffgehalt im Blut, etc.).

Wenn es darum geht, den Ort der Blutungsquelle ausfindig zu machen, stehen diagnostische Verfahren, wie etwa Röntgen, Bronchoskopie und HRCT (Computertomografie mit hoher Auflösung) zur Verfügung.

Therapie

Bei akuten Blutungen gilt es, diese schnellstmöglich zu stillen, was oft bereits mithilfe einer Bronchoskopie gelingt.

Grundsätzlich richtet sich die Therapie der Hämoptoe nach dem jeweiligen Auslöser. Folglich kommen zum Beispiel Medikamente wie Antibiotika oder Immunsuppressiva zum Einsatz. In anderen Fällen sind Chemotherapie oder operative Eingriffe, oder ein gezielter Gefäßverschluss (Embolisation) notwendig.

Notfallmaßnahmen

Ist die Blutung stark und die Blutungsquelle liegt in den unteren Bronchien oder der Lunge, ist eine schrägsitzende Lagerung des Patienten mit dem blutenden Lungenflügel nach unten, sinnvoll, damit die noch unverletzte Lunge in ihrer Funktion nicht gestört wird. Auch eine Volumensubstitution, also der Ersatz des verlorengegangenen Blutvolumens durch Kochsalzlösungen oder ähnliche Präparate, kann von Nöten sein.

Wer frühzeitig zum Arzt geht und richtig behandelt wird, verhindert damit womöglich das erneute Auftreten einer Hämoptoe.

Hämoptoe: Das können Sie selbst tun

Auch wenn sich die Auslöser meist gut behandeln lässt: Blut zu husten ist immer ein Warnsignal, das Sie unbedingt ernst nehmen sollten. Suchen Sie daher umgehend einen Arzt auf, um die Ursachen der Hämoptoe abklären und behandeln zu lassen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Marian Grosser
Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

Quellen:
  • Basislehrbuch Innere Medizin, Renz-Polster Herbert, Krautzig Steffen
  • HEROLD Innere Medizin, Dr. G. Herold et al.
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