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Verhütung für den Mann

Verhütung für Männer
Die Pille für den Mann gibt es bis dato noch nicht. (Ocskaymark / iStockphoto)

Die ideale Verhütungsmethode sollte sicher, wieder rückgängig zu machen und möglichst ohne Nebenwirkungen sein. Zudem sollte sie in der Anwendung einfach, schnell wirksam und zielgerichtet sein, ohne die Sexualität zu beeinflussen.

Für Männer gibt es im Vergleich zu den Verhütungsmitteln für Frauen weniger Auswahl und weniger anspruchsvolle Verhütungsmethoden. Eigenständig, sicher und einigermaßen zuverlässig verhüten können Männer zurzeit auf zwei Arten:

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Hormonelle Verhütung für den Mann?

Seit vielen Jahrzehnten gibt es die Idee einer hormonellen Verhütung für den Mann. Ziel dabei ist es, die Spermienbildung und -reifung zu unterdrücken. Daraus soll eine Verminderung der Spermienzahl bis hin zur Azoospermie (Samenflüssigkeit frei von Spermien) resultieren.

Die Ansätze in der Forschung sind unterschiedlich, die Möglichkeiten liegen im Bereich von chemischen Stoffen, Hormonen und Antihormonen sowie immunologischen Abwehrreaktionen.

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Produktion und Reifung von Spermien 

Die Samenzellen werden im Hoden durch Zellteilung gebildet und vermehrt (Vermehrungsperiode), worauf die Spermien wachsen müssen. Nach der Wachstumsperiode erfolgt die Reifung, dabei teilen sich die Samenzellen und es entstehen Zellen mit dem halben Chromosomensatz.

Auch diese sind noch nicht ausgereift, denn sie haben noch nicht die aerodynamische Form eines Spermiums. Diese bekommen sie durch komplizierte Umbauvorgänge in der letzten Phase, der Spermiogenese. Die gesamte Entwicklung dauert 64 Tage.

Das Spermium ist anschließend reif, aber unbeweglich. Die Mobilität bekommt es im Nebenhoden, durch die Passage des Nebenhodens bis zum unteren Teil wird ein Spermium "befruchtungsfähig".

In diesem Bereich bleibt es, bis die Ejakulation erfolgt. Unter Hinzugabe von Flüssigkeit aus der Prostata und den Samenbläschen kommt es zu einer Milieuänderung, und das Spermium beginnt sich durch Bewegungen mit dem Schwanzanteil fortzubewegen.

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Ansätze für die Verhütung beim Mann?

  • Unterdrückung der Samenbildung
  • Unterdrückung der Samenreifung 
  • Hemmung der Spermienfunktion
  • Verhinderung des Spermientransports

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Ein kurzer Überblick zu den Hormonen

Aus Zentren im Gehirn wird durch einen Botenstoff (GnRH = gonadotropin releasing Hormon) die Hirnanhangsdrüse dazu stimuliert, zwei Hormone (Gonadotropine) ins Blut abzugeben. Das eine Gonadotropin LH (luteinisierendes Hormon, wie auch bei der Frau) bewirkt bei bestimmten Zellen im Hoden die Freisetzung von Testosteron, dem männlichen Sexualhormon. Das ist für die Samenbildung unbedingt notwendig.

Das andere Gonadotropin FSH (Follikel stimulierendes Hormon, wie bei der Frau) bewirkt bei den entstehenden Spermien eine Optimierung der Ausreifung. Aus dem komplizierten Zusammenspiel wird klar, dass es verschiedene Ansätze einer Verhütung gibt.

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Wenn man die Gonadotropin-Ausschüttung hemmt, indem der Regelkreis durch die Gabe von Sexualhormonen unterbrochen wird, kann die Samenbildung nicht mehr erfolgen. Um das männliche Rollenverhalten und bestimmte Stoffwechselvorgänge aufrecht zu erhalten, muss gleichzeitig das männliche Hormon Androgen hinzugefügt werden. Eine Studie hat diesbezüglich die Effektivität gezeigt.

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Selbst wenn die Spermienzahl nur auf unter drei Millionen pro Milliliter reduziert wird, ist von einer Unfruchtbarkeit auszugehen. Die Methode ist gut, nicht jedoch die Praktikabilität, weil das Testosteron injiziert werden muss. Daher sucht man derzeit Testosterone, die nicht gespritzt werden müssen.

Der nächste Ansatz ist die Unterdrückung der GnRH-Freisetzung aus den übergeordneten Zentren im Gehirn. Studien haben gezeigt, dass damit und mit der gleichzeitigen Gabe von Testosteron eine Unterdrückung der Spermienentstehung erreicht wird. Diese Methode ist jedoch mit der täglichen Injektion von GnRH-Analoga oder der Injektion alle drei Wochen verbunden und zudem ausgesprochen teuer.

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Unterdrückung der Samenreifung

Die Ansätze liegen hier in der Veränderung des Milieus, in dem die Spermien reifen.

Hemmung der Spermienfunktion

Dazu gibt es nur experimentelle Untersuchungen in Richtung von spermiziden Substanzen, ähnlich den vaginalen, chemischen Verhütungsmitteln

Verhinderung des Spermientransports

Die bekannten Verhütungsmittel, die sich mehr oder weniger wieder rückgängig machen lassen, sind derzeit der Koitus interruptus, das Kondom und die Sterilisation. Bei letzterer werden Methoden untersucht, die besser reversibel sind.

Wann und ob die "Pille für den Mann" kommt und wer sie gegebenenfalls auch einnehmen wird, ist im Moment noch nicht abzusehen. Die Ansätze der Forschung sind da, und die Entwicklung der notwendigen Substanzen braucht Zeit.

Zu bedenken bleibt, dass zumindest mit dem Kondom auch in Zukunft ein Schutz gegen sexuell übertragbare Erkrankungen besteht, der gerade im Zeitalter von AIDS oder Hepatitis B und  Hepatitis C nicht vergessen werden darf.

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