Sterilisation und Vasektomie als Alternative?

Eine österreichische Frau bekommt laut Statistik 1,3 Kinder in ihrem Leben. Das bedeutet, dass die Familienplanung spätestens nach dem zweiten Kind für die meisten Paare abgeschlossen ist.

Welche Verhütungsmethode ist nun sinnvoll? Neben Langzeitverhütungsmitteln wie der Spirale, die nur von der Frau angewendet werden können, sind die Sterilisation bzw. Vasektomie für den Mann Alternativen.

Verhütung ist nach wie vor meist Frauensache. Dem Mann bleiben immerhin zwei Möglichkeiten, um einer unerwünschten Schwangerschaft der Partnerin eigeninitiativ vorzubeugen: das Kondom und die Vasektomie.

Die letztgenannte Methode sowie die Sterilisation bei der Frau sind Entscheidungen, die praktisch nicht rückgängig gemacht werden können. Daher ist es besonders wichtig, dass Paare, die sich für diesen Weg entscheiden, ausreichend aufgeklärt werden.

Zwar hat eine Sterilisation keine Auswirkung auf den Sexualhormonhaushalt, aber sie bedeutet einen klaren Einschnitt ins (Sexual-)Leben: Wer bereit ist, Sexualität und Fruchtbarkeit zu trennen und wer keinen Wunsch nach (weiteren) Kindern hat, für den stellt die Sterilisation eine der sichersten Kontrazeptionsmöglichkeiten dar.

Wer soll sich sterilisieren lassen?

Diese Frage muss jedes Paar für sich beantworten. Eine Entscheidungshilfe kann sein, dass der Eingriff beim Mann unkompliziert ist und ohne Vollnarkose vorgenommen wird. Trotzdem lassen sich im Vergleich viel mehr Frauen sterilisieren als Männer: So kommt auf vier sterilisierte Frauen etwa ein Mann, der sich einer Vasektomie unterzieht.

Die Sterilisation bei der Frau

Die Frau besitzt zwei Eileiter, durch die eine reife Eizelle von den Eierstöcken in die Gebärmutter wandert. Bei der Sterilisation werden beide Eileiter durchtrennt, so wird der Transportweg der Eizelle unterbrochen.

Die Sterilisation der Frau wird stationär im Krankenhaus durchgeführt, da eine Vollnarkose nötig ist. Die OP dauert etwa eine halbe Stunde. Danach wird die Frau ein bis zwei Tage stationär aufgenommen. Die Sterilisation kann auch direkt nach einer vaginalen Geburt bzw. einem Kaiserschnitt oder im Zuge einer Abtreibung vorgenommen werden.

Die Kosten einer Sterilisation werden in Österreich nicht von der Krankenkasse übernommen und belaufen sich auf rund 600 Euro.

Was verändert sich durch die Sterilisation?

Vereinzelt berichten Frauen nach einer Sterilisation von depressiven Verstimmungen. Die Mehrheit der Frauen ist mit der Entscheidung jedoch langfristig zufrieden, da sich bis auf die Tatsache, dass sie nicht schwanger werden können, für sie nichts ändert: Monatsblutung, körperliche Statur und das sexuelle Empfinden bleiben gleich. Denn die weiblichen Hormone, die im Eierstock gebildet werden, wandern nicht durch die Eileiter, sondern werden vom Eierstock direkt ins Blut abgegeben. Auch auf den Beginn der Wechseljahre (Menopause) hat eine Sterilisation keinen Einfluss.

Ist die Sterilisation endgültig?

Die Sterilisation gilt als endgültige Verhütungsmethode, sie kann prinzipiell aber in Einzelfällen rückgängig gemacht werden. Allerdings: Dieser Eingriff ist sehr aufwändig und teuer. Eine weitere große Operation nötig und die Wahrscheinlichkeit, dass frau danach wieder auf natürlichem Weg Kinder bekommen kann, ist gering.

Die Sterilisation beim Mann (Vasektomie)

Die Sterilisation beim Mann wird mit örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) und ambulant durchgeführt. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten und verursacht kaum Schmerzen. Der Urologe öffnet die Haut des Hodensacks auf beiden Seiten mit einem kleinen Schnitt und durchtrennt die Samenleiter. Häufig wird dabei auch ein Teilstück des rechten und linken Samenleiters entfernt. Anschließend werden die Enden der Samenleiter verschlossen und der Samentransport ist dadurch unterbrochen. Zwei bis drei Tage nach der Operation können Schmerzen im Hodensack auftreten.

Die Vasektomie kann sowohl bei einem niedergelassenen Urologen als auch im Krankenhaus vorgenommen werden. Nach der Vasektomie können in der Samenflüssigkeit noch mehrere Monate lang befruchtungsfähige Spermien vorhanden sein. Daher wird das Ejakulat einige Wochen nach der Operation überprüft. Erst wenn bei zwei Kontrolluntersuchungen im Abstand von etwa vier bis sechs Wochen keine Spermien mehr nachweisbar sind, kann man auf zusätzliche Verhütung verzichten.

In Österreich belaufen sich die Kosten für eine Vasektomie auf etwa 400 bis 600 Euro. Die Krankenkasse übernimmt nur in Ausnahmefällen die Kosten.

Was verändert sich durch die Vasektomie?

Das männliche Ejakulat besteht zu rund 95 Prozent aus Prostataflüssigkeit und nur zu fünf Prozent aus Samenzellen, daher hat die Vasektomie keinen sichtbaren oder spürbaren Einfluss auf den Samenerguss und keine Auswirkungen auf die männliche Potenz und die sexuelle Lust. Auch die Funktion der Hoden und damit der männliche Hormonhaushalt bleiben von einer Vasektomie unberührt.

Ist die Vasektomie endgültig?

Auch die Vasektomie gilt prinzipiell als endgültige Verhütungsmethode. Jedoch ist auch hier eine relativ aufwändige Rückoperation möglich.

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Quellen

Weisek, W.H.: Vasektomie – aktueller Stand, Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 2004; 1 (3), 222-227; Rabe, T.: Contraception-Update and Trends, Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 2007; 4 (6), 337-357; Diedrich, K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Springer, 2006; Berufsverband der Deutschen Urologen; Österreichische Gesellschaft für Urologie; Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin; Pro Familia. Für selbstbestimmte Sexualität

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