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Wie sicher sind die einzelnen Verhütungsmethoden?

Verhütung, Pearl Index
Welches Verhütungsmittel ist das sicherste? (TanyaJoy / iStockphoto)

Als Verhütungsmethoden bezeichnet man sämtliche Maßnahmen, deren Ziel es ist eine Schwangerschaft zu verhindern. Welche Methoden gibt es und wie sicher sind diese?

Kurzfassung:

  • Nicht jede Verhütungsmethode ist gleich effektiv.
  • Der Pearl-Index gibt die Effektivität einer Verhütungsmethode an.
  • Je niedriger der Index, desto sicherer ist die Verhütungsmethode.
  • Die Sicherheit einer Verhütungsmethode ist entscheidend von der richtigen Anwendung abhängig.
  • Jede Verhütungsmethode kann neben der erwünschten Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen.

 


Wie sicher ist eine Verhütungsmethode?

Verhütungsmethoden gibt es viele. Doch nicht alle sind gleich verlässlich, wenn es darum geht, eine Schwangerschaft zu verhindern. Der Unterschied in der Sicherheit ist zum Teil erheblich.

Um die verschiedenen Methoden miteinander zu vergleichen und eine Entscheidungshilfe anzubieten, wurde der sogenannte Pearl-Index entwickelt. Er erlaubt eine Aussage darüber, wie sicher eine Verhütungsmethode ist.

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Was bedeutet der Pearl-Index?

Grundlage der Berechnung des Pearl-Index sind 100 Frauen im gebärfähigen Alter, die ein Jahr lang die jeweilige Verhütungsmethode anwenden. Ein Pearl-Index von 0 würde demnach bedeuten, dass keine der 100 Frauen in diesem Zeitraum schwanger wurde. Ein Verhütungsmittel mit einem Pearl-Index von 0 wäre demnach perfekt.

Ein Pearl-Index von 1 würde bedeuten, dass eine von 100 Frauen trotz Verhütung schwanger wurde, bei einem Pearl-Index von 0,1 wurde eine von 1000 Frauen innerhalb eines Jahres schwanger. Zusammenfassend lässt sich sagen, je niedriger der Pearl-Index, desto  sicherer ist die Verhütungsmethode.

Bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne jegliche Art der Empfängnisverhütung beträgt der Pearl-Index bei jungen gesunden Frauen im Alter von 20 Jahren etwa 80 bis 90. Die Anzahl der eintretenden Schwangerschaften ohne Anwendung von kontrazeptiven Maßnahmen sinkt mit steigendem Alter der Frauen stetig. Es wird also mit zunehmenden Alter immer schwieriger schwanger zu werden.

+++ Mehr zum Thema: Welche Verhütungsmethoden gibt es? +++

Welchen Pearl-Index haben die einzelnen Verhütungsmethoden?

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Sicherheit von Verhütungsmethoden.

Tab. 1: Pearl-Index von Verhütungsmethoden (alphabetisch geordnet)

Verhütungsmethode

Pearl-Index

Coitus interruptus

27

Diaphragma (inkl. Spermien-abtötende Creme)

4-10

Drei-Monats-Spritze

0,3-1,4

Hormonspirale

0,16

Kalendermethode

12-15

Kondom

2-12

Kondom für die Frau

5-25

Kupferkette

0,1-0,3

Kupferspirale

0,9-3

Minipille

0,5

Pille

0,1-0,9

Sterilisation der Frau

0,2-0,3

Sterilisation des Mannes

0,1-0,2

Symptothermale Methode (Rötzer-Methode)

1,8-2,7

Temperaturmethode

3,8-20

Vaginalfilm

6

Vaginalring

0,65

Verhütungspflaster

0,9

Verhütungsschwamm

5-10

Verhütungsstäbchen (Implantat)

0-0,08

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Praktischer und theoretischer Pearl-Index

Die gesamte Anzahl an Schwangerschaften, die im Zuge der Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode auftreten, wird als "praktischer Pearl-Index" bezeichnet. Er sagt aus, welche Methode sich im Alltag bewährt und spiegelt das reale Leben wieder, da es auch zu Schwangerschaften bei  Anwendungsfehlern kommen kann. Der "theoretische Pearl-Index" hingegen, beschreibt wie gut die Methode bei fehlerfreier Anwendung funktioniert.

Liegen die Werte dabei ungefähr im selben Bereich (z.B. Hormonspirale), dann ist die Methode leicht anzuwenden und man kann wenig falsch machen. Liegen die Werte jedoch weit auseinander (z.B. Kondom), so ist es für einen wirksamen Verhütungsschutz wichtig, eine konstante und konsequente Anwendung durchzuführen.

Anhand des Pearl-Index lässt sich eine Art Rangliste der Verhütungsmethoden erstellen. Demnach zählen Sterilisation, Hormonimplantate, Hormon- und Kupferspirale und hormonelle Methoden wie die Pille und Drei-Monats-Spritze zu den sichersten Verhütungsmethoden. Barrieremethoden wie das Kondom bieten aufgrund von häufigen Anwenderfehlern etwas weniger Sicherheit. Natürliche Verhütungsmethoden (z.B. Temperaturmessung) können aufgrund des hohen Pearl-Index generell nicht empfohlen werden.

Der Pearl-Index erlaubt jedoch nur eine Aussage über die Vermeidung ungewollter Schwangerschaften. Über die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten gibt der Index keine Auskunft. Wirkungsvollen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten (z.B. HIV) bietet nur das Kondom. Zum Schutz vor krebserregenden Papillomaviren steht zusätzlich eine Schutzimpfung (HPV-Impfung) zur Verfügung.

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Was kann die Sicherheit eines Verhütungsmittels beeinträchtigen?

Die Sicherheit einer Verhütungsmethode ist ganz entscheidend von der richtigen Anwendung abhängig. So ist etwa bei unregelmäßiger Einnahme der Pille oder unsachgemäßer Anwendung eines Kondoms der optimale Verhütungsschutz nicht mehr gegeben. Diese sogenannten Anwendungsfehler können die Sicherheit eines Verhütungsmittels deutlich beeinträchtigen.

Bei manchen Verhütungsmethoden können auch äußere Faktoren die Wirkung beeinflussen. So können beispielsweise Magen-Darmerkrankungen (Durchfall, Erbrechen etc.)  die Aufnahme der für die Verhütung verantwortlichen Hormone bei der Pille beeinträchtigen, wodurch die Wirksamkeit in diesem Zyklus deutlich reduziert sein kann.

Versagt das Verhütungsmittel trotz optimaler Anwendung, spricht man hingegen von Methodenfehlern. Diese oft nicht ganz klare Unterscheidung zwischen den beiden Arten der "Fehlerquellen" ist ein Grund dafür, dass sich in der Literatur teilweise sehr unterschiedliche Angaben zum Pearl-Index eines Verhütungsmittels finden, je nachdem, ob Anwendungsfehler in die Untersuchung miteinbezogen wurden oder nicht.

Alle Verhütungsmethoden haben neben der erwünschten Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen. Je nach Lebenssituation und individuellem Risikoprofil gilt es bei einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Frauenarzt die beste Verhütungsmethode für jede einzelne Frau zu finden.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Gerald Hartmann, MBA, Dr. Michael Mossig
Redaktionelle Bearbeitung:
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Aktualisiert am:
Quellen

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Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B and Ruth P. Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020

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Weyerstahl T., Stauber M.: Gynäkologie und Geburtshilfe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 4. Auflage 2013

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Read More: http://informahealthcare.com/doi/abs/10.3109/13625180903427675 (Online, letzter Zugriff: 25.05.2016)

Contraceptive Technology, New York: http://www.contraceptivetechnology.com/table.html (Online, letzter Zugriff: 25.05.2016)

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