Die Pille (Antibabypille)

hormonelle Verhütung mit der Pille
Die Antibabypille kommt bereits seit mehr als 50 Jahren zum Einsatz (wavebreakmedia / Shutterstock)

Die Antibabypille ist auch über 50 Jahre nach Zulassung der ersten Präparate das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel in den westlichen Industrienationen. In Österreich setzen etwa vier von zehn Frauen zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr auf die eine oder andere Form der Pille. Besonders häufig wird dieses Verhütungsmittel von jungen Frauen unter 30 Jahren angewendet.

Kurzfassung:

  • Die Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel.
  • Man unterscheidet zwischen der „klassischen“ Kombinationspille und der Minipille.
  • Die Pille gilt als sehr sicherer Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft.
  • Obwohl die Pille von den meisten Frauen gut vertragen wird, kann es zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Zwischenblutungen kommen.

Informationen auf dieser Seite:

Pillenarten
Wirkung
Sicherheit
Nebenwirkungen & Thromboserisiko
Kosten

Die Antibabypille oder kurz Pille zählt zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Die Wirkungsweise der Pille besteht darin, dass sie die monatliche Reifung der Eizelle und damit den Eisprung, verhindert. Waren Pillen früher noch hoch dosiert, so enthalten die heutigen modernen Präparate die Hormone in der niedrigsten noch wirksamen Dosierung. Durch die geringere Dosierung konnten auch die Nebenwirkungen der Pille deutlich reduziert werden.

Die Pille ist insgesamt eine sehr wirksame Verhütungsmethode. Bei später auftauchendem Kinderwunsch kann das Präparat ohne Probleme wieder abgesetzt werden. Nach Absetzen hat die Pille keine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit.

Welche Arten der Pille gibt es?

Allen Pillenpräparaten ist gemeinsam, dass sie Geschlechtshormone enthalten - wenn auch in verschiedenen Zusammensetzungen und Dosierungen. Man unterscheidet dabei grundsätzlich folgende Arten der Pille:

Kombinationspräparate (die "klassische" Antibabypille)

Die "klassische" Pille enthält die Hormone Östrogen und Gestagen. Bei einer Östrogen-Dosierung von weniger als 0,05 Milligramm pro Tablette spricht man auch von einer Mikropille (nicht zu verwechseln mit der Minipille!).

Da heute jedoch kaum noch Präparate mit höherer Dosierung verschrieben werden – der Großteil der Präparate enthält zwischen 0,02 und 0,03 Milligramm – hat der Begriff Mikropille keine große Bedeutung mehr.

Für die Gestagenkomponente werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt (z.B. Levornogestrel, Desogestrel, Drospirenon), die sich in ihrer Wirkstärke voneinander unterscheiden. Daher sind sie in den einzelnen Präparaten teilweise in sehr unterschiedlicher Dosierung enthalten. Aber auch in den möglichen Nebenwirkungen unterscheiden sich die Gestagene, weshalb es sinnvoll ist, bei allfälligen Nebenwirkungen auf ein anderes Präparat zu wechseln.

Andere hormonelle Verhütungsmittel, die eine Kombination aus Östrogen und Gestagen enthalten, sind das Verhütungspflaster und der Vaginalring.

Pillenarten im Vergleich
  Kombinationspille ("klassische" Pille) Minipille
enthaltene Hormone Östrogen und Gestagen nur Gestagen
Pearl-Index 0,1 - 0,9 0,5
Einnahme täglich, mit Pillenpause täglich, durchgehend
Besonderheiten kann Menstruationsbeschwerden & Akne lindern kann während der Stillzeit eingenommen werden

Gestagen-Monopräparate (Minipille)

Diese Pillen enthalten ausschließlich ein Gestagen und werden auch als Minipille bezeichnet. Auch das Verhütungsstäbchen, die Dreimonatsspritze und die Hormonspirale enthalten ausschließlich ein Gestagen.

++ Mehr zum Thema: Minipille ++

Wie wirkt die Pille?

Die Wirkungsmechanismen der Antibabypille im Überblick:

  • Ovulationshemmung (hemmt den Eisprung)
  • Gebärmutterschleimhaut wird weniger stark aufgebaut
  • Schleimpfropf am Gebärmuttereingang wird zähflüssiger und undurchlässiger

Durch die Zufuhr von Östrogen und Gestagen werden die hormonellen Regelkreise zwischen Gehirn und Eierstöcken beeinflusst. Normalerweise reift pro Menstruationszyklus eine Eizelle im Eierstock heran, es kommt zum Eisprung und damit zur Befruchtungsfähigkeit. Durch die hormonelle Verhütung wird dies verhindert (Ovulationshemmung).

Gleichzeitig wird die Gebärmutterschleimhaut während des Zyklus weniger stark aufgebaut, weshalb die Regelblutung bei Pillen-Anwenderinnen üblicherweise schwächer und kürzer als die natürliche Regelblutung ist. Die Pille eignet sich daher auch besonders für Frauen, die unter Regelschmerzen leiden. Die gute Zykluskontrolle ist dabei vor allem auf die Wirkung des Östrogens zurückzuführen.

Das in der Pille enthaltene Gestagen verhindert zusätzlich die Befruchtung indem es den Schleimpfropf am Gebärmuttereingang zähflüssiger macht. Spermien werden dadurch in ihrer Funktion und Beweglichkeit beeinträchtigt und können nicht oder nur erschwert in Gebärmutter und Eileiter vordringen.

Wie sicher ist die Pille?

Die Pille ist eine wirksame Verhütungsmethode mit einem Praktischen Pearl-Index von etwa 8. Die Häufigsten Gründe für ein Versagen der Pille sind Anwendungsfehler, insbesondere Vergessen der Einnahme, Durchfall oder kein Rezept. Bei fehlerfreier Einnahme werden von 100 Frauen innerhalb eines Jahres nur etwa 0,3 Frauen schwanger (Theoretischer Pearl Index von 0,3).

Pearl-Index der Antibabypille
"klassische" Kombinationspille 0,1 - 0,9                                                 
Minipille 0,5
Kondom 2 - 12
Coitus Interruptus 27

Der Pearl Index ist die übliche Form zur Beurteilung der Wirksamkeit von Verhütungsmethoden. Er gibt an, wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang das jeweilige Verhütungsmittel anwenden, ungewollt schwanger werden.

Häufig wird nur der Theoretische Pearl Index angegeben, weil dieser niedriger ist und besser aussieht. Allerdings ist dieser wenig aussagekräftig, weil Sexualität im realen Leben stattfindet und dort passieren eben auch Anwendungsfehler.

Was kann die Sicherheit der Pille beeinträchtigen?

Trotz Anwendung der Pille können Schwangerschaften eintreten, insbesondere wenn Einnahmefehler gemacht oder zusätzlich bestimmte Medikamente eingenommen wurden.

Zum einen kann es passieren, dass die Frau auf die tägliche Einnahme einer Pille vergisst, z.B. wegen großem Stress oder sie hat kein Rezept besorgt und die letzte Packung ist aufgebraucht.  

Und bei der Einnahme von Medikamenten ist immer auf mögliche Wechselwirkungen zu achten. Insbesondere Antibiotika oder den Leberstoffwechsel beeinflussende Arzneimittel (z.B. Antiepileptika) können die Wirksamkeit der hormonellen Kontrazeptiva einschränken. In dieser Zeit sollten zusätzliche Verhütungsmaßnahmen ergriffen werden.

Auch Magen- oder Darmprobleme können die Wirksamkeit der Pille vermindern. Kommt es innerhalb von vier Stunden nach der Einnahme zu Erbrechen, ist es wahrscheinlich, dass die Hormone noch nicht vollständig aufgenommen wurden. Die Wirksamkeit kann dann nicht gewährleistet werden. Auch bei Durchfall-Erkrankungen, die oft mit einer Veränderung der Darmflora einhergehen, kann die Aufnahme der Hormone aus dem Darm reduziert und der Verhütungsschutz daher vermindert sein.

Bedenken Sie: Die Pille stellt zwar eine wirksame Verhütungsmethode dar, schützt aber nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Für wen eignet sich die Pille?

Die Pille eignet sich grundsätzlich für nahezu alle Frauen, die fruchtbar sind aber derzeit kein Kind bekommen möchten - für junge Frauen bis hin zu Frauen in den Wechseljahren. Allerdings gilt für alle Formen der hormonellen Verhütung, dass vor der Verschreibung eine sorgfältige körperliche und gynäkologische Untersuchung und Anamnese durchgeführt werden muss. Die Fachärztin bzw. der Facharzt kann dann beurteilen, ob im Einzelfall eine Pille geeignet ist und welches Präparat gegebenenfalls zu bevorzugen ist.

Durch den Einfluss auf den Zyklus eignen sich einige Pillenpräparate besonders für Frauen mit:

Auch Zystenbildungen in den Eierstöcken oder das Krankheitsbild der Endometriose lassen sich oft positiv beeinflussen.

Die in den Pillen enthaltenen Gestagene haben darüber hinaus einen regulatorischen Einfluss auf die männlichen Geschlechtshormone (Androgene). Störungen im Androgenhaushalt können zu fettiger bzw. unreiner Haut, Akne oder Haarausfall führen. Die Pille kann in diesen Fällen zu einer Verbesserung der Beschwerden führen und wird oft therapeutisch eingesetzt.

Für Frauen, die kein Östrogen vertragen, ist die Minipille die Pille der Wahl.

Kombinationspillen sollten während der Stillzeit nicht eingenommen werden, die Minipille ist auch für stillende Frauen geeignet.

Welche Nebenwirkungen hat die Pille?

Die Pille ist seit über 50 Jahren erforscht und wird von den meisten Frauen sehr gut vertragen. Allerdings kann sie, wie alle Arzneimittel auch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Dazu zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • Zwischenblutungen
  • Gewichtszunahme
  • psychische Veränderungen (Verstimmung)

Wie hoch ist das Thrombose-Risiko bei der Einnahme der Antibabypille?

Zu den am meisten gefürchteten Nebenwirkungen zählen Thrombosen oder Schlaganfälle. Das Risiko für diese Erkrankungen ist sehr gering, kann aber durch Einnahme der Pille ansteigen, insbesondere wenn gleichzeitig weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen vorliegen, wie etwa Rauchen, Übergewicht, Bettlägerigkeit, lange Flugzeugreisen, Atherosklerose oder Fettstoffwechselstörungen.

Generell nicht geeignet ist die Kombinationspille, der Ring oder das Pflaster daher für Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko, d.h. bei Störungen der Blutgerinnung, bei bereits stattgefundenen Thrombosen oder bei Diabetes. Auch bei bestimmten Tumorerkrankungen (z.B. Brustkrebs) darf die Pille nicht angewandt werden. Starke Raucherinnen haben aufgrund des Rauchens u.a. ein erhöhtes Thromboserisiko, welches durch die Pille weiter zunimmt.

Eine sorgfältige Abklärung des individuellen Risikoprofils vor der erstmaligen Verschreibung ist ebenso wichtig wie regelmäßige Nachkontrollen.

++ Mehr zum Thema: Nebenwirkungen der Pille ++

Wieviel kostet die Pille?

Die Kosten der Verhütung werden in Österreich nicht von den Krankenkassen übernommen, die einzelnen Präparate kosten etwa um die 10 bis 15 Euro pro Monat. Einige Präparate sind auch in Großpackungen erhältlich (z.B. für drei oder sechs Monate), diese sind im Verhältnis meist günstiger.

In den meisten anderen West-Europäischen Ländern ist die Kostenübernahme von Verhütung selbstverständlich, zumindest für Jugendliche und Frauen mit geringem Einkommen.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Christian Fiala
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Matthias Thalhammer, Dr. med. Christian Maté, Silke Brenner

Aktualisiert am:
Quellen

Tratmontana A.: Die Mädchensprechstunde: Kontratzeption Teil I – Die Pille; Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2015; 9 (1); (Ausgabe für Österreich), 24-27

http://www.verhuetung.info/hormonelle-verhutung/die-pille/ (Letzter Zugriff: März 2016)

http://www.gynmed.at/de/verhuetung/pille (Letzter Zugriff: März 2016)

Österreichischer Verhütungsreport 2015; www.verhuetungsreport.at

Gruber D.M.: Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva und deren Wirkungsspektrum; Verlag der Mediziner - Facharzt Gynäkologie Urologie; 2013 (1): 4-8
 
Fischl F.: Neue Fortbildungsreihe – Moderne Kontrazeption in jedem Lebensalter – 50 Jahre Pille und kein bisschen leise – Stellenwert der Pille in der heutigen Zeit;  Journal für Gynäkologische Endokrinologie; 2012; 6 (3) (Ausgabe für Österreich), 19-21

Gätje R., Eberle C., Scholz C. et al: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 2011; Kap.12.1 – 12.3; S.297-307

www.periodenfrei.info (Letzter Zugriff: März 2016)

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