Die Minipille

Gestagen-Pille Minipille
Die Minipille ist im Gegensatz zur herkömmlichen Antibabypille kein Kombipräparat, die Wirkung beruht ausschließlich auf einem Gestagen. (mraoraor / iStockphoto)

Die Minipille gehört zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Während es sich bei der "klassischen" Antibabypille um ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen handelt, enthält die Minipille ausschließlich Gestagen (Gelbkörperhormon).

Die Minipille enthält anders als die Antibabypille nur ein Hormon - ein Gestagen. Die neue Generation von Minipillen enthält Desogestrel, während "ältere" Minipillen Levonorgestrel enthalten.

Andere Verhütungsmittel, deren Wirkung ebenfalls auf Gestagen beruht, sind das Verhütungsstäbchen, die Drei-Monats-Spritze und die Hormonspirale, wobei die Dosierung des Gestagens bei der Hormonspirale deutlich geringer ist als bei den anderen genannten Methoden.

Wie wirkt die Minipille?

  • Der Schleim im Gebärmutterhals bleibt den ganzen Zyklus hindurch dickflüssig, weshalb Samenzellen den nur sehr schwer passieren können. Somit gelangen sie auch nicht in Gebärmutter bzw. Eileiter und können keine Eizelle befruchten.
  • Zudem behindern diese Präparate den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich eine Eizelle im unwahrscheinlichen Fall der Befruchtung dort nur schlecht einnisten kann.
  • Bei Minipillen mit Desogestrel wird zudem der Eisprung sehr wirksam unterdrückt.

Aufgrund dieser dreifachen Wirkung verfügt die östrogenfreie Minipille über eine ähnlich hohe Sicherheit wie Antibabypillen mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination.

++ Mehr zum Thema: Eisprung & Befruchtung ++

Was ist der Unterschied zwischen eine Minipille und Kombinationspille?

  Kombinationspille
"klassische" Antibabypille
"Neue" Minipille
Desogestrel
Minipille
Levonorgestrel
enthaltene Hormone Östrogen+Gestagen Gestagen   Gestagen  
hemmt Eisprung Ja Ja Nein
verdickt Schleim im Gebärmutterhals Ja Ja Ja
Einnahmefenster 12 Stunden 12 Stunden 3 Stunden
Einnahmepause Ja Nein Nein

Was kostet die Minipille?

Je nach Präparat und Packungsgröße kostet die Verhütung in der Ein-Monatspackung rund 7-13 €, in der Drei-Monatspackung rund 21-33 €.

Sind Minipillen rezeptpflichtig?

Minipillen sind rezeptpflichtige Medikamente und können nur von einem Arzt verschrieben werden. Online-Apotheken, die Minipillen rezeptfrei verkaufen sind unseriös und verfahren illegal.

Wie wird die Minipille angewendet?

Anders als Kombinationspräparate werden Minipillen ohne Unterbrechung eingenommen. Das heißt, die bei der Pille häufig gemachte Einnahmepause von einigen Tagen im Monat gibt es bei der Minipille nicht. Die Packungen enthalten Streifen zu jeweils 28 Tabletten. Ist ein Streifen aufgebraucht, wird am nächsten Tag mit einem neuen begonnen.

++ Mehr zum Thema: Wie wird die Pille richtig eingenommen? ++

Für welche Frauen ist die Minipille geeignet?

Prinzipiell eignet sich die Minipille für Frauen, die hormonell verhüten wollen, die allerdings keine Östrogene vertragen oder diese aufgrund von Gegenanzeigen (Kontraindikationen) nicht anwenden sollten. Zur letzteren Gruppe gehören etwa Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko oder starke Raucherinnen.

Die Minipille ist eine Alternative bei Frauen, die nach der Einnahme der "klassischen" Pille verstärkte Wassereinlagerungen oder Kopfschmerzen bekommen. Das Alter der Frau ist mit keiner Anwendungseinschränkung der Minipille verbunden.

Verhütung während der Stillzeit

Weiters eignet sie sich wegen der fehlenden Östrogene für Mütter in der Stillzeit, die hormonell verhüten möchten. Die in die Muttermilch übergehende Gestagenmenge ist so gering, dass sie dem Kind nach heutigem Erkenntnisstand nicht schadet. 

Welche Vorteile hat die Minipille?

Die Minipille bietet - in Abhängigkeit von der regelmässigen Einnahme - einen relativ guten bis guten Schutz, der auf Wunsch der Anwenderin jederzeit wieder rückgängig gemacht werden kann. Im Lauf der Anwendung kommt es im Vergleich zur natürlichen Periode meist zu einer Abnahme der Stärke der Regelblutungen und einer Minderung von Regelschmerzen.

Da diese Pillen keine Östrogene enthalten entfallen auch die damit verbundenen Nebenwirkungen.

Vorteile Nachteile
sicher & zuverlässig tägliche Einnahme
östrogenfrei schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten
Abnahme der Regelblutung Zwischenblutungen möglich

Welche Nachteile hat die Minipille?

Im Gegensatz zu anderen Methoden der hormonellen Verhütung (Hormonspirale, Dreimonatsspritze, Depotpflaster, Hormonstäbchen) muss bei der Minipille täglich an die Verhütung gedacht werden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Anwendungsfehlern bei diesen Präparaten an.

Wie alle anderen hormonellen Verhütungsmittel schützt die Minipille nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen!

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die mit Abstand häufigste Nebenwirkung sind Veränderungen im Muster der Regelblutung. Gerade zu Beginn der Einnahme führt die Minipille relativ häufig zu Zwischenblutungen, die zwar medizinisch unbedenklich sind, von vielen Frauen aber als sehr lästig empfunden werden.

Ebenso kommt es vor, dass die Monatsblutung sich verzögert oder gänzlich ausbleibt - was nicht selten die Befürchtung weckt, doch schwanger geworden zu sein. Im Laufe der Zeit pendelt sich das Blutungsmuster dann aber oft ein - in Richtung weniger häufig und weniger stark. Weitere Nebenwirkungen, die sich meist nach einigen Monaten legen, sind:

  • Akne
  • Übelkeit
  • Gewichtszunahme
  • Spannungsgefühl in der Brust

Wie sicher ist die Minipille?

Die Minipille gehört zu den relativ sicheren Verhütungsmitteln. Voraussetzung für die Zuverlässigkeit ist allerdings die tägliche Einnahme.

Bei korrekter Anwendung liegt der Pearl-Index der Minipillen bei 0,5. Dieser Wert besagt, zu wie vielen ungewollten Schwangerschaften es kommt, wenn 100 Frauen eine Verhütungsmethode ein Jahr lang anwenden. Da Menschen aber Fehler machen und die Einnahme auch vergessen wird, kann der Pearl-Index auch deutlich höher bzw. die Minipille weniger zuverlässiger sein.

Verschiedene Medikamente - unter anderem einige Antiepileptika sowie Antibiotika - , ebenso wie Durchfall können die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigen, weil sie die Aufnahme der Hormone über die Darmschleimhaut behindern oder deren Abbau in der Leber beschleunigen.

Wenn Frauen solche Medikamente einnehmen, sollten sie in dieser Zeit zusätzlich nicht-hormonelle Verhütungsmittel benutzen. Entsprechende Hinweise finden sich in der Packungsbeilage. Vorsicht ist auch bei Durchfall und Erbrechen geboten.

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Autoren:

Medizinisches Review:
DDr. Christian Fiala
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr.med. Kerstin Lehermayr (2014)

Aktualisiert am:
Quellen

Weyerstahl T., Stauber M.: Gynäkologie und Geburtshilfe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 4. Auflage 2013

Informationsbroschüre der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten und der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF): Entscheiden Sie sich richtig - bei Liebe, Sexualität und Verhütung; 3.überarbeitete Auflage 2012; abrufbar unter www.verhuetung.info

Fischl F.: Neue Fortbildungsreihe – Moderne Kontrazeption in jedem Lebensalter – 50 Jahre Pille und kein bisschen leise – Stellenwert der Pille in der heutigen Zeit;  Journal für Gynäkologische Endokrinologie; 2012; 6 (3) (Ausgabe für Österreich), 19-21

AWMF-Online. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Empfängnisverhütung. 
Manfred Kaufmann, Serban. D. Costa und Anton Scharl: Die Gynäkologie. Springer Verlag (2. vollständig überarbeitete Auflage 2005)
Leitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

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