Müdigkeit in der Schwangerschaft

Von , Biologin
Dr. Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

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Viele Schwangere leiden unter Müdigkeit. Schwangerschaft bringt körperliche Veränderungen mit sich, die dem Organismus viel abverlangen. Gerade in den ersten Monaten fühlen sich viele werdende Mütter matt und erschöpft. Im zweiten Trimester lässt die Müdigkeit vielfach nach, um dann gegen Ende der Schwangerschaft oftmals wiederzukehren. Lesen Sie hier mehr über die Ursachen der Müdigkeit in der Schwangerschaft und wie Sie damit umgehen können.

Müdigkeit in der Schwangerschaft

Gründe für die Müdigkeit

Schwangerschaft und Geburt verlangen dem Körper einiges ab. Insbesondere die hormonelle Umstellung verursacht oft zahlreiche Beschwerden. Hierzu zählt auch die Müdigkeit. Einige Frauen bemerken oft schon vor dem Ausbleiben der Monatsblutung eine ungewohnte Erschöpfung und Müdigkeit – Schwangerschaftstest und Frauenarzt bestätigen dann meist die Vermutung. Sobald sich die Eizelle in der Gebärmutter einnistet, verändern sich die Hormonspiegel im Körper der Frau. Im Wesentlichen ist das Hormon Progesteron, das vor allem in den ersten Monaten stark ansteigt, verantwortlich für die Müdigkeit.

Schwangerschaft bringt ausserdem ein Absinken von Blutdruck und Blutzucker mit sich, und der Stoffwechsel verlangsamt sich. Aber auch andere körperliche Veränderungen machen müde. Die Plazenta wächst, und das Knochenmark muss zusätzliche Blutzellen produzieren, um das Kind und den Mutterkuchen zu versorgen. Folglich ist auch das Herz stärker gefordert, da es jetzt eine grössere Menge Blut durch den Körper pumpen muss.

Manchmal können auch eine nicht erkannte Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder ein Eisenmangel (Sideropenie) in der Schwangerschaft Müdigkeit hervorrufen. Beides kann Ihr Arzt durch eine Blutabnahme feststellen.

Möglicherweise sind aber auch eine falsche Ernährungs- und Lebensweise Schuld an der Müdigkeit. Zu wenig Bewegung und damit Sauerstoff, grosse Mahlzeiten, fettige oder süsse Speisen sowie ein Mangel an Flüssigkeit machen schlapp und begünstigen die Müdigkeit.

Schwangerschaft wird in den letzten Wochen oft noch einmal von verstärkten Beschwerden begleitet. Fühlen sich die meisten Schwangeren im zweiten Trimester fit, erreicht die körperliche Belastung im letzten Drittel ihr Maximum. Nicht selten kommt es dann erneut zu Erschöpfung und Müdigkeit.

Schwangerschaft: Was tun gegen die Müdigkeit?

Schwangerschaft ist anstrengend für den Körper. Er läuft in dieser Zeit auf Hochtouren. Achten Sie daher sorgfältig auf die Signale Ihres Körpers, wenn er nach Ruhe und Entspannung, aber mitunter vielleicht auch nach Bewegung verlangt. Probieren Sie aus, was Ihnen gut tut. Jede Frau reagiert in der Schwangerschaft anders. Sollten die folgenden Tipps Ihnen nicht helfen besprechen Sie das mit ihrem Gynäkologen.

Folgende Tipps helfen oft gegen die Müdigkeit:

  • Schwangerschaft und Sport sind kein Widerspruch! Bei unkomplizierter Schwangerschaft bringen leichte Sportarten wie Yoga oder Schwimmen den Kreislauf in Schwung.
  • Sauerstoff gegen die Müdigkeit: Schwangerschaftsbeschwerden können sich verringern, wenn Sie sich regelmässig an der frischen Luft bewegen.
  • Gönnen Sie sich Ruhe, Entspannung oder ein kurzes Schläfchen, wenn Ihr Körper danach verlangt. Aber Vorsicht: Zu viel Schlaf macht den Kreislauf noch träger!
  • Bei niedrigem Blutdruck regen milde Wechselduschen die Durchblutung an. Auch Bäder mit Rosmarin etwa wirken aktivierend (sie dürfen jedoch nicht zu heiss sein!) und helfen gegen die Müdigkeit. Da sie den Körper jedoch beansrpuchen können, besprechen Sie vor der Anwendung mit ihrem Arzt, ob das für Sie geeignete Massnahmen sind.
  • Schwangerschaft wird oft von Eisenmangel begleitet, der müde machen kann. Eine eisenreiche Ernährung - plus Vitamin C für eine verbesserte Eisenaufnahme - hilft dagegen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit über den Tag verteilten kleinen, gesunden Mahlzeiten anstelle von fettigen, grossen Portionen. Essen Sie Süssigkeiten nur in Massen!
  • Ausreichend trinken: Viel Tee, Wasser und Saftschorlen wirken vorbeugend bei Müdigkeit.

Schwangerschaft: Was nicht ratsam ist bei Müdigkeit

Schwangerschaft und Stillzeit sind Lebensphasen, in denen Frauen auf Medikamente und Genussmittel möglichst verzichten sollten. Ist die Müdigkeit auf einen Eisenmangel zurückzuführen, dürfen Sie Eisenpräparate nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen. Trinken Sie auch nicht zu viel Koffein (Kaffee, Schwarztee, Cola) zur Bekämpfung der Müdigkeit. Schwangerschaft ist eine sensible Phase, was den Konsum des Muntermachers betrifft: Koffein beeinflusst die Durchblutung der Plazenta und das Wachstum des Embryos und sollte daher, wenn überhaupt, nur in Massen aufgenommen werden.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Dr. Nicole Wendler
Dr.  Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Quellen:
  • Bundesverband der Frauenärzte e.V.: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 11.02.2022)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abrufdatum: 11.02.2022)
  • Chen LW et al.: Maternal caffeine intake during pregnancy is associated with risk of low birth weight: a systematic review and dose-response meta-analysis. BMC Med 2014;12:174
  • Weyerstahl, T. & Stauber, M.: Duale Reihe – Gynäkologie und Geburtshilfe, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2013
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