Akupunktur in der Schwangerschaft

Von , Biologin
Dr. Daniela Oesterle

Dr. rer. nat. Daniela Oesterle ist Molekularbiologin, Humangenetikerin sowie ausgebildete Medizinredakteurin. Als freie Journalistin schreibt sie Texte zu Gesundheitsthemen für Experten und Laien und redigiert wissenschaftliche Fachbeiträge von Ärzten in deutscher und englischer Sprache. Für ein renommiertes Verlagshaus verantwortet sie die Publikation zertifizierter Fortbildungen für Mediziner.

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Nicht nur beliebt, sondern auch anerkannt ist die Therapie von typischen Schwangerschaftsbeschwerden mit Akupunktur - Schwangerschaft wird meist begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Viele werdende Mütter leiden auch unter Rückenschmerzen. Akupunktur in der Schwangerschaft kann diese Beschwerden lindern. Auch zur Geburtsvorbereitung, während oder nach der Geburt sowie bei Kinderwunsch scheint diese alternative Heilmethode gute Erfolge zu erzielen. Lesen Sie hier mehr über die Wirkung von Akupunktur.

Schwangerschaft: Akupunktur

Schwangerschaft: Behandlung von Beschwerden

Schwangerschaftstypische Beschwerden und Erkrankungen erfordern manchmal eine ärztliche Behandlung. Medikamente wären vielfach eine wirksame Therapie, sollten aber in der Schwangerschaft aber nur eingenommen werden, wenn es unbedingt nötig ist und der Nutzen die potenziellen Risiken übersteigt.

In vielen Fällen kann man auch versuchen, Schwangerschaftsbeschwerden statt mit Medikamenten mit alternativen Therapieverfahren zu lindern. Das gilt auch für eine der wichtigsten alternativen Therapien - die Akupunktur. Schwangerschaft zählt wie etwa Stillzeit zu den sensiblen Lebensphasen, in denen sich solche gut verträglichen alternativen Methoden zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Alternative Methoden haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, trotz Behandlung nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Akupunktur in der Schwangerschaft  

Die Akupunktur ist eine jahrtausendealte traditionelle chinesische Behandlungsmethode. Der asiatischen Lehre zufolge durchfliesst die Lebensenergie Qi den Menschen über verschiedene Leitbahnen (Meridiane). Wenn dieser Fluss gestört ist, können demnach Erkrankungen und Beschwerden entstehen. Feine Nadeln, die an bestimmten Punkten entlang der Meridiane in die Haut gestochen werden, sollen diese Blockaden und Störungen auflösen. Welche Akupunkturpunkte im Einzelfall genadelt werden müssen, ermittelt der behandelnde Therapeut über die chinesische Diagnostik (Gespräch, körperliche Untersuchung, Zungen- und Pulsdiagnose).

Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, schwangerschaftsbedingter Schmerz oder Rückenschmerzen werden häufig mit den feinen Nadeln behandelt. Auch zur Geburtsvorbereitung oder während der Geburt, bei unerfülltem Kinderwunsch sowie künstlicher Befruchtung nutzen Therapeuten die Akupunktur.

Zur Wirksamkeit von Akupunktur besteht in vielen Fällen derzeit noch eine niedrige wissenschaftliche Beweislage. Wenn Ihre Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, trotz Behandlung nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Schwangerschaft: Übelkeit und Erbrechen

Viele Schwangere leiden an Übelkeit, trockenem Würgen oder Erbrechen. Meist treten die Beschwerden zwischen der 6. und 12. Schwangerschaftswoche auf. Immerhin 20 Prozent der Schwangeren leiden auch über die 20. Schwangerschaftswoche hinaus unter diesen Beschwerden.

Der erste Tipp der Ärzte gegen die Beschwerden lautet: Nahrungsmittel, Gerüche, Aktivitäten und Situationen vermeiden, welche die Übelkeit erfahrungsgemäss hervorrufen. Zusätzlich gibt es Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, die während der Schwangerschaft gegeben werden können (wie Anticholinergika, Antihistaminika, Dopaminantagonisten). Allerdings sollte vorher das Restrisiko fruchtschädigender Nebenwirkungen ausgeschlossen werden, gerade in der frühen Phase der Schwangerschaft. Noch sicherer ist es, ganz auf Medikamente in der Schwangerschaft zu verzichten. Stattdessen können alternative Behandlungsmethoden wie die Akupunktur ausprobiert werden:

Die Wirksamkeit der Akupunktur in der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen oder bei Chemotherapie ist unumstritten. Eine positive Wirkung von Akupunktur in der Schwangerschaft bei Übelkeit und Erbrechen wird dagegen bisher nur vermutet - wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit sind rar. Einige Untersuchungen sprechen gegen einen Nutzen der Akupunktur bei Übelkeit und Erbrechen. Dem gegenüber stehen viele Schwangere, die hier über positive Erfahrungen berichten. Ein abschliessendes Urteil steht daher noch aus. Nichtsdestotrotz sollten Sie mit einem erfahrenen Therapeuten sprechen, wenn Sie mit alternativen Methoden gegen Übelkeit und Erbrechen vorgehen möchten – vielleicht hilft Ihnen die Akupunktur.

Schwangerschaft: Rücken- und Beckenschmerzen

Gut erforscht ist die Wirkung von Akupunktur gegen Rückenschmerzen und Schmerzen im Bereich des Beckenbodens. So verringern sich die Schmerzen durch das Setzen von Akupunkturnadeln teilweise um bis zu 60 Prozent. Die alternative Methode wird daher von Ärzten häufig bei Rücken- oder Beckenschmerzen empfohlen.

Vor und nach der Geburt

Auch zur Geburtsvorbereitung werden Akupunkturnadeln zunehmend angewendet. Denn das Setzen der Nadeln soll nicht nur helfen zu entspannen und Sorgen und Ängste vor der Entbindung zu verringern: Zusätzlich soll sich die Geburt durchschnittlich von zehn auf acht Stunden verkürzen lassen, wenn in den letzten vier Schwangerschaftswochen mit Akupunktur behandelt wurde. Das "Nadeln" verringert ausserdem die Schmerzen während der Geburt. Im Falle eines Dammschnittes und folgender Dammnaht hilft die Akupunktur ebenfalls bei der Schmerzlinderung.

Nach der Geburt kann eine Milchflussschwäche zu Problemen beim Stillen führen. Die Akupunktur kann innerhalb von ein bis zwei Sitzungen den Milchfluss auslösen.

Auch hier ist die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie selbst die Therapie bestmöglich unterstützen können.

Kinderwunschbehandlung

Mittlerweile sehr beliebt ist die Akupunktur bei unerfülltem Kinderwunsch. Die Methode kann – trotz fehlender aussagekräftiger Studien – in der Kinderwunschbehandlung oder bei künstlicher Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) unterstützend angewendet werden. Denn die behandelten Frauen reagieren vielfach positiv auf Akupunktur: Häufig werden ein verbessertes Allgemeinempfinden, reduzierter Stress und verbesserte Zyklusparameter beobachtet. Das kann die Chancen auf einen erfolgreichen Embryonentransfer verbessern.

Akupunktur in der Schwangerschaft: Nebenwirkungen gering

Die Nebenwirkungen von Akupunktur in der Schwangerschaft sind überwiegend harmlos. Leichte Schmerzen und minimale Blutungen an den Einstichstellen sind die häufigsten unerwünschten Effekte. Gelegentlich treten Beschwerden wie kleinere Blutergüsse, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel auf. Schwerere Probleme wie Bluthochdruck oder Präeklampsie wurden zwar beobachtet, allerdings vermutet man hier keinen Zusammenhang mit der Akupunktur.

Schwangerschaft: Nadeln als Unterstützung

Häufig fehlt es an wissenschaftlich aussagekräftigen Studien über die Wirksamkeit von Akupunktur in der Schwangerschaft. Mitunter kann es jedoch sinnvoll sein, Akupunktur in der Schwangerschaft unterstützdend einzusetzen!

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Dr. Daniela Oesterle
Dr.  Daniela Oesterle

Dr. rer. nat. Daniela Oesterle ist Molekularbiologin, Humangenetikerin sowie ausgebildete Medizinredakteurin. Als freie Journalistin schreibt sie Texte zu Gesundheitsthemen für Experten und Laien und redigiert wissenschaftliche Fachbeiträge von Ärzten in deutscher und englischer Sprache. Für ein renommiertes Verlagshaus verantwortet sie die Publikation zertifizierter Fortbildungen für Mediziner.

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