Palliativpflege

Von , Biologin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Dr. Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Bis zuletzt ein Leben in Würde - das ist der Wunsch eines jeden Menschen. Unheilbar Kranken diesen Wunsch zu ermöglichen, steht im Zentrum der Palliativpflege. Für eine grösstmögliche Lebensqualität, Autonomie und Schmerzfreiheit ist die professionelle körperliche Pflege der Patienten mit psychosozialer und spiritueller Begleitung eine wichtige Voraussetzung.

Palliative Pflege

Die Palliativmedizin versteht das Leben in seiner Gesamtheit und das Sterben als einen Teil des Lebens. Eine Trennung zwischen Sterbebegleitung ("Hospice Care") und Palliativpflege ("Palliative Care Nursing") ist daher schwer. Grundsätzlich kümmert sich die Hospizpflege um die letzten Wochen bis Tage im Leben eines Menschen und ein würdevolles Sterben. Die Palliativpflege hat das Ziel, dem kranken Menschen lange ein Leben in seiner gewohnten Umgebung zu ermöglichen. Dabei kann es sich um mehrere Monate oder sogar um Jahre handeln.

Aufgaben der Palliativpflege

Die Palliativpflege ist ein ganzheitliches Konzept. Sie hat den kranken Menschen, aber auch dessen Umfeld und Angehörige im Blick. Folgende Bereiche werden berücksichtigt:

  • körperliches Befinden: gesundheitliche Beschwerden (wie Schmerzen, Atemnot, Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Wunden), Ernährung, Mundpflege, richtige Lagerung im Bett
  • psychosoziale Aspekte: z.B. Angst, Wut, Trauer, Depression beim Patienten, Gestaltung seines Alltags, Kontakt zu Angehörigen/Bezugspersonen und deren Integration in die palliative Pflege
  • soziale Einbindung: soziales Netz, Regelung von unerledigten Dingen, Konfliktbewältigung
  • seelische und spirituelle ("Spiritual Care") Fragen: Sinnhaftigkeit des Lebens, Lebensbilanz, Spiritualität, Raum für Abschieds- und Verlustsituationen, seelsorgerischer Beistand

Palliativpflege ist umfangreich, wie das Beispiel des häufigen Symptoms Atemnot zeigt: Ausreichende Frischluft, lockere Kleidung, unterstützende Lagerung, Atemübungen, Massagen, psychische Betreuung zur Beherrschung von Angstgefühlen, Vermeidung von Stressfaktoren, ein Notfallplan für den Fall von Atemnotattacken, Sauerstoffgabe, Schmerzmittel und andere medikamentöse Therapien sind wichtige Bestandteile der Betreuung betroffener Patienten.

Struktur der Palliativversorgung

In der Schweiz unterscheidet man zwischen Palliative Care in der Grundversorgung und spezialisierter Palliative Care:

Palliative Care in der Grundversorgung

Die meisten Palliativpatienten befinden sich in einer stabilen Krankheitsphase und benötigen keine komplexe Behandlung und Betreuung. Um sie kümmert sich die Palliative Care in der Grundversorgung - im ambulanten Bereich, im Langzeitbereich oder im stationären Akutbereich:

>> ambulant: Viele Patienten können zuhause betreut werden - von niedergelassenen (Fach-)Ärzten, zusamen mit spitalexterner Pflege und Ambulatorien.

>> Langzeitbereich: Im Langzeitbereich kümmern sich zum Beispiel Beispiel Alters- und Pflegeheime um die Palliativpflege ihrer Bewohner.

>> stationär: Spitäler sorgen für die Palliative Care im stationären Akutbereich (inkl. Rehabilitation und Psychiatrie).

Spezialisierte Palliative Care

Die spezialisierte Palliative Care ist für Patienten vorgesehen, bei denen die Grundversorgung nicht ausreicht oder nicht möglich ist - zum Beispiel weil Patienten sich in einer instabilen Krankheitsphase befinden oder auf eine komplexe Behandlung oder Stabilisierung bestehender Symptome angewiesen sind. Auch diese Ebene der Palliativpflege kann ambulant, im Langzeitbereich und stationär angeboten werden:

>> ambulant: Stabile Palliativpatienten, die eine komplexe Behandlung bzw. Stabilisierung ihrer Symptome benötigen, können oftmals zuhause betreut werden. Dabei können Palliativ-Ambulatorien sowie Tages- und Nachtstrukturen (Tages-/Nachthospize) Betroffenen und ihren Anghörigen eine zeitweise Betreuung und Entlastung bieten.

>> Langzeitbereich: Sozialmedizinischen Institutionen mit Palliative-Care-Auftrag stehen zum einen für Patienten bereit, die sich mehrheitlich in einem stabilen Zustand befinden, bei denen aber eine komplexe Behandlung bzw. Stabilisierung ihrer Symptome notwendig ist. Zum anderen stehen solche Einrichtungen Patienten offen, bei denen das Betreuungsnetz zuhasue keine ausreichende Versorgung gewährleisten kann.

>> stationär: Instabile Patienten, die einer komplexen Behandlung bzw. einer Stabilisierung bestehender Symptome bedürfen, können in Spitalstrukturen mit Palliative-Care-Auftrag betreut werden.

Es gibt auch mobile Angebote der spezialisierten Palliative Care (mobile Palliativdienste, Palliativ-Konsiliardienste): Sie bieten Palliativpatienten in der Grundversorgung bei Bedarf zusätzliche Unterstützung durch spezialisierte Palliative-Care-Fachkräfte. Wenn etwa ein Patient phasenweise eine komplexe Behandlung benötigt, muss er dann nicht zwangsläufig verlegt werden, sondern kann an seinem Aufenthaltsort (Zuhause, Alters-/Pflegeheim, stationärer Akutbereich) die nötige spezialisierte Palliative Care erhalten.

Informationen für ehrenamtliche und private Pflegende

Trotz der vorhandenen Versorgungsangebote für schwerkranke und sterbende Menschen ist die Hospiz- und Palliativarbeit dringend auf die Hilfe von Angehörigen und ehrenamtlichen Helfer angewiesen - eine sehr wertvolle Aufgabe, die oftmals emotionale und organisatorische Herausforderungen birgt. Nähere Informationen und Tipps finden Angehörige und freiwillige Helfer beispielsweise bei der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung (Broschüre "Die Begleitung Sterbender").

Unterstützung für pflegende Angehörige

Wer sich entschieden hat, die Palliativpflege einer nahestehenden Person zu übernehmen, sollte sich nicht scheuen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die körperliche und psychische Belastung ist für pflegende Angehörige sehr gross. Es gibt verschiedene Fachstellen (wie Caritas, Rotes Kreuz), die Betroffenen psychosoziale Beratung, Unterstützung und Informationen anbieten.

Palliativpflege zu Hause – wo liegen die Grenzen?

Einen Aufenthalt im Krankenhaus möchte jeder nach Möglichkeit vermeiden. Gerade Schwerkranke haben oft schon mehrere stationäre Aufenthalte hinter sich und sehnen sich nach der Ruhe und Geborgenheit ihrer häuslichen Umgebung. Mit den derzeitigen palliativmedizinischen Strukturen ist das oft möglich, allerdings gibt es dafür auch Grenzen. Eine akute Verschlechterung der Krankheit, Infektionen oder kaum beherrschbare Schmerzen können (im besten Fall vorübergehend) einen stationären Aufenthalt nötig machen.

Wann ist ärztlicher Rat nötig?

In der Palliativpflege ist ein enger Kontakt zum Hausarzt oder behandelnden Palliativmediziner wichtig. Regelmässige Untersuchungen helfen, drohende Notfallsituationen und Komplikationen vorauszusehen und früh gegenzusteuern. Auch die Schmerzmedikation, gegebenenfalls nötige Operationen oder eine Neueinstufung des Pflegebedarfs sind ärztliche Aufgaben. In Notfallsituationen und im Todesfall muss der Arzt kontaktiert werden.

Auch bei guter Organisation kann die häusliche Palliativpflege an ihre Grenzen stossen. Steigt die Pflegebedürftigkeit, nimmt auch die Belastung der Pflegenden stark zu. Nicht selten überschreitet ein Angehöriger dann seine eigenen Grenzen und wird selber krank. Psychische Beschwerden, Schlafstörungen, Gereiztheit, Depression und Angst, aber auch andere körperliche Symptome oder Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch können Alarmzeichen einer drohenden Überforderung sein. Gegebenenfalls müssen dann andere Möglichkeiten der Palliativpflege / Palliative Care in Betracht gezogen werden.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. Nicole Wendler
Dr.  Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG) et al.: Broschüre "Versorgungsstrukturen für spezialisierte Palliative Care in der Schweiz" (2014) unter: www.bag.admin.ch
  • Bundesministerium für Gesundheit: "Fragen und Antworten zum Hospiz- und Palliativgesetz" (Stand: 08.04.2020) unter: www.bundesgesundheitsministerium.de
  • Dachverband Hospiz Österreich: "Abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung" unter www.hospiz.at (Abruf: 29.10.2021)
  • Dachverband Hospiz Österreich - Hospiz- und Palliativbetreuung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Österreich: "Abgestuftes Versorgungskonzept" unter www.kinder-hospiz.at (Abruf: 29.10.2021)
  • Dachverband Hospiz Österreich: "Sterbende begleiten" unter www.hospiz.at (Abruf: 29.10.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: "Hospiz- und Palliativversorgung im Überblick: Wer bietet was wo?" unter: www.dgpalliativmedizin.de (Abruf: 29.10.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)" unter: www.dgpalliativmedizin.de (Abruf: 29.10.2021)
  • Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V.: "Palliative Care" unter: www.dhpv.de (Abruf 29.10.2021)
  • Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V.: "Zahlen, Daten und Fakten zur Hospiz- und Palliativarbeit" unter: www.dhpv.de (Abruf 29.10.2021)
  • Erweiterte S3-Leitlinie "Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung" der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (September 2020)
  • palliative.ch - Schweizerische Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung: Broschüre "Die Begleitung Sterbender" (2014) unter: www.palliative.ch
  • Wüller, J. et al.: Palliativpflege, Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 1. Auflage 2014
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