Darmkrebs

Zähmt Aspirin Darmtumoren?

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Acetylsalicylsäure (ASS) wird in der Medizin sehr vielfältig eingesetzt: zur Schmerzlinderung ebenso wie als Entzündungshemmer und Blutverdünner.

Die langfristige Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin, so der bekannteste Handelsname des Wirkstoffs, scheint aber auch das Risiko für Darmkrebs zu reduzieren – und darüber hinaus die Prognose von bereits entstehenden Tumoren zu verbessern. Darauf weisen verschiedene Studien hin. Doch was genau passiert dabei im Körper?

ASS aktiviert die Immunantwort

Das hat ein Team der Universität Padua nun herausgefunden: Offenbar spielt dabei nicht nur die bekannte entzündungshemmende Wirkung des Medikaments eine Rolle. ASS scheint auch die Immunantwort gegenüber entarteten Zellen im Darm zu aktivieren.

Das Team untersuchte dazu Gewebeproben von 238 Erkrankten, die sich zwischen 2015 und 2019 einer Darmkrebsoperation unterzogen hatten.

12 Prozent von ihnen nahmen regelmässig ASS in niedriger Dosierung ein. Da der Wirkstoff blutverdünnend wirkt, kommt eine solche Langzeitanwendung für Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen infrage.

Weniger befallene Lymphknoten

Das Ergebnis: Im Vergleich zu Betroffenen, die kein ASS nahmen, hatte der Krebs bei ihnen weniger häufig die Lymphknoten befallen. Ausserdem fanden die Forschenden in den Proben von Aspirin-Anwendern mehr erwünschte Immunzellen im Tumorgewebe.

Genauere Untersuchungen der Tumorproben ergaben, dass unter ASS bestimmte Immunzellen das Protein CD80 verstärkt produzierten, das die Immunantwort beeinflusst. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass die regelmässige Einnahme von Aspirin eine aktive Rolle bei der Verbesserung der Immunüberwachung gegen Darmkrebs spielen könnte“, erklärt Studienleiter Marco Scarpa.

Genügend ASS im Dickdarm anreichern

Allerdings tritt ASS auf seinem Weg durch den Darm nach und nach ins Blut über. Bis der Wirkstoff im Enddarm ankommt, ist seine Konzentration daher sehr viel niedriger als noch zum Beginn der Darmpassage. „Wenn wir uns also seine Wirkung gegen Darmkrebs zunutze machen wollen, sollten wir uns überlegen, wie wir sicherstellen können, dass Aspirin den Dickdarm in ausreichender Dosis erreicht, um wirksam zu sein“, so Scarpa.

Risiko von Magenblutungen unter ASS

Allerdings sollte ASS langfristig nie ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden. Der Wirkstoff funktioniert nicht nur entzündungshemmend und schmerzstillend, er wirkt auch als Blutverdünner. Bei regelmässiger Einnahme steigt daher das Risiko insbesondere für Magenblutungen, die lebensbedrohlich verlaufen können. Es gibt zudem Hinweise, dass auch das Risiko von Hirnblutungen unter ASS-Einnahme steigt.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • De Simoni O. et al.: IMMUNOREACT 7: Regular aspirin use is associated with immune surveillance activation in colorectal cancer, Cancer, 22.04.2024, https://doi.org/10.1002/cncr.35297
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