Verschiedene Petit fours

Wie Zucker Entzündungen fördert

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Für Menschen, die ein höheres Risiko für Autoimmunerkrankungen tragen, könnte sich Zuckersparen lohnen: Wer über einen langen Zeitraum übermässig Zucker und andere Kohlenhydrate zu sich nimmt, entwickelt offenbar eher eine Autoimmunkrankheit.

Dann greift das Immunsystem das körpereigene Gewebe an. Mögliche Folgen sind rheumatisch Erkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Typ-1-Diabetes oder auch eine chronische Schilddrüsenerkrankung.

Was dabei genau im Körper passiert, ist komplex und noch nicht vollständig entschlüsselt. Forschende der Universität Würzburg haben nun einen möglichen Wirkmechanismus gefunden.

Immunzellen auf Diät

„Immunzellen benötigen grosse Mengen an Zucker in Form von Glukose, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Mithilfe spezialisierter Transporter in ihrer Zellmembran können sie diesen aus der Umgebung aufnehmen“, erklärt Studienleiter Martin Väth.

Gemeinsam mit seinem Team konnte Väth jetzt zeigen, dass der dafür benötigte Glukosetransporter GLUT3 in bestimmten Immunzellen nicht nur Zucker in die Zellen schleust, sondern auch Entzündungsprozesse reguliert. Im Fokus der aktuellen Forschungsarbeit standen Helferzellen vom Typ 17, die noch nicht lange bekannt sind.

Aktivierte Entzündungsgene

„Diese Th17-Zellen tragen jede Menge GLUT3-Proteine auf ihrer Zelloberfläche“, erklärt Väth. Aufgenommene Glukose wandeln sie dann in den Energiekraftwerken der Zellen, den sogenannten Mitochondrien, zu Zitronensäure um. Diese wird anschliessend im Zellplasma zu dem Acetyl-Koenzym A weiterverarbeitet. Und das wiederum dient als Ausgangsstoff für die Synthese von Fetten, spielt aber den aktuellen Erkenntnissen zufolge noch eine weiter Rolle: Es beeinflusst direkt die Aktivität entzündungsfördernder Gene im Zellkern.

Für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen könnte diese Erkenntnis neue Möglichkeiten eröffnen: Blockiert man den Rezeptor GLUT3, würde auch die Produktion von Acetyl-KoA reduziert. Diese „metabolische Umprogrammierung“ von T-Zellen sei ein neuer und spezifischer Angriffspunkt für die Therapie von Autoimmunerkrankungen, ohne dabei das Immunsystem komplett „ausschalten“ zu müssen, so die Forscher.

Kohlenhydratarme Ernährung könnte Entzündungen bremsen

Einen Wirkstoff, der das leisten könnte, kennt man bereits: das Nahrungsergänzungsmittel Hydroxycitrat, das bereits zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt wird. Darüber hinaus könnte vor allem eine zuckerarme Ernährung nicht nur Immunerkrankungen vorbeugen, sondern sich auch positiv auf deren Verlauf auswirken.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Sophia M. Hochrein et al.: The glucose transporter GLUT3 controls T helper 17 cell responses through glycolytic-epigenetic reprogramming, Cell Metabolism,März 2022, https://doi.org/10.1016/j.cmet.2022.02.015
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