Sportlerin schaut auf ihre Pulsuhr

Wen trifft ein plötzlicher Herzstillstand im Sport?

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Fälle scheinbar kerngesunder Sportler, die einen plötzlichen Herzstillstand erleiden, erregen immer wieder Aufsehen. Doch wie hoch ist das Risiko tatsächlich? Und welche Sportler sind am häufigsten betroffen?

Licht in diese Fragen bringt eine dänische Studie. Die Forschenden werteten dazu mehr als 20.000 Fälle von Herzstillständen aus, die zwischen Januar 2016 und Dezember 2019 ausserhalb von Krankenhäusern aufgetreten waren.

Die Untersuchung gibt in vielerlei Hinsicht Entwarnung für Sportler:

Seltene Ereignisse: Ein Herzstillstand im Sport ist selten. Nur rund 2,2 Prozent (459) der Herzstillstände, die ausserhalb von Krankenhäusern aufgetreten waren, trafen Menschen beim Sport beziehungsweise innerhalb einer Stunde nach Trainingsende.

Gute Prognose: Wer während oder nach dem Training einen Herzstillstand erlebte, hatte besonders gute Überlebenschancen: Die 30-Tages-Überlebensrate betrug bei Sportler und Sportlerinnen rund 58 Prozent. Im Vergleich überlebten diesen Zeitraum nur 13 Prozent der Menschen, bei denen der Herzstillstand nicht im sportlichen Zusammenhang auftrat.

Eine zentrale Rolle spielt hier wahrscheinlich die durchschnittlich bessere Grundkonstitution der Sporttreibenden. Diese wurde im Rahmen der Studie allerdings nicht einbezogen.

Entscheidender Überlebensfaktor: Erste Hilfe

Entscheidend ist aber auch die Erstversorgung der Betroffenen: Im Trainingsumfeld sind häufiger Menschen vor Ort, die Erste Hilfe leisten können. 95 Prozent der Sportler und Sportlerinnen wurden von Ersthelfern wiederbelebt, von den übrigen Betroffenen waren es nur 77 Prozent.

Auch Defibrillatoren sind im sportlichen Umfeld besser verfügbar. Sie wurden bei 38 Prozent der Sportfälle eingesetzt, sonst nur bei 8 Prozent.

Inwieweit diese Zahlen zur Ersthilfe auf andere Länder übertragbar sind, ist unklar.

Sind Männer gefährdeter?

Einen plötzlichen Herzstillstand erlitten vor allem Männer: Sie stellten 75 Prozent der Betroffenen im Rahmen der Studie. Möglicherweise tragen mehrere Faktoren dazu bei: Es treiben insgesamt mehr Männer regelmässig Sport. Junge Männer erkranken häufiger an einer Herzmuskelentzündung (erhöht das Herztod-Risiko). Und der Zustand der Herzkranzgefässe ist bei Männern häufig schlechter als bei Frauen.

Bei welchen Sportarten treten Herzstillstände eher auf?

Auch dazu, bei welchen Sportarten ein Herzstillstand am häufigsten auftrat, lieferten die Forschenden aus Dänemark ein Ranking:

Die meisten Fälle traten demnach beim Fitnesstraining auf. Es folgten Mannschaftssportarten und Wassersport. Besonders selten waren Herzstillstände in der Leichtathletik und beim Wandern.

Eine frühere Untersuchung des Herzzentrum Zürich zeigte ein etwas anderes Bild. Hier hatten die Forscher 265 Fälle von plötzlichem Herzstillstand beim Sport untersucht und dabei vor allem Laufen und Fussball als häufigste Ursache ausgemacht.

Betroffen waren vor allem ambitionierte Amateursportler – unter Profisportlern gab es anteilsmässig weniger Fälle.

Sportmedizinische Untersuchung deckt Risikofaktoren auf

Bei Sportlern und Sportlerinnen unter 35 Jahren waren Herzmuskelerkrankungen, angeborene Fehlbildungen der Herzkranzgefässe sowie Herzmuskelentzündungen die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod beim Sport.

Bei Sporttreibenden über 35 Jahre waren vor allem verengte Herzkranzgefässe (koronare Herzkrankheit/KHK) die Ursache für den Herzstillstand.

Die Ergebnisse zeigen auch, wie wichtig eine sportmedizinische Untersuchung ist: Sie kann sowohl unerkannte angeborene Herzfehler als auch altersbedingte Erkrankungen rechtzeitig aufdecken. Dann lässt sich die Trainingsbelastung entsprechend anpassen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Interview: Plötzlicher Herztod: Vor allem Amateursportler betroffen, www.kardiologie.org, 31.05.2017
  • Signe Amalie Wolthers et a.: Out-of-hospital cardiac arrest related to exercise in the general population: Incidence, survival and bystander response, Resuscitation, 25. Jan 2022, DOI: https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2022.01.021
  • Sudden Cardiac Death, Register der Universität des Saarlands, www.uni-saarland.de
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