Frau mit Maske

Warum Masken noch immer sinnvoll sind

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Auch, wenn die Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus gefallen sind, ist das Tragen von Masken immer wieder Diskussionsthema. Warum es dennoch sinnvoll ist, die Maske auch an Orten zu tragen, an denen sie nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben ist, lesen Sie hier.

Fest steht: Dass die Maskenpflicht, wie auch andere Massnahmen, aufgehoben wurde, heisst nicht, dass die Pandemie zu Ende ist und Masken überflüssig sind. Im Gegenteil: Tatsächlich spricht viel dafür, sie noch eine Weile freiwillig zu tragen.

Ja, das wussten wir schon, aber nochmal: FFP-2 Masken schützen

Das wichtigste Argument ist deutlich älter als diese Pandemie: Masken schützen vor Atemwegsinfekten. Wie gut das funktioniert, haben kürzlich noch einmal Wissenschaftler der Universität Göttingen nachgeprüft.

Das Ergebnis: Tragen eine infizierte und eine nicht-infizierte Person jeweils gut sitzende FFP2-Masken, beträgt das Ansteckungsrisiko nach 20 Minuten selbst auf kürzeste Distanz kaum mehr als ein Promille. Sind beide ohne Maske unterwegs, dauert es selbst bei einem Abstand von drei Metern keine fünf Minuten, bis sich die ungeimpfte Person mit fast 100-prozentiger Sicherheit ansteckt, erklären die Forscher.

Im Vergleich dazu schützen sogar schlecht sitzende Masken noch erheblich: Die Ansteckungswahrscheinlichkeit liegt dann bei etwa vier Prozent.

Fazit: Auch wenn es inzwischen so abgenutzt erscheint, macht es das Argument nicht weniger schlagkräftig: Masken schützen den Träger und seine Umwelt.

Masken filtern Omikron besonders gut

Jede Variante von Sars-CoV-2 wartet mit etwas anderen Eigenschaften auf. Daher haben die Göttinger Forscher untersucht, wie sich die Omikron-Variante auf die Effektivität des Maskenschutzes auswirkt: "Die Ergebnisse unserer Analysen waren für uns überraschend", erklärt Forschungsgruppenleiter Mohsen Bagheri vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS). Offenbar können Schutzmasken Omikron sogar besser aus der Atemluft filtern als die Deltavariante des Virus.

Der Grund: Omikron verbreitet sich stärker in den oberen Luftwegen und weniger stark in der Lunge. (Das ist, nebenbei bemerkt, ein Grund dafür, dass eine Omikron-Infektion etwas seltener schwer verläuft). Infektiöse Tröpfchen, die sich in den oberen Atemwegen bilden, sind aber grösser als die, die aus der Lunge herausgeatmet werden. Deswegen bleiben sie noch zuverlässiger im Maskenvlies hängen.

Mit Omikron stecken sich mehr Menschen an

Omikron verbreitet sich rasant. Allerdings ist schwer herauszufinden, ob es sich tatsächlich auch aus sich heraus in einer „immunologisch naiven“ Bevölkerung ohne durch Impfung oder vorangegangenen Viruskontakt stärker ausbreiten würde, als beispielsweise das ebenfalls hochansteckende Deltavirus. Oder ob es erfolgreicher ist, weil es teilweise den Immunschutz unterläuft.

Für die Entscheidung pro oder contra Maske macht das keinen Unterschied. Das Risiko, sich anzustecken oder das Virus weiterzugeben, ist zwar für Geimpfte auch bezüglich Omikron deutlich niedriger, aber im Vergleich zu anderen Virusvarianten, hoch. Also, ob geimpft oder ungeimpft: Maske tragen ist nach wie vor in vielen Situationen sinnvoll – auch beim kurzen Supermarktbesuch.

(Wobei man an dieser Stelle noch einmal sofort und deutlich sagen muss: Dies gilt für das Risiko, sich anzustecken, nicht für das Risiko schwer zu erkranken. Davor schützt die Impfung auch bei einer Omikroninfektion sehr zuverlässig!)

Hohe Inzidenz – hohe Ansteckungsgefahr

Die Hauptkritik an der Aufhebung der Massnahmen bezieht sich auf die aktuelle Situation mit sehr hohen Inzidenzen. Die Wahrscheinlichkeit, sich ohne Maske auszustecken, ist derzeit besonders gegeben.

Ein kleines, wenn auch extrem vereinfachtes, Rechenexempel: Eine Inzidenz von 1000 bedeutet, dass sich einer von 100 Menschen im Verlauf von 7 Tagen infiziert.. In einem voll besetzten Kinosaal mit 50 Plätzen liegt die Wahrscheinlichkeit demnach bei fifty-fifty, dass ein Infizierter unter den Kinogängern ist. Da man dort meist mindestens 90 Minuten verbringt ist die Wahrscheinlichkeit bei beidseitigem Maskenverzicht sehr hoch, dass man sich ansteckt, wenn der Infizierte ebenfalls keine Maske trägt.

Omikron ist nicht harmlos

Dass Omikron die häufiger schwer krankmachende Deltavariante verdrängt hat, war ein Geschenk der Evolution. Der Anteil der Infizierten, die sich im Krankenhaus behandeln lassen müssen, liegt mit 30 Prozent um fast ein Drittel niedriger als unter Delta-Infizierten. Diese traf ein derart schwerer Verlauf etwa einen von zehn Ungeimpften.

Dass es in der Omikronwelle vergleichbar weniger sind, die so schwer erkranken, ist natürlich eine gute Nachricht. Aber es sind immer noch sieben von hundert Ungeimpften, die es trifft. Hinzu kommen die aufgrund von Vorerkrankungen und Medikamenten besonders Gefährdeten, die trotz Impfung keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können.

Auch wenn man selbst nicht dazugehört, schützt das Tragen einer Maske, dass man unwissentlich Gefährdetere direkte ansteckt oder zur Ausbreitung des Virus beiträgt, was diese Menschen über Umwege gefährdet.

Masken schützen vor Long Covid

Wer jung und gesund ist, fühlt sich gegenüber dem Virus meist gut gewappnet. Allerdings haben auch vergleichsweise milde Verläufe einer Sars-CoV-2-Infektion häufig Langzeitfolgen. Denn das Virus dringt über einen Rezeptor in die Körperzellen ein, der überall im Körper verbreitet ist. So kann es nahezu alle Organsysteme befallen. Auch vor diesen schützen Sie sich naturgemäss, wenn Sie eine Maske tragen.

Zwischen zehn und 30 Prozent der Menschen leiden nach der Genesung unter anderem an Atemlosigkeit und Herzproblemen, Leber- und Nervenschäden. Besonders verbreitet und schwer zu behandeln ist ein chronisches Erschöpfungssyndrom. Mit der normalen Erschöpfung gesunder Menschen ist sie nicht zu vergleichen. Schon geringe Belastungen können dann einen völligen Zusammenbruch bewirken, der zudem mit Schmerzen einhergehen kann.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Gholamhossein Bagheri et al.: An upper bound on one-to-one exposure to infectious human respiratory particles, PNAS 2. Dez. 2021, https://doi.org/10.1073/pnas.2110117118
  • Report 50 - Hospitalisation risk for Omicron cases in England, Imperial College London, Abruf 5. April 2021
  • Wie gut schützen FFP2- und KN95-Masken vor einer Coronainfektion? Max-Planck-Gesellschaft www.mpg.de, Abruf 05. April 2022
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