Volksbegehren: 6 Fragen an Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres

Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres
Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres (© Ärztekammer für Wien / Stefan Seelig)

Nach nur drei Tagen hat das Volksbegehren "DON'T SMOKE" bereits die 100.000-Marke überschritten. Initiator Thomas Szekeres im Gespräch.

netdoktor.at: Herr Professor Szekeres, warum ist Ihnen persönlich das Volksbegehren DON'T SMOKE ein Anliegen?

Dr. Thomas Szekeres: Die derzeit geplante Abkehr vom Nichtrauchergesetz 2015 und vom generellen Rauchverbot in der Gastronomie hat massive negative gesundheitliche Auswirkungen auf große Bereiche der Bevölkerung. Der Schritt zurück ist kontraproduktiv und schadet der Gesundheit der Österreicher.

Wie sieht effektiver Nichtraucherschutz aus?

Beim Tabakkonsum sind passive gesundheitliche Gefahren für das Umfeld vorhanden, auch für Personen, die das Suchtmittel nicht einnehmen. Daher spielen rauchfreie Lokale und Räumlichkeiten eine wichtige Rolle für einen effektiven Nichtraucherschutz. Einfach ausgedrückt: Wer in öffentlichen Lokalen raucht, gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der anderen.

Warum sind abgetrennte Raucherbereiche in Hotels und Gastronomie nicht genug? Wieso können Nichtraucher dadurch trotzdem geschädigt werden?

Erstens ist die Feinstaubbelastung auch in Nichtraucherbereichen deutlich erhöht und gesundheitsgefährdend. Zweitens widerspricht dies dem Arbeitnehmerschutzgesetz, weil Servicepersonal auch in Raucherbereichen arbeiten muss. Drittens müssen vor allem Jugendliche vor dem Tabakrauch geschützt werden und ihnen damit ausschließlich rauchfreie Gastronomiebetriebe geboten werden. Und last but not least schafft nur ein generelles Rauchverbot auch wirklich faire Bedingungen für alle Gastronomiebetriebe.

Wie hat sich das Rauchverbot in der Gastronomie in anderen Ländern auf die Gesundheit der Bevölkerung ausgewirkt? Gibt es dazu Untersuchungen?

17 von 28 EU-Staaten haben derzeit eine gesetzliche Regelung für einen umfassenden Nichtrauchschutz. Österreich gehört leider nicht dazu. Generelle Nichtraucherschutzbestimmungen in anderen EU-Ländern haben gezeigt, dass damit Herzinfarkte, Atemwegserkrankungen, Angina pectoris sowie die Frühgeburtenrate und die Anzahl der zu kleinen Neugeborenen (small for date) reduziert werden konnten.

Was würden Sie Kanzler und Vizekanzler der Republik Österreich gerne persönlich sagen?

Dass wir uns erwarten, dass die Regierung die direktdemokratische Aussagekraft des Volksbegehrens ernst nimmt und gemäß ihrer eigens vorgegebenen Prinzipien, nämlich die Forcierung der direkten Demokratie, den Volkswillen umsetzt – wenn schon nicht mit parlamentarischen Beschlüssen, dann zumindest mit einer anschließenden Volksabstimmung, die dann auch rechtlich bindend ist.

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Unterschreiben wird Dank Handy-Signatur stark vereinfacht. Mit wievielen Unterschriften rechnen Sie?

Wir freuen uns über den sensationellen Start, bereits nach drei Tagen konnten wir die 100.000-Unterschriften-Marke erreichen. Es handelt sich hier um ein großes Votum, das die Politik zum Umdenken bewegen muss. Wir werden weiter Unterstützungen und Unterschriften sammeln, um so den Druck sukzessive zu erhöhen und bitten alle Österreicherinnen und Österreicher um ihre Unterschrift.

Wir wollen, dass ausnahmslos jeder die Chance hat, schon jetzt per Unterschrift ein klares Zeichen für einen umfassenden Nichtraucherschutz in Österreich zu setzen. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist für die Beibehaltung des ursprünglichen Gesetzes und wird das durch die Stimmabgabe auch unmissverständlich zum Ausdruck bringen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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