Hand erntet Apfel vom Baum

Neue Apfelsorten für Allergiker

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Manche Menschen verspüren beim Verzehr von Äpfeln unangenehme Symptome wie Juckreiz und anschwellende Lippen. Das könnte sich bald ändern: Erstmals hat die Europäische Stiftung für Allergieforschung zwei Apfelsorten das ECARF-Siegel. Mit diesem werden allergikerfreundliche Produkte und Dienstleistungen ausgezeichnet.

Zwei allergenarme Apfelsorten am Start

In Zusammenarbeit mit der Züchtungsinitiative Niederelbe (ZIN) haben Forschende der Hochschule Osnabrück, der Technischen Universität München (TUM) und der Charité Berlin zwei allergikerfreundliche Apfelsorten gezüchtet.

Dafür konnten die Forschenden auf einen Pool von mehr als 700 Apfelsorten des Züchtungsprogramms der ZIN zurückgreifen. Alle diese Sorten haben unterschiedliche Eigenschaften bezüglich Aussehen, Geschmack, Haltbarkeit – und eben auch im Hinblick auf ihr allergieauslösendes Potenzial. Denn das ist von Apfeltyp zu Apfeltyp durchaus verschieden. „Das ist wie ein grosses Puzzle aus rund 700 Teilen“, erklärt Prof. Dr. Werner Dierend, Leiter des Fachgebiets Obstbau an der Hochschule Osnabrück.

Daher sei man zuversichtlich gewesen, in diesem Sortenpool eine oder vielleicht auch mehrere allergikerfreundliche Sorten zu finden.

Juckreiz und geschwollene Lippen

Für die Bewertung liessen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Apfelallergiker zur Verkostung antreten. Unter medizinischer Aufsicht verzehrten die Teilnehmer zunächst 30, später 100 Gramm frischer Apfelproben. Anschliessend bewerteten sie Symptome wie Juckreiz, Kribbeln im Mund sowie Anschwellen von Lippen, Zunge und Mundschleimhaut auf einer dreistufigen Skala nach ihrer Intensität. Forschende der Technischen Universität München analysierten sodann den Allergengehalt der Äpfel.

Was haben Birkenpollen mit Äpfeln gemein?

Besonders betroffen von solchen Symptomen nach dem Verzehr von Äpfeln sind Menschen, die auch auf Birkenpollen allergisch reagieren. Ähnliche Symptome treten zudem auch häufig nach dem Genuss von Haselnüssen, Süsskirschen, aber auch weiteren Obstsorten sowie frischen Sojaprodukten auf. In seltenen Fällen löst das Verspeisen der Früchte auch einen allergischen Schock aus mit zuschwellenden Atemwegen oder im Extremfall einem Kreislaufstillstand.

Diese pflanzlichen Lebensmittel enthalten Eiweissstoffe, die jenen Allergenen in Pollen ähneln, auf die das Immunsystem der Allergiker anspringt. Mediziner bezeichnen solche Phänomene als Kreuzallergien. Bei Birkenpollen-Allergikern sind das vor allem PR-10-Proteine.

Menschen, die auf andere Pollen allergisch reagieren, sind indes eher nicht von einer Apfelallergie betroffen.

Apfelsaft meist kein Problem

Werden PR-10-Proteine erhitzt, verändern sie ihre Struktur. Deshalb vertragen Birkenpollenallergiker die meisten Apfelsäfte sowie Kompott oder auch Haselnüsse im Kuchen gut.

In den Siegersorten des antiallergischen Apfeltests hatten die Forscher der TU München nur geringe Mengen an PR-10-Proteinen gefunden. Die beiden neuen Apfelsorten laufen derzeit noch unter der Bezeichnung ZIN 168 und ZIN 186.

Die mittelroten Äpfel der Sorte 168 beschreibt die ZIN als mittelgross bis gross mit festem und knackigem Fruchtfleisch. Sie seien süss, saftig und geschmackvoll.

Äpfel der Sorte ZIN 186 seien überwiegend gross, fest, knackig und saftig mit einem leichten Überwiegen der süsslichen Note. Sie wurden in den Experimenten besser vertragen als die Vergleichssorte „Santana“, die als allergenarm eingestuft wird, aber nicht das ECARF-Siegel trägt.

Bis 2025 im Supermarkt?

Auch ohne ihre allergikerfreundlichen Eigenschaften hätten die neuen Apfelsorten wohl die Hürde zur Markttauglichkeit bestanden, betont Dierend auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Baumfrüchte.

Bis sie im grossen Stil ihren Weg in die Supermarktregale finden, muss zunächst die erforderliche Zahl an Bäumen von den Obstbauern herangezogen werden. Die Forschenden sind optimistisch, dass die beiden neue Äpfel im Jahr 2025 in den Regalen der Supermärkte ausliegen werden.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Allergieinformationsdienst, www.allergieinformationsdienst.de, Abruf 11. Apr 2022
  • Pressemitteilung Hochschule Osnabrück, 31. März 2022
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