Neuer Ansatz für HIV-Impfung

In Österreich steckt sich jeden Tag mindestens ein Mensch mit dem HI-Virus an.
In Österreich steckt sich jeden Tag mindestens ein Mensch mit dem HI-Virus an. ( Dragon Images / Shutterstock)

Jedes Jahr infizieren sich weltweit rund 1,8 Millionen Menschen mit HIV. Obwohl die Erkrankung dank moderner Medikamente inzwischen gut behandelbar ist, gibt es noch keinen Impfstoff, der eine HIV-Infektion verhindern könnte. Schweizer Forscher haben nun einen neuen, vielversprechenden Ansatz gefunden.

Die Wissenschaft hat auf der Suche nach einem potentiellen HIV-Impfstoff in den vergangenen Jahren immer wieder Fortschritte gemacht, der endgültige Durchbruch ist aber bis dato noch nicht gelungen. Grund dafür ist, dass es viele unterschiedliche Virusstämme gibt und diese darüber hinaus extrem anpassungsfähig sind. Schweizer Forscher haben aber nun einen neuen Ansatz entdeckt. 

Wovon hängt die Immunantwort ab?

Wie effektiv die Immunantwort jedes einzelnen Betroffenen auf die Infektion mit dem HI-Virus ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Menge der Viren
  • Vielfalt der Viren
  • ethnische Zugehörigkeit des Betroffenen

Neue Erkenntnisse

Forscher des Universitätsspitals Zürich stießen nun bei weiteren Untersuchungen auf eine vielversprechende Spur: Sie fanden bei der Auswertung von Blut- und Virusproben von 4.500 Betroffenen spezielle Antikörper, die als Basis für die Entwicklung eines Impfstoffes dienen könnten.

Diese Antikörper richten sich nicht nur gegen einen einzigen Virusstamm, sondern gegen die meisten weltweit zirkulierenden HI-Virusstämme, finden sich aber nur bei einem von hundert Betroffenen. 

Roger Kouyos vom Universitätsspital Zürich und seine Kollegen fanden im Rahmen der Studie 303 potenzielle "Ansteckungspaare", also Patienten, die aufgrund der Ähnlichkeit der Gensequenz (charakteristische Abfolge der genetischen Bausteine einer Erbanlage) des Virus wahrscheinlich mit dem selben Virusstamm infiziert sind. Vergleiche der Immunantwort dieser "Paare" ließen darauf schließen, dass spezielle Oberflächenstrukturen an der Hülle der Viren eine besonders starke Immunantwort auslösen: Die gebildeten Antikörper sind nun in der Lage, das Virus zu neutralisieren. Offenbar gibt es also bestimmte Oberflächenstrukturen, die die Produktion breit wirksamer Antikörper ankurbeln. 

Ausblick: Kommt bald die HIV-Impfung?

Basierend auf diesen Forschungsergebnissen hoffen die Wissenschafter nun, einen neuen Ansatz für die Entwicklung eines HIV-Impfstoffes gefunden zu haben. Das Ziel ist, Oberflächenstrukturen, die eine wirksame Immunabwehr auslösen, nachzubauen. So könnte die Menschheit zukünftig in Form einer Impfung vor einer Infektion mit dem HI-Virus geschützt werden. 

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der Information: September 2018

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