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Mehr Herzinfarkt-Tote während "Lockdown"

Herzinfarkt Ausgangsbeschränkungen Studie
Bei Herzproblemen zählt jede Minute. (PeopleImages / iStockphoto)

Während der coronabedingten Ausgangssperren im Frühling 2020 kam es zu signifikant mehr Todesfällen nach einem Herzinfarkt als in den Vergleichszeiträumen der vergangenen Jahre.

Die Zahl der Spitalsaufnahmen ist während der Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr 2020 um rund 23 Prozent zurückgegangen, vor allem ältere Menschen nahmen seltener ärztliche Hilfe in Anspruch. Eine Studie der Med Uni Graz zeigte jetzt aber auf, dass die Zahl der Herzinfarktpatienten in den Krankenhäusern zwar zurückging, die Rate an Todesfällen nach einem Infarkt jedoch anstieg. 

Um das Ansteckungsrisiko mit dem neuartigen Coronavirus möglichst gering zu halten, entschieden sich viele Patienten – trotz Beschwerden – gegen einen Arztbesuch oder ein Aufsuchen einer Krankenhausambulanz. Unter diesen Personen fanden sich auch viele Patienten mit Herzproblemen.

Wissenschafter der Med Uni Graz verglichen die Zahlen von Patienten, die während des "Lockdowns“ wegen eines Herzinfarkts, einer Lungenembolie oder eines Aortenrisses ein steirisches Krankenhaus aufsuchten, mit jenen aus den Vergleichszeiträumen der letzten vier Jahre.  

Weniger Behandlungen, höhere Sterberate

Fazit: Im diesjährigen Frühling wurden im Vergleich zu den Vorjahren bedeutend weniger Herzpatienten behandelt.

  • Insgesamt wurden 3.600 Herzpatienten in den steirischen Krankenhäusern aufgenommen – 23 Prozent weniger als in den Vergleichsjahren.
  • 148 dieser 3.600 Patienten wurden wegen eines Verdachts auf einen Herzinfarkt eingeliefert – im Vergleichszeitraum der letzten vier Jahre waren es noch rund 190 Personen.
  • 16 dieser Herzinfarktpatienten verstarben noch im Krankenhaus – das sind in absoluten Zahlen vier bis fünf mehr als in den Jahren zuvor. Damit ist die Zahl der Todesfälle nach einem Herzinfarkt um 80% gestiegen.

Der Kardiologe Dr. Heiko Bugger, ein Co-Autor der Studie, vermutet, dass nicht nur die Angst vor einer Ansteckung dazu geführt hat, dass diese Patientengruppe seltener ein Krankenhaus aufgesucht hat, sondern auch die Aufforderung von Seiten der Regierung, die Ressourcen der Krankenhäuser möglichst für COVID-19-Patienten freizuhalten. Gerade ältere Menschen seien hier sehr pflichtbewusst, so Bugger. Jene Patienten, die sich dennoch in Behandlung im Krankenhaus begeben hatten, kamen häufig "zu spät“ – der Herzinfarkt war bereits zu weit fortgeschritten.

+++ Mehr zum Thema: Weniger Herzinfarkte durch Grippeimpfung +++

Bei Beschwerden sofort Hilfe anfordern

Auf ganz Österreich lässt sich diese hohe Prozentzahl allerdings nicht hochrechnen. Auch wenn die Anzahl der Todesfälle durch Herzinfarkte vermutlich österreichweit angestiegen ist, sind bei der steirischen Studie die relativ geringen Fallzahlen zu berücksichtigen.

Alarmierende Erkenntnis

Aufgrund dieser alarmierenden Zahlen rufen Mediziner dazu auf, auch in Zeiten der Pandemie bei Verdacht auf einen Herzinfarkt Fall sofort die Rettung zu rufen – gerade bei Herzproblemen zählt jede Minute.

+++ Mehr zum Thema: Kolumne zum Thema Herzinfarkt +++

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Quellen

https://steiermark.orf.at/stories/3070052/ (Letzter Zugriff 8.10.2020)

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