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Verdoppelt die Grippe die Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2?

Cororna, Grippe
Mediziner raten insbesondere in diesem Winter zur Influenzaimpfung. (seb_ra / iStockphoto)

In einem mathematischen Modell berechneten Forscher, welchen Einfluss die beginnende Grippewelle auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 haben könnte. Hier lesen Sie das Resultat.

Wissenschafter des Max-Planck-Instituts  in Berlin und des Pariser Institut Pasteur haben mit Hilfe eines mathematischen Modells die ersten Monate der Coronavirus-Pandemie untersucht – und stellten dabei fest, dass der Rückgang an COVID-19-Erkrankungen im Frühjahr nicht nur mit Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel den Ausgangsbeschränkungen, sondern auch mit dem Ende der Grippe-Saison zusammenhing. 

Grippeerkrankungen haben Übertragungen von SARS-CoV-2 um das 2,5-Fache erhöht

Mathematiker rund um Matthieu Domenech de Cellès analysierten dabei die Auswirkungen von Doppelinfektionen mit SARS-CoV-2 und Influenza (Grippe). Daraufhin entwickelten die Wissenschafter ein Modell, dass sowohl die Übertragung als auch die Sterblichkeit errechnet. Das Ziel: den Einfluss der Grippesaison auf die Corona-Pandemie zu entschlüsseln. 

Die Untersuchungen zeigten, dass die sinkenden Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 nicht nur auf die Maßnahmen, die gegen die Verbreitung des Virus gesetzt wurden, zurückzuführen sind, sondern dass sie auch wesentlich vom Ende der Grippesaison beeinflusst wurden. Die Wissenschafter zeigten auf, dass Grippeerkrankungen die Übertragungen von SARS-CoV-2 durchschnittlich um das 2,5-Fache erhöht haben.

Für das Modell verwendeten die Forscher Daten der Infektionszahlen aus Belgien, Norwegen, Italien und Spanien – vier Ländern, in denen die Pandemie unterschiedliche Verläufe nahm. Zur Überprüfung wurden die Berechnungen des Modells mit den tatsächlichen Statistiken der täglichen Todesfälle in diesen Ländern verglichen. Dabei zeigte sich, dass das Modell mit der Realität übereinstimmte.

+++ Mehr zum Thema: Wie kann man Influenza vorbeugen? +++

Höheres COVID-19-Risiko durch Grippe?

Es blieben aber einige Fragen offen, die es jetzt in weiteren Untersuchungen noch zu klären gilt. So lässt sich bisher nicht sagen, ob Grippekranke mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Corona auf ihre Mitmenschen übertragen oder ob eine Grippeerkrankung auch das Risiko an COVID-19 zu erkranken erhöht. In Labortests wurde zwar bereits aufgezeigt, dass das Risiko an COVID-19 zu erkranken durch eine Grippeerkrankung steigt. Grippeviren sorgen für eine vermehrte Produktion von Rezeptoren, die das Coronavirus benötigt, um an den menschlichen Zellen anzudocken. Klinisch überprüft wurde diese Larborstudie allerdings noch nicht. 

+++ Mehr zum Thema: Diese Symptomreihenfolge deutet auf COVID-19 hin +++

Die Studienautoren betonen, dass in der schon bald einsetzenden Grippesaison eine Influenzaimpfung entscheidend sein könnte – alleine um die Krankenhäuser inmitten der Coronavirus-Pandemie zu entlasten.

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Quellen

"Influenza may facilitate the spread of SARS-CoV-2".
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.09.07.20189779v1 (Letzter Zugriff: 18.9.2020)
 

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