Europäischer Kopfschmerz- und Migränetag: Schmerzen ernst nehmen

Zur Prophylaxe der Migräne steht ein neues Medikament zur Verfügung.
Zur Prophylaxe der Migräne steht ein neues Medikament zur Verfügung. ((c)lightwavemedia / Shutterstock)

Am 12. September ist der Europäische Kopfschmerz- und Migränetag. Experten nutzen diesen Anlass, um auf die Bedeutung einer frühzeitigen und fundierten Diagnose sowie einer effektiven Therapie hinzuweisen.

Am 12. September ist der "Europäische Kopfschmerz- und Migränetag". Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie und die Österreichische Kopfschmerzgesellschaft nutzen diesen Anlass, um auf die Bedeutung einer fundierten Diagnostik und einer effektiven Therapie hinzuweisen. Zudem plädieren sie für eine Verbesserung der Versorgungssituation österreichischer Kopfschmerz- und MIgränepatienten.

Weit verbreitet, aber häufig unterschätzt

Kopfschmerzen und Migräne gehören zu den weltweit häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Österreich sind etwa 56,4% von episodischen Kopfschmerzattacken betroffen, 38,3% klagen über chronische Beschwerden. Mit einem Anteil von 45,5% stellen Migränepatienten die größte Gruppe dar.

Trotz der Vielzahl an Betroffenen werden Kopfschmerzen und Migräneattacken häufig nicht ernst genommen. Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Eugen Trinka, FRCP, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie an der Christian Doppler Universitätsklinik Salzburg: "Trotz dieser deutlichen Fakten bestehen gegenüber Kopfschmerzen erhebliche Vorurteile und Missverständnisse. Kopfschmerzen und Migräne werden häufig nicht als ernst zu nehmende chronisch wiederkehrende Erkrankung wahrgenommen. Sie bedürfen jedoch einer fundierten und möglichst früh einsetzenden Behandlung."

Österreichisches Versorgungsnetz verbesserungswürdig

Auch die Versorgungssituation österreichischer Kopfschmerz- und Migränepatienten sei problematisch, so der ÖGN-Präsident: "Was wir für diese große Zahl an Betroffenen brauchen, ist eine abgestufte und koordiniert funktionierende Versorgung der Kopfschmerz- und Migränepatienten, die von den Hausärzten als zumeist erste Ansprechpartner der Betroffenen über niedergelassene Neurologen bis hin zu einer ausreichenden Zahl spezialisierter Zentren reicht – wovon derzeit in Österreich allerdings nicht die Rede sein kann."

Durchbruch in der Migräne-Prophylaxe

In den vergangenen Jahren wurden vier sogenannte "monoklonale Antikörper" entwickelt, die die Lebensqualität von Menschen mit chronischer oder episodischer Migräne in Zukunft deutlich verbessern könnten. Als Erfolg kann gewertet werden, dass sich mithilfe dieser neuen Wirkstoffe die Schmerztage pro Monat signifikant reduzieren. Übersetzt heißt das: Die Betroffenen haben seltener Kopfweh. 

Nebenwirkungen gängiger Prophylaxe-Mittel wie Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Schwindel, Schläfrigkeit oder Erschöpfung bleiben bei diesen neuen Medikamenten meist aus. 

Möglicher Hinweis auf schwere Erkrankung

Anlässlich des Europäischen Kopfschmerz- und Migränetags soll auch das Bewusstsein für gefährliche Kopfschmerzformen geschaffen werden. "Hellhörig sollte man werden, wenn Menschen plötzlich über massive Kopfschmerzen klagen, die bisher von diesem Problem weitgehend verschont waren, oder wenn sich bei Patienten die bekannten Kopfschmerzen hinsichtlich Charakter, Intensität oder Frequenz verändern. Auch wenn der klinische Verlauf der Beschwerden atypisch wird oder zusätzlich neurologische Auffälligkeiten auftreten, sollte dies nicht auf die leichte Schulter genommen werden", so Prim. Priv.-Doz. Dr. Nenad Mitrovic, Leiter der Abteilung für Neurologie am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck und Vorsitzender der AG für Schmerz in der ÖGN. "All das können Warnsignale für sehr gefährliche Erkrankungen sein, darunter Schlaganfall, Meningitis, strukturelle Gehirnläsionen, wie vaskuläre Malformationen, Glioblastome oder andere Tumore, die sich hinter veränderten Kopfschmerzen und Migräne mit Aura verbergen können."

Migräne vs. Schlaganfall

Insbesondere die familiäre hemiplegische Migräne – eine seltene, genetisch bedingte Form der Migräne – kann leicht mit einem Schlaganfall verwechselt werden, da sie mit motorischen Ausfällen und Bewusstseinsstörungen einher geht. Umgekehrt kann ein akuter Schlaganfall fälschlicherweise als Migräneattacke interpretiert werden.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.at


Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der Information: September 2018

Weitere Artikel zum Thema

Migräne