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Corona-Antikörpertest: Das sollten Sie wissen

Antikörpertest COVID-19 Corona
Ein Antikörpertest kann einen überstandene Infektion oder den Erfolg einer Impfung nachweisen. (bombuscreative / iStockphoto)

Viele Infektionen mit SARS-CoV-2 verlaufen ohne Symptome. Um nachzuprüfen, ob eine Infektion stattgefunden hat oder um zu überprüfen, ob eine Impfung Wirkung zeigt, kann ein Antikörpertest Auskunft geben. Hier lesen Sie mehr.

Antikörpertests können den Nachweis für eine bereits überstandene Infektion erbringen. In den meisten Fällen auch dann, wenn sie ohne oder nur mit leichten Symptomen verlaufen ist. Antikörper werden vom körpereigenen Immunsystem gebildet oder können etwa durch eine Impfung gegen COVID-19 entstehen. Ziel ist in beiden Fällen eine erneute Infektion zu verhindern bzw. möglichst rasch zu bekämpfen. Wie aber werden die Tests durchgeführt, was bedeuten die Werte und ab wann kann man von einem Schutz ausgehen? Diese Fragen haben wir Dr. Georg Greiner PhD, Facharzt für Labormedizin, gestellt.

1. Der Corona-Antikörpertest: Wie funktioniert er und was sagt er aus?

Dr. Georg Greiner PhD: Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Antikörpertests diverser Hersteller am Markt. Im Prinzip wird mit diesem Test nachgewiesen, ob unser Immunsystem Antikörper als Reaktion auf die Infektion mit SARS-CoV-2 gebildet hat, die gegen das Virus gerichtet sind. Daher zeigt ein positives Testresultat zumeist an, dass der Organismus bereits mit dem Virus in Kontakt war. Dasselbe Ergebnis lässt sich auch nach einer Impfung beobachten.

2. Welche Unterschiede gibt es? Antikörperschnelltest vs. Labortest: Was wird beim Test gemessen und wie steht es um die Genauigkeit der Testergebnisse?

Dr. Greiner: Aktuell kommen zur Bestimmung von SARS-CoV-2-Antikörpern in erster Linie klassische Labortests wie z.B. „Enzyme-linked Immunosorbent Assay“ (ELISA) oder „Chemiluminescence Immunoassays“ (CLIA), zum Einsatz. Diese Tests weisen die höchste Spezifität, Sensitivität sowie Präzision auf. Das heißt sie können sehr präzise bereits geringe Werte der spezifischen Antikörper nachweisen. Diese Test-Leistungsdaten werden vom jeweiligen Labor mit regelmäßigen Qualitätskontrollen überprüft. Weiters werden Antikörper-Schnelltests angeboten. Diese sind, ähnlich wie die Coronavirus-Antigen-Schnelltests, sogenannte "lateral-flow" Verfahren. Leider weisen die Antikörper-Schnelltests im Unterschied zu den Labortests eine relativ hohe Fehleranfälligkeit auf. Aus diesem Grund empfiehlt die Österreichische Gesellschaft für Labormedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC) Antikörper-Untersuchungen für SARS-CoV-2 nur in medizinischen Laboratorien durchzuführen. 

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3. Welche Werte werden gemessen? Was sind Akutmarker und was Immunitätsmarker?

Als Reaktion auf eine Infektion bildet der Körper unterschiedliche Antikörper oder Immunglobuline (Ig) aus. Diese werden auch als Reaktion des Immunsystems auf eine Impfung gebildet.

Dr. Greiner: IgM und IgA sind sogenannte Akutmarkeralso jene Antikörper, die als Erstes gebildet werden. Diese sind etwa 7 bis 10 Tage nach Auftreten der Symptome nachweisbar, also in einer Zeit, in der das Virus oftmals auch noch mittels PCR im Nasen-/Rachenraum nachgewiesen werden kann. Sowohl IgM als auch IgA Antikörper sinken im weiteren Verlauf recht schnell nach wenigen Wochen wieder ab.

4. Wann können die Werte gemessen werden (Wie lange nach der Infektion?) und wie wird das gemacht?

Dr. Greiner: IgG-Antikörper werden ca. 2-6 Wochen nach der Infektion gebildet und sind Immunitätsmarker, die am längsten nachweisbar bleiben und zumeist einen schützenden Effekt vor einer neuerlichen Infektion aufweisen. Aktuelle Studien zeigen, dass es, wenn auch mit hoher individueller Unterschiedlichkeit, nach einigen Monaten nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 bereits zu einem deutlichen Abfall der Antikörper kommen kann. Wie lange die Antikörper nach zwei SARS-CoV-2-Teilimpfungen nachweisbar bleiben, wird erst die Zukunft zeigen. 

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5. Was bedeuten die gemessenen Werte? Ab welchem Wert geht man (momentan) vor einem gewissen Schutz/Immunität aus?

Dr. Greiner: Das positive Testergebnis deutet auf den Kontakt mit SARS-CoV-2 hin. Bei vorangegangener Impfung spricht der Befund für eine Immunisierung. Wir verwenden die Antikörpertests auf ELISA-Basis. Hier werden Antikörper gegen die Rezeptorbindungsstelle des SARS-CoV-2-Oberflächenproteins (Spike-Proteins) nachgewiesen.

Als Einheit werden bei unserem Test Units pro Milliliter ausgegeben. Schon ab 0,8 U/ml wird ein positives Resultat erreicht. Je höher der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass neutralisierende Antikörper vorhanden sind. Ab ca. 15 U/ml ist von einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen Schutz auszugehen.

6. Lässt sich daraus vorhersagen, wie lange man gegen eine erneute Infektion geschützt ist?

Dr. Greiner: Die Dauer des Schutzes ist interindividuell sehr unterschiedlich, meist aber zumindest mehrere Monate. Aktuelle Studien sprechen von stabilen Antikörperwerten von 6 bis 9 Monaten.

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7. Welcher Wert wird etwa bei den Impfungen angenommen, um die Wirksamkeit zu beweisen?

Dr. Greiner: Schon nach der ersten Teilimpfung sind nach ca. 2 1/2 Wochen bei vielen Antikörper nachweisbar. Die zweite Impfung führt zu einer neuerlichen starken Stimulierung des Immunsystems, sodass mehrere hundert bis oft auch weit über tausend Units/ml keine Seltenheit sind.

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8. Wodurch unterscheiden sich die Antikörper einer Infektion und jene einer Impfung?

Dr. Greiner: Im Rahmen einer Infektion wird das gesamte Virus dem Immunsystem präsentiert und dadurch eine Vielzahl von unterschiedlichen Antikörpern gebildet. Bei der Impfung wird bewusst nur eine gewisse Struktur in den Körper eingebracht. Bei den aktuell verfügbaren Impfungen handelt es sich hierbei um das vorab erwähnte Spike-Protein an der Oberfläche des Virus. Für den Labortests hat dies keine Konsequenz, dieser erfasst sowohl Antikörper, die durch eine Infektion als auch jene, die im Anschluss an die Impfung gegen das Coronavirus gebildet werden.

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9. Gibt es Erfahrungen, welche Impfstoffe für Personen, die bereits eine Infektion hinter sich haben, ratsam sind? mRNA- (BioNTech/Moderna) oder Vektorimpfstoff (AstraZeneca)? 

Dr. Greiner: Hierzu gibt es noch zu wenig Evidenz ob überhaupt ein signifikanter Unterschied zwischen den Vakzinen besteht. Aktuell wird empfohlen, trotz durchgemachter Infektion eine Impfung durchzuführen, da es hier zu einer neuerlichen Immunstimulierung kommt und die Antikörperspiegel hochgehalten werden können.­

Vielen Dank fürs Gespräch!

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Autoren:
Dr. Georg Greiner, PhD
Redaktionelle Bearbeitung:

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