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Beeinflussen frühere Erkältungen den Verlauf von COVID-19?

Covid-19-Verlauf T-Zellen Immunität frühere Erkältungen
(Bertrand Blay / iStockphoto)

Eine Studie der Charité Berlin und dem Max-Planck-Institut für molekulare Genetik zeigt: Bereits überstandene Infektionen mit Coronaviren können sich auf den Verlauf von COVID-19 auswirken.

Welche Faktoren zu einem leichten oder schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung führen beschäftigt Forscher auf dem gesamten Globus. Berliner Forscher fanden nun heraus: Frühere Infektionen mit herkömmlichen Corona-Erkältungsviren können den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung beeinflussen.

T-Zellen-Untersuchung als Ausgangspunkt 

Durch die Untersuchung von T-Helferzellen wurde festgestellt, dass bei vielen Personen sogenannte Kreuzreaktionen bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 entstehen. T-Helferzellen sind weiße Blutkörperchen, das sind Immunzellen, die für die Steuerung der Immunantwort des Körpers zuständig sind. Laut den Wissenschaftern verfügt etwa ein Drittel der Menschen, die noch nie mit SARS-CoV-2 in Kontakt gekommen sind, über T-Helfer-Gedächtniszellen, die das neue Virus dennoch erkennen können. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Oberflächenstrukturen von SARS-CoV-2 den Oberflächenstrukturen herkömmlicher Coronaviren ähneln.

Im Zuge der Untersuchung wurden Immunzellen aus dem Blut von COVID-19-Patienten und von gesunden Personen, die noch nicht mit dem neuartigen SARS-CoV-2-Virus in Kontakt gekommen sind, entnommen und isoliert.Anschließend wurde die Zellen mit kleinen, künstlich hergestellten Teilen des sogenannten Spike-Proteins (der Proteinstruktur der Virushülle) von SARS-CoV-2 stimuliert.

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Im nächsten Schritt prüften die Forscher, ob die T-Helferzellen durch die Proteinfragmente von SARS-CoV-2 aktiviert wurden. Das Ergebnis: Bei 15 von 18 COVID-19-Erkrankten, also 85 Prozent, reagierten die T-Helferzellen auf die Bruchstücke der Virusoberfläche.

Auch im Blut der Gesunden fanden die Forscher reaktive T-Helferzellen. "Das deutet darauf hin, dass die T-Helferzellen der Gesunden auf SARS-CoV-2 reagieren, weil sie sich in der Vergangenheit mit heimischen Erkältungs-Coronaviren auseinandersetzen mussten“, erklärt Dr. Claudia Giesecke-Thiel, eine der drei leitenden Autoren der Studie. Demnach können T-Zellen nicht nur auf eine bestimmte Virenart reagieren, sondern werden auch dann aktiviert, wenn ein bisher unbekanntes Virus genügend Ähnlichkeiten zu einem Virus aufweist, das bereits vom Immunsystem bekämpft wurde. Das wird als Kreuzreaktion bezeichnet.

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Kreuzreaktion kann positive, aber auch negative Auswirkungen haben

Die Tatsache alleine, dass es bei vielen Menschen zu einer Aktivierung körpereigener T-Zellen bei Kontakt mit SARS-CoV-2 kommt, ist noch kein Indiz dafür, dass die Krankheit besser überwunden wird. Bei Dengue-Viren konnte etwa in früheren Studien gezeigt werden, dass es durch Kreuzreaktionen zu fehlgeleiteten Immunantworten kommt, die den Verlauf sogar noch verschlimmern können. Ob dies auch bei SARS-CoV-2 der Fall ist, gilt es in weiteren Studien noch zu untersuchen.  

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Quellen

 "SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19"
https://www.nature.com/articles/s41586-020-2598-9 (Letzter Zugriff: 10.08.2020)

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