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Neuro-COVID: Wie kommt es zu neurologischen Beschwerden?

COVID-19 Neurologische Beschwerden Antikörper Immunantwort
80% aller Coronapatienten haben neurologische Beschwerden. (peterschreiber.media / iStockphoto)

Mehr als 80 Prozent der Corona-Patienten haben mit neurologischen Beschwerden zu kämpfen. Forscher könnten nun dem Auslöser auf die Spur gekommen sein.

COVID-19 ist mehr als "nur" eine Lungenerkrankung. Seit Ausbruch der Coronaviruspandemie wird beobachtet, dass viele COVID-Patienten unter neurologischen Störungen leiden. Eine neue Untersuchung legt nahe, dass dies mit einer  fehlgeleiteten Immunantwort des Körpers zusammenhängen könnte.

Ein Team von Wissenschaftern der Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen erforschte die Ursache der häufigen neurologischen Komplikationen bei an COVID-19 erkrankten Personen. Die Beschwerden sind breit gefächert: Sie reichen von Riech- und Geschmacksstörungen über Schlaganfälle, Epilepsie und Muskelschwäche bis hin zu Verwirrtheit und Krankheitsbildern, die einer Multiplen Sklerose ähneln. Die Gesamtheit dieser Symptome wird unter dem Begriff "Neuro-COVID" zusammengefasst.

Eine aktuelle Studie aus Chicago fasst das Vorkommen von neurologischen Beschwerden bei COVID-19-Patienten folgendermaßen zusammen:

  • 42,2 Prozent der Patienten zeigten zu Beginn der Erkrankung neurologische Beschwerden.
  • Unter jenen Patienten, die sich einer Behandlung im Krankenhaus unterziehen mussten, waren es sogar 62,7 Prozent.
  • 82,3 Prozent der Patienten entwickelten im Verlauf der Erkrankung (nicht nur zu Beginn) neurologische Beschwerden.
  • Zu den häufigsten Beschwerden zählten Muskelschmerzen (44,8 %), Kopfschmerzen (37,7 Prozent) und diffuse Gehirnschädigungen (31,8 %).

"Wir haben in den vergangenen Monaten gelernt, dass COVID-19 nicht nur eine pulmonale Erkrankung ist, sondern das Virus verschiedene Organe angreift, und dabei in einem besonderen Maße das Gehirn und Nervensystem", erklärt Prof. Dr. Peter Berlit. Der Neurologe betont, dass die Betreuung von COVID-19-Patienten durch Fachärzte seiner Disziplin standardisiert werden sollte, da die neurologischen Symptome oft nur schwer erkennbar sind.

Fehlgeleitete Antikörper könnten der Auslöser sein

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen stellten die deutschen Forscher die Hypothese auf, dass manche Antikörper, die gegen SARS-CoV-2 gebildet werden, zugleich auch fälschlicherweise gesundes Körpergewebe wie das Gehirn angreifen. Derartig fehlgeleitete Antikörper würden sich nicht ausschließlich an das Virus binden – was zur erwünschten Neutralisierung führen würde – sondern, dass sich auch an Strukturen Nervensystems festsetzen können. Die vermutete immunbedingte Schädigung dieser Zellen könnte das Auftreten neurologischer Beschwerden bei COVID-19 plausibel erklären.

+++ Mehr zum Thema: So wirkt sich COVID-19 auf Thrombosen und Embolien aus +++

Impfstoffentwicklung

Die Erkenntnisse sind vor allem in Hinblick auf die zukünftige Impfstoffentwicklung von besonderer Bedeutung: "Als nächstes müssen wir klären, gegen welche körpereigenen Eiweiße sich die SARS-CoV-2-Antikörper genau richten“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Harald Prüß. "Insbesondere in Bezug auf Neuro-COVID, aber auch im Hinblick auf vermeidbare Komplikationen zukünftiger Impfungen, ist eine mögliche Kreuzreaktivität mit körpereigenen Strukturen von großer Bedeutung und muss nun weiter untersucht werden – experimentell sowie an den Antikörpern aus dem Plasma und Liquor von großen Patientenkohorten."  

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Quellen

"A therapeutic non-self-reactive SARS-CoV-2 antibody protects from lung pathology in a COVID-19 hamster modelhttps://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(20)31246-0
Frequent neurologic manifestations and encephalopathy‐associated morbidity in Covid‐19 patients
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/acn3.51210

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