Welle

Covid-19: Aus der Sommer- direkt in die Herbstwelle?

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Die Zahl der Infizierten steigt erneut und das, obwohl der Sommer kommt. Noch wachsen sie langsam, aber so dürfte es nicht bleiben: In Portugal hat man dies in den letzten Wochen beobachten können, obwohl dort mehr Menschen geimpft sind als hierzulande. Die Inzidenzen kletterten dort teilweise auf über 2000.

Verantwortlich scheinen dafür die neuen Omikron-Untervarianten BA.4 und insbesondere BA.5 zu sein. Ihr Anteil steigt auch in der Schweiz kontinuierlich an. Aufgrund weiterer Mutationen entschlüpft das Virus den durch Impfungen und Infektionen gebildeten Abwehrkräften gegenüber früheren Varianten.

Frühere Omikron-Erkrankung schützt nicht vor neuen Varianten

Leider gilt das offenbar auch für all die vielen Menschen, die sich in den letzten Monaten mit vorangegangenen Omikron-Varianten infiziert hatten. Dazu gehören auch die vielen, noch ungeimpften Kinder. Nach dem Wegfall der Massnahmen scheint somit eine Welle im Sommer fast unausweichlich.

Inwieweit Grossveranstaltungen wie Konzerte oder die verstärkte Reisetätigkeit der Bevölkerung das Infektionsgeschehen befeuern, wird sich wohl erst in der Rückschau zeigen.

Schutz vor schweren Verläufen bleibt bestehen

Den Schutz vor schweren Verläufen bieten die Impfungen, die ja gegen die erste Virusvariante entwickelt wurden, indes weiterhin. Nimmt jedoch die Zahl der Infizierten zu, wird auch bei uns die Zahl derer, die schwer erkranken, steigen. Auch das ist bereits in Portugal zu beobachten.

Allerdings ist die Situation nicht Eins zu Eins übertragbar: In Portugal liegt die letzte Spritze bei vielen Geimpften beispielsweise schon deutlich länger zurück als hierzulande. Das scheint sich in der Ansteckungsgefahr als auch der Schwere des Verlaufes niederzuschlagen. Möglicherweise wird die Welle hier also flacher ausfallen.

Gefährdete sollten nicht auf angepasste Impfstoffe warten

Noch gibt es für die breite Bevölkerung noch keine Empfehlung für eine zweite Boosterimpfung. So mancher überlegt zudem, damit zu warten, bis die neuen, angepassten Impfstoffe da sind.

Manche Experten empfehlen allerdings nicht abzuwarten: Für Gefährdete ist es sinnvoller, sich rechtzeitig noch einmal boostern zu lassen, als auf einen vielleicht etwas besseren Schutz durch angepasste Vakzine zu setzen. Hinzu kommt, dass auch die angepassten Impfstoffe, die möglicherweise in den nächsten Monaten zugelassen werden, den Veränderungen des Virus schon jetzt hinterherhinken. „Leider wird einem auch bewusst, dass wir mit einem BA.1 angepassten Impfstoff wohl wieder hinterherlaufen werden“, schrieb die Virologin Prof. Sanda Ciesek am 1. Juni auf Twitter.

Welchen Effekt haben die angepassten Impfstoffe?

Dennoch könnte ein angepasster Impfstoff als vierte Impfung Vorteile in der breiten Bevölkerung haben, da er das Spektrum der Antigene, auf die das Immunsystem trainiert wird, ergänzt und verbreitert. Wie gross dieser Vorteil dann aber tatsächlich ist, muss sich erst zeigen.

Kommen die Massnahmen zurück?

Unabhängig von den Impfungen werden mit steigenden Inzidenzen auch die früheren Massnahmen zur Eindämmung des Virus wieder an Aktualität gewinnen. Derzeit gibt es keine nationalen Massnahmen: Die landesweiten Einschränkungen und Massnahmen wurden aufgehoben. Die Verantwortung für Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung liegt wieder bei den Kantonen. Die Massnahmen können sich daher von Kanton zu Kanton unterscheiden.

Ob und wann nationale Massnahmen wieder eingeführt werden, ist derzeit noch nicht absehbar.

Wirksamkeit vieler Massnahmen schwer einzuschätzen

Weltweit wird zwischenzeitlich eine Vielzahl an Studien zur Wirksamkeit der Massnahmen ausgewertet. Tatsächlich ist dies angesichts einer Datenlage von rund 200.000 Studien eine wahre Herkulesarbeit. Dass zudem die Wirksamkeit schwer zu evaluieren ist, da meist mehrere Massnahmen gleichzeitig anliefen und die verschiedenen Länder nur sehr bedingt vergleichbar sind, macht die Sache nicht leichter. Einzig darüber, dass Masken in Innenräumen sehr wirkungsvoll sind, scheint weitgehend Konsens zu herrschen.

Andererseits bedeutet die Tatsache, dass man die Wirksamkeit einer Massnahme nicht eindeutig nachweisen kann, nicht automatisch, dass sie nicht wirkt.

Was kommt im Herbst?

Was die Welt im Herbst erwartet, kann kein Wissenschaftler vorhersagen. Das Virus verändert sich weiter. Experten spielen jedoch unterschiedliche Szenarien durch. In ihnen sind abhängig von den Eigenschaften dann kursierenden Virusvarianten unterschiedliche starke Schutzmassnahmen nötig. Sie reichen von einem Schutz, der lediglich Risikogruppen betrifft, bis zu erneut breiten und umfangreichen Massnahmen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sich Virenvarianten durchsetzen, die den Ansteckungsschutz durch die Impfungen und durchgemachte Infektionen stärker unterwandern als ihre Vorgänger. Immerhin besteht gute Hoffnung, dass zumindest der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen weiterhin gegeben sein wird.

Auch gefährlichere Varianten sind möglich

„Eine generelle Abschwächung der krankmachenden Eigenschaften (intrinsische Virulenz) von SARS-CoV-2 ist vorstellbar, kann jedoch nicht vorausgesetzt werden“, schreiben die Experten. Es könnten aber auch Mutanten auftauchen, die häufiger mit schweren Verläufen einhergehen als ihre Vorgänger. Beim Auftreten besorgniserregender Varianten müsse man schnell mit entsprechenden Massnahmen reagieren können.

Festzustehen scheint somit nur eines: Auch die Herbstwelle wird anrollen.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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