Patient im Krankenbett

COPD: Schlechter Schlaf begünstigt Krankheitsschübe

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

COPD-Patienten, die schlecht schlafen, tragen ein deutlich höheres Risiko für sogenannte Exazerbationen. Dabei handelt es sich um plötzliche Krankheitsschübe mit verstärkter Atemnot, die den Zustand der ohnehin kranken Lunge auch langfristig verschlechtern können. Das zeigt jetzt eine US-Studie.

Doppeltes Risiko für Krankheitsschübe

Im Vergleich zu Teilnehmern, die gut schliefen, trugen selbst Probanden mit leichten Schlafstörungen ein um 25 Prozent höheres Risiko, innerhalb des darauffolgenden Jahres einen Krankheitsschub zu erleiden. Für Teilnehmer mit den grössten Schlafproblemen war das Risiko mit fast 95 Prozent nahezu doppelt so hoch.

"Wie COPD-Patienten nachts schlafen, sagt viel mehr über das Risiko eines Krankheitsausschubes aus als der Umstand, ob sie 40 oder 60 Jahre lang geraucht haben", sagt der Hauptautor der Studie, Dr. Aaron Baugh von der University of California San Francisco Medical School. "Das ist sehr überraschend und nicht unbedingt das, was ich im Vorfeld erwartet hatte.“

Rauchen sei ein so zentraler Prozess bei COPD, dass er davon ausgegangen sei, dass Tabakkonsum den grössten Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf habe.

Unterschätzter Zusammenhang

Zwar weiss man bereits seit langem, dass Menschen mit COPD häufig Schafprobleme haben. Deren Bedeutung für den Krankheitsverlauf wurde bisher aber offenbar erheblich unterschätzt.

„Wir können allein anhand dieser Studie nicht sagen, ob eine Verbesserung der Schlafqualität die Häufigkeit von Exazerbationen verbessern wird. Was wir jetzt wissen, ist, dass sich diese beiden Dinge gemeinsam zu verändern scheinen“, erklärt Baugh auf Nachfrage von NetDoktor.

Das könnte bedeuten, dass gute Schläfer entweder weniger Exazerbationen haben, weil sie besser schliefen, oder dass sie besser schliefen, weil sie weniger Exazerbationen haben. „Es könnte aber auch ein dritter, noch unbekannter Faktor sein, der sowohl ihren Schlaf als auch ihr Exazerbationsrisiko parallel verbessert hat“, so der Lungenfacharzt.

Schlechter Schlaf, schlechte Abwehrkräfte

Dass Massnahmen zur Schlafverbesserung sich positiv auf das Krankheitsrisiko auswirken, hält der Mediziner jedoch für einleuchtend. „Schlechter Schlaf kann sich negativ auf die Funktion unseres Immunsystems auswirken“, sagt er gegenüber NetDoktor. So zeigten einige Studien, dass Personen, die schlecht schliefen, weniger gut auf Impfungen reagierten.

„Funktioniert das Immunsystems schlecht, ist unser Körper auch weniger in gut der Lage, Infektionen abzuwehren, die die Ursache für mehr als zwei Drittel der Krankheitsschübe sind“, sagt der Forscher. Schlechter Schlaf könnte also Tür und Tor für Exazerbationen bei COPD-Patienten öffnen, da er die Fähigkeit, Infektionen zu bekämpfen, reduziere.

Schlafqualität versus Krankheitsschübe

Für die Studie begleiteten der Lungenspezialist und sein Team 1647 Raucher bzw. ehemalige Raucher mit COPD über einen Zeitraum von drei Jahren. Zu Beginn und im Verlauf der Studie befragten sie die Teilnehmer zu sieben Aspekten ihrer Schlafqualität, darunter Schlafdauer, Bettgehzeit und Häufigkeit von Schlafstörungen.

Abhängig von diesen Angaben teilten sie die Teilnehmer in Gruppen von guten Schläfern bis hin zu extrem schlechten Schläfern ein. Diese ermittelte Schlafqualität glichen die Forschenden am Ende der Studie mit der Zahl der aufgetretenen Exazerbationen bei jedem Teilnehmer ab.

"Unsere Arbeit liefert eine gute Begründung dafür, dem Schlaf mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher", sagte Baugh. Dennoch müssten künftige Untersuchungen zeigen, ob Massnahmen zur Verbesserung des Schlafs das Risiko von Krankheitsschüben tatsächlich reduzierten.

Schlafverbessernde Massnahmen könnten dann künftig Teil der COPD-Behandlung sein, so Baugh, „genau wie offensichtlichere Therapieoptionen wie Inhalatoren.“

Viele Vorteile verbesserter Schlafqualität

Der fehlende Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs sollte Betroffene nicht davon abhalten, sich schon jetzt um einen besseren Schlaf zu kümmern. Das sei sicher kein Fehler, so Baugh. „Es gibt viele Massnahmen, die weder kompliziert noch teuer sind und auch keine offensichtlichen Nebenwirkungen haben.“ Beispielsweise die Empfehlung, zu regelmässigen Zeiten zu Bett zu gehen.

Davon profitieren dann mutmasslich nicht nur die geschädigten Lungen - auch das Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten wird nachweislich reduziert.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Datum :
Autor:

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Aaron Baugh et al.: Risk of COPD exacerbation is increased by poor sleep quality and modified by social adversity, Sleep (2022). DOI: 10.1093/sleep/zsac107
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich