Müder Mann reibt sich die Augen

Albträume können Vorboten von Parkinson sein

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Menschen mit Parkinson leiden häufiger unter Albträumen als andere. Doch treten diese bereits im Vorfeld der Erkrankung verstärkt auf und könnten so ein frühes Warnsignal sein? Auf diese Frage liefert jetzt eine Untersuchung der Universität Birmingham Hinweise.

Für die Untersuchung verfolgte das Team um Dr. Abidemi I. Otaiku Daten von 3818 Männern über einen Zeitraum von insgesamt 12 Jahren. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie im Schnitt 77 Jahre alt, ohne Parkinsondiagnose und in der Lage, ihr Leben eigenständig und unabhängig zu gestalten. 91 von ihnen erkrankten im Studienzeitraum an Parkinson.

Zu Beginn der Studie und zu zwei weiteren Zeitpunkten beantworteten die Männer unter anderem Fragen zu ihrer Schlafqualität.

Doppelt so hohes Parkinsonrisiko

Nachdem die Forscher die Daten um Einflussfaktoren wie Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Medikamenteneinnahme und weitere Schlafstörungen (z.B. Ein- und Durchschlafstörungen) bereinigt hatten, fanden sie tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Albtraumfrequenz und Parkinsonrisiko.

So erkrankten die 368 Teilnehmer, die mindestens einmal wöchentlich schlecht träumten, mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb von fünf Jahren an Parkinson, wie jene Teilnehmer, die nur selten oder nie Albträume hatten.

Frühe Symptome von Parkinson

Damit scheint wahrscheinlich, dass häufigere Albträume tatsächlich Vorboten von Parkinson sein könnten – zumindest bei älteren Männern. Ob dieser Zusammenhang auch für jüngere Menschen und Frauen gilt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Die Studie zeigt auch, dass unsere Träume wichtige Informationen über unsere Gehirnstruktur und -funktion preisgeben können und fruchtbare Ziele für die neurowissenschaftliche Forschung sind.

"Menschen, die im Alter ohne offensichtlichen Anlass Veränderungen in ihren Träumen erleben, sollten sich ärztlich untersuchen lassen“, rät Studienhauptautor Otaiku. Weitere Frühwarnzeichen für Parkinson können Veränderungen oder Verlust des Geruchssinnes sowie Änderungen im Schriftbild sein.

Früher Therapiebeginn könnte Krankheitsfortschritt verlangsamen

Parkinson-Symptome wie Zittern und andere Bewegungsstörungen sind auf den Untergang der Dopamin-produzierenden Zellen in der Substantia nigra des Gehirns zurückzuführen. Noch gibt es zwar keine Medikamente, die diesen Zelluntergang verhindern können. Doch beeinflusst ein früher Therapiebeginn den Krankheitsverlauf günstig.

Die Forscher planen, mit Hilfe von Elektroenzephalogrammen (EEG) die biologischen Ursachen für die Traumveränderungen herauszufinden. Zudem wollen sie mögliche weitere Zusammenhänge zwischen Träumen und anderen neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer untersuchen.

Männer doppelt so häufig betroffen

Parkinson tritt meist im Alter von über 65 Jahren auf, kann aber auch deutlich jüngere Menschen treffen. Männer erkranken mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit daran wie Frauen. Die Krankheit ist meist erblich bedingt. Es können aber auch häufigere Kopf- und Hirnverletzungen, beispielsweise bei Boxern und Football-Spielern, Schlaganfälle, Vergiftungen und Tumore Parkinson begünstigen.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Abidemi I. Otaiku et al.: Distressing dreams and risk of Parkinson's disease: A population-based cohort study
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