Seroquel

Von NetDoktor Redaktion
Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Seroquel ist ein Medikament, das bei psychischen Erkrankungen angewendet wird. Es hilft vor allem Patienten mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Wirkung und Anwendung des Arzneimittels, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

Dieser Wirkstoff steckt in Seroquel

Der Seroquel-Wirkstoff heisst Quetiapin. Er gehört zur Gruppe der atypischen Antipsychotika und interagiert mit zahlreichen Andockstellen von Nervenbotenstoffen (Neurotransmitter-Rezeptoren) im zentralen Nervensystem.

Seine Wirkung bei Schizophrenie und bipolarer Störung wird vor allem auf die Hemmung der Serotonin- und Dopamin-Rezeptoren zurückgeführt. Auf diese Weise werden die antidepressiven und antipsychotischen Effekte vermittelt (antipsychotisch = wirksam gegen Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Verwirrungszustände etc.).

Dabei verursacht Seroquel weniger sogenannte extrapyramidale Nebenwirkungen (Bewegungsstörungen) als ältere Antipsychotika.

Wann wird Seroquel angewendet?

Das Medikament wird zur Behandlung angewendet bei:

  • Schizophrenie (komplexe psychische Erkrankung, die das Denken, die Wahrnehmung und andere Prozesse beeinträchtigt)
  • Bipolarer Störung (Erkrankung, bei der abwechselnde, nicht kontrollierbare Gemütszustände in ihren Extremen auftreten, auch bekannt als manisch-depressive-Erkrankung)
  • Depressionen

Welche Nebenwirkungen hat Seroquel?

Die häufigsten Seroquel-Nebenwirkungen sind Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit, Bewegungsstörungen und Veränderungen der Cholesterinwerte.

Häufig bedingt die Einnahme von Seroquel Gewichtszunahme, gesteigerten Appetit und Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme). Auch eine Veränderung des Hormonspiegels, eine Beschleunigung des Herzschlags, verschwommenes Sehen, Beschwerden beim Atmen und ein Abfall des Blutdrucks sind möglich.

Gelegentlich wurde von Überreaktionen des Immunsystems, der Ausbildung von Diabetes, Krampfanfällen, kurzer Bewusstlosigkeit, Verlangsamung des Herzschlags, Entzündung der Nasenschleimhaut, Schluckbeschwerden, Beeinträchtigungen der Urinausscheidung und sexuellen Funktionsstörungen berichtet.

Seltene Seroquel-Nebenwirkungen sind Blutgerinnsel in Venen, Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Leberentzündung (Hepatitis), ein Darmverschluss, eine schmerzhafte Dauererektion, Menstruationsstörungen sowie Unterkühlung.

Äusserst selten verursacht die Arznei eine starke Unverträglichkeitsreaktion mit Atemwegsschwellung, Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit oder die Auflösung der Skelettmuskulatur.

Daneben können während der Einnahme auch psychische Beschwerden entstehen. Dazu zählen nicht begründbare Ängste, Albträume und Suizidgedanken, die sich in seltenen Fällen bis hin zu suizidalem Verhalten entwickeln können.

Treten bei Ihnen Symptome dieser Art oder nicht genannte Nebenwirkungen auf suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf. Er wird mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen.

Ein abruptes Absetzen ohne vorherige schrittweise Reduzierung der Seroquel-Dosis kann Schlaflosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel und Gereiztheit hervorrufen.

Das sollten Sie bei der Anwendung von Seroquel beachten

Die Seroquel-Dosierung hängt von der Art und Schwere der zu behandelnden Erkrankung ab. Der Arzt passt sie individuell an den Patienten an. Dabei sollte eine Tagesgesamtdosis von 800 mg nicht überschritten werden.

Die Tagesdosis der normalen Tabletten wird auf mehrere Einzeldosierungen aufgeteilt, welche jeweils mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden sollten. Seroquel-Retardtabletten (setzen den Wirkstoff verzögert frei) werden einmal täglich eine Stunde vor dem Essen eingenommen.

Die Retardtabletten dürfen nicht zerstossen, zerkleinert oder geteilt werden, weil sonst die zeitlich verzögerte Wirkstofffreisetzung verloren geht.

Seroquel: Gegenanzeigen

Das Arzneimittel Seroquel darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem enthaltenen Wirkstoff oder sonstigen Bestandteilen der Arznei
  • gleichzeitiger Einnahme von starken CYP3A4-Hemmstoffen, z.B. einige HIV-Medikamente, Antipilzmittel aus der Gruppe der Azole (wie Ketoconazol und Itraconazol), Makrolidantibiotika (wie Erythromycin und Clarithromycin)

Seroquel: Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

In manchen Fällen muss der behandelnde Arzt besonders sorgfältig überlegen, ob eine Anwendung von Seroquel sinnvoll wäre. Das gilt bei Menschen mit:

  • vorbekannten Herzkreislaufproblemen (z.B. Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck)
  • Schlaganfällen
  • Störungen der Leberfunktion
  • vorbekannten Krampfanfällen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Auffälligkeiten im Blutbild (v.a. im Hinblick auf die weissen Blutkörperchen)
  • Demenz

Wenn Ihr Arzt Ihnen Seroquel verschreiben möchte und Sie bereits andere Medikamente einnehmen, sollten Sie ihn darüber informieren. Das gilt besonders bei:

  • Mitteln zur Behandlung von Epilepsie (Krampfanfällen)
  • Medikamenten, die den Blutdruck oder die Herzaktivität beeinflussen
  • Arzneimitteln zur Behandlung von Schlafstörungen
  • andere antipsychotisch wirksamen Mitteln (Thioridazin- oder Lithium-haltige Präparate)

Nehmen Sie die Arznei nicht zusammen mit alkoholischen Getränken ein, da die gleichzeitige Einnahme beider Substanzen zu einer übermässig starken Schläfrigkeit führen kann.

Seroquel: Schwangerschaft und Stillzeit

Die veröffentlichten Daten zu Schwangerschaften sprechen gegen ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen durch die Einnahme von Seroquel. Die derzeitige Datenlage lässt jedoch keine definitive Schlussfolgerung zu.

Neugeborene, die während des letzten Schwangerschaftsdrittels Antipsychotika einschliesslich Seroquel ausgesetzt waren, haben ein grösseres Risiko für extrapyramidale Bewegungsstörungen, Agitiertheit und Probleme bei der Nahrungsaufnahme.

Sollte Seroquel in der Stillzeit angewendet werden müssen, kann frühzeitiges Abstillen sinnvoll sein, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und so auf das Kind übertragen werden kann. Experten des Pharmakovigilanz - und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin bewerten die Monotherapie des Seroquel-Wirkstoffes unter guter Beobachtung des Kindes als akzeptabel.

Seroquel: Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Seroquel wirkt im zentralen Nervensystem und kann die Fähigkeit, Tätigkeiten auszuführen, die Aufmerksamkeit erfordern, einschränken. Mit dem Bedienen von Fahrzeugen und Maschinen sollten Sie deshalb warten, bis klar ist, wie Ihr Körper auf das Medikament reagiert.

Seroquel: Kinder und Jugendliche

Die Einnahme von der Seroquel-Tabletten und Seroquel-Retardtabletten wird aufgrund der Studienlage in Deutschland und Österreich bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen.

In der Schweiz darf Seroquel zur Behandlung der Schizophrenie ab einem Alter von 13 Jahren, zur Behandlung der bipolaren Störung ab einem Alter von zehn Jahren eingesetzt werden. Dies gilt allerdings nur für die nicht-retardierten Tabletten.

So erhalten Sie Seroquel

Seroquel ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz als verschreibungspflichtiges Medikament gegen Vorlage eines Rezepts in der Apotheke erhältlich. Es kann in unterschiedlichen Wirkstoffkonzentrationen (25 mg bis 400 mg) erworben werden.

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Fachinformation: Seroquel und Seroquel-XR, unter: www.swissmedicinfo.ch (Abruf: 28.12.2021).
  • Fachinformation: Seroquel, unter: www.fachinfo.de (Abruf: 28.12.2021).
  • Fachinformation: Seroquel-XR, unter: www.fachinfo.de (Abruf: 28.12.2021).
  • Gerlach, M. et al. Neuro-/Psychopharmaka im Kindes- und Jugendalter: Grundlagen und Therapie, Springer Verlag GmbH, Berlin-Heidelberg, 3. Auflage, 2016.
  • Gründer, G. et Benkert, O.: Handbuch der Psychopharmakotherapie, Springer Verlag GmbH, Berlin-Heidelberg, 2. Auflage, 2012.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Quetiapin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 28.12.2021).
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich