Prednison

Von Felix Hintermayer
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Prednison ist ein künstlich hergestelltes Glukokortikoid ("Kortison") mit entzündungshemmender, antiallergischer und immunsuppressiver Wirkung. Der Wirkstoff wird gezielt zur Abschwächung der Immunabwehr und zur Behandlung von Entzündungsreaktionen verabreicht. Hier erfahren Sie mehr über Anwendung und Wirkung von Prednison, seine Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

So wirkt Prednison

Glukokortikoide wie Prednison haben vielfältige Wirkungen im Körper. Unter anderem hemmen sie das Immunsystem (immunsuppressive Wirkung) und helfen so gegen allergische Reaktionen. Ausserdem wirken sie entzündungshemmend und antiallergisch, indem sie die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen (wie Zytokinen) verhindern.

Diese besonderen Eigenschaften macht man sich bei einer Vielzahl verschiedener Erkrankungen zunutze. Als sogenanntes Prodrug ist Prednison an sich inaktiv - es wird erst in der Leber in seine aktive Form, Prednisolon, umgewandelt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Prednison wird innerlich (systemisch) angewendet, etwa in Form von Tabletten oder Zäpfchen. Ausserdem kann es für einen schnelleren Wirkungseintritt auch direkt in eine Vene verabreicht werden.

Über den Magen-Darm-Trakt wird der Wirkstoff schnell und vollständig ins Blut aufgenommen. Nach seiner Umwandlung in Prednisolon in der Leber wird er später ebenfalls in der Leber zu unwirksamen Stoffwechselprodukten abgebaut, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden.

Die Wirkung des Glukokortikoids hält relativ lange an (18 bis 36 Stunden).

Wann wird Prednison angewendet?

Prednison wird bei unterschiedlichsten Indikationen angewendet. Einige Beispiele:

  • allergische Erkrankungen
  • rheumatische Erkrankungen
  • Hörsturz
  • Augenerkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Erkrankungen der Leber und Nieren
  • Erkrankungen der Haut

Ausserdem kann das Glukokortikoid einen Mangel an Cortison (Cortisol) im Körper ausgleichen (Substitutionstherapie). Ein solcher kann aufgrund einer Funktionsschwäche der Nebennieren (Nebenniereninsuffizienz) entstehen.

So wird Prednison angewendet

Prednison wird in unterschiedlichsten Darreichungsformen (etwa als Tablette, Injektion oder Infusion) und unterschiedlichen Dosierungen angewendet. Der Arzt entscheidet im Einzelfall und je nach Art und Schwere der zu behandelnden Erkrankung, welches Präparat in welcher Dosis am sinnvollsten ist.

Prinzipiell sollten Glukokortikoide wie Prednison wo kurz und so niedrig dosiert wie möglich gegben werden. Bei längerer Anwendung ist es wichtig, den Tagesrhythmus der körpereigenen Kortisonproduktion zu berücksichtigen. Dementsprechend wird die Hauptdosis des Medikaments in der Regel morgens eingenommen (wenn die Nebennierenrinde normalerweise grössere Mengen an Kortison ausschüttet).

Zum Beenden einer längeren Anwendung dürfen Glukokortikoide wie Prednison nicht abrupt abgesetzt werden. Stattdessen ist ein "Ausschleichen" notwendig. Die Dosis wird also schrittweise verringert.

Im akuten Notfall (z.B. bei einem anaphylaktischen Schock) wird der Wirkstoff möglichst kurz in hoher Dosierung verabreicht.

Welche Nebenwirkungen hat Prednison?

Da Glukokortikoide wie Prednison viele Organe und Organsysteme beeinflussen, sind auch die möglichen Nebenwirkungen vielfältig. Sie sind unter anderem abhängig von der Darreichungsform, der Dosierung und der Anwendungsdauer.

Mögliche Nebenwirkungen bei der längeren systemischen Anwendung von Prednison oder anderen Glukokortikoiden sind zum Beispiel:

  • Anstieg des Blutzuckerspiegels, was mit der Zeit zu einer Gewichtszunahme und Diabetes mellitus führen kann
  • vermehrte Wasseransammlung im Körper (Ödembildung)
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Hautveränderungen (wie Gewebeschwund, Wundheilungsstörungen, Steroidakne)
  • Magengeschwüre
  • psychische Veränderungen (wie Schlafstörungen, Nervosität, Depressionen)
  • Umverteilung des Fettgewebes (sog. Stammfettsucht)
  • Osteoporose

Bei kurzfristiger Einnahme sind Glukokortikoide in aller Regel sehr gut verträglich.

Was ist bei der Anwendung von Prednison zu beachten?

Eine Therapie mit Prednison erfordert in bestimmten Fällen eine sorgfältige Überwachung. Das gilt zum Beispiel bei schwerem Bluthochdruck, insulinpflichtigem Diabetes mellitus, schwerer Osteoporose, bestehenden Infektionen (wie Herpes-Infektionen), erheblicher Neigung zu Blutgerinnseln (Thrombosen) und aktiven Magen-Darm-Geschwüren.

Bei einer Langzeitbehandlung mit Glukokortikoiden wie Prednison kann der Arzt zur Vorbeugung von Nebenwirkungen weitere Medikamente verordnen. Dazu gehören zum Beispiel Insulin (gegen erhöhten Blutzuckerspiegel bei Diabetes), blutdrucksenkende Mittel (gegen Hypertonie),  Protonenpumpenhemmer (gegen Magengeschwüre) sowie Bisphosphonate, Vitamin D und Kalzium (gegen Osteoporose).

Gegenanzeigen

Prednison darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments

In Situationen, in denen die Verabreichung von Glukokortikoiden lebensrettend sein kann, bestehen im Allgemeinen keine Kontraindikationen.

Wechselwirkungen

Prednison kann mit anderen Arzneimitteln wechselwirken, was sein Wirkprofil oder das der anderen Substanz verändern kann.

So erhöht sich zum Beispiel bei gleichzeitiger Anwendung von nicht-steroidalen Entzündungshemmern und Schmerzmitteln (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac) das Risiko für Magengeschwüre.

Werden Glukokortikoide wie Prednison zusammen mit Abführmitteln (Laxanzien), harntreibenden Mitteln (Diuretika) oder Amphotericin B (Antipilzmittel) angewendet, steigt das Risiko für einen Kaliummangel (Hypokaliämie).

Barbiturate (zur Narkose und gegen Epilepsie), Rifampicin (Antibiotikum gegen Tuberkulose), Ketoconazol (Antipilzmittel) und Clarithromycin (Antibiotikum) sowie zahlreiche andere Wirkstoffe, die mit dem abbauenden Enzym CYP3A4 wechselwirken, verstärken oder vermindern den Abbau von Prednison, sodass dessen Dosis eventuell erhöht oder erniedrigt werden muss.

Die gleichzeitige Anwendung von Aktivkohle (gegen Durchfall und Vergiftungen), Antazida (gegen säurebedingte Magenbeschwerden wie Sodbrennen) oder Colestyramin (Cholesterinsenker) beeinträchtigt die Aufnahme von Glukokortikoiden wie Prednison.

Werden gleichzeitig Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (wie Warfarin und Phenprocoumon) eingenommen, sollte die Blutungszeit engmaschig überwacht werden.

Prednison kann die Wirkung von Antidiabetika und Somatropin (Wachstumshormon bei Minderwuchs) vermindern. Umgekehrt verstärkt Prednison die Nebenwirkungen von (Hydroxy)-Chloroquin und Mefloquin (erhöhtes Risiko für Muskelerkrankungen), Fluorchinolonen (Antibiotika; erhöhtes Risiko für Sehnenbeschwerden) und ACE-Hemmern (vermehrte Blutbildveränderungen).

Altersbeschränkung

Prednison kann bei Notwendigkeit bereits ab dem Säuglingsalter angewendet werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Prednison darf in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn es notwendig ist.

Das Gleiche gilt für die Stillzeit. Der Wirkstoff geht nur in geringen Mengen in die Muttermilch über, eine Einschränkung des Stillens ist nicht notwendig. Muss der Mutter wiederholt eine hohe Dosis verabreicht werden, sollte danach jeweils drei bis vier Stunden mit dem Stillen gewartet werden.

Prednison gehört zu den Glukokortikoiden der Wahl in der Schwangerschaft und Stillzeit.

So erhalten Sie Medikamente mit Prednison

Prednison ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig, also nur nach Vorlage eines ärztlichen Rezepts in der Apotheke erhältlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Hoffmann, J.C. et al.: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2009.
  • Kaiser, H. et Kley, H.K.: Cortisontherapie, 11. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Maner, B. et Schulze-Koops, H.: Checkliste Rheumatologie, 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2012.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Prednison, unter: www.embryotox.de (Abruf: 09.01.2022).
  • Plötz, H.: Kleine Arzneimittellehre, 4. Auflage, Springer-Verlag, 2013.
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