Pramipexol

Von , Apotheker, Arzt
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Pramipexol wird zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Er ahmt als sogenannter Dopaminagonist die Wirkung des natürlich vorkommenden Botenstoffs Dopamin nach. Das Parkinson-Mittel wird bei Patienten unter 70 Jahren als Therapiestandard empfohlen. Hier lesen Sie alles Wichtige zu Wirkung und Anwendung von Pramipexol, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

So wirkt Pramipexol

Die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) geht mit einer Störung der Bewegungsabläufe und einer Bewegungsarmut einher. Sie basiert im Wesentlichen darauf, dass bestimmte Regionen des Gehirns absterben, die diese Bewegungen steuern.

Die sogenannte "schwarze Substanz" (Substantia nigra) im Mittelhirn besteht zu einem grossen Teil aus Nervenzellen (Neuronen), die den Botenstoff Dopamin produzieren und über diesen mit weiteren Nervenzellen kommunizieren. Zum einen bilden sie einen Regelkreis mit sich selbst, um die Ausschüttung des Botenstoffs zu steuern. Zum anderen stehen sie mit anderen Teile des Gehirns (vor allem das Striatum) in Verbindung, um Bewegungsabläufe zu koordinieren.

Im Frühstadium der Parkinson-Krankheit wirkt Pramipexol hauptsächlich auf den Regelkreis zur Selbststeuerung ein. Indem es ein ausreichendes Vorhandensein von Dopamin vortäuscht, verhindert es, dass die noch vorhandenen Nervenzellen sich überanstrengen und bis zur Erschöpfung Dopamin produzieren.

Im Spätstadium der Parkinson-Krankheit ist bereits ein grosser Teil der Dopamin-ausschüttenden Zellen in der Substantia nigra abgestorben. In diesem Fall wirkt Pramipexol direkt an den Nervenzellen des Striatums als Ersatz für das einstmals dorthin ausgeschüttete Dopamin.

Studien zeigen, dass Pramipexol wie auch Levodopa, das ebenfalls bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird, auch zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms (RLS, Syndrom der "unruhigen Beine") verwendet werden kann.

Neuere Beobachtungen deuten überdies auf eine positive Beeinflussung von Depressionen und bipolaren Störungen hin.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach der Einnahme wird Pramipexol über den Darm fast vollständig in die Blutbahn aufgenommen, wo es nach einer bis drei Stunden die höchsten Spiegel erreicht. Von dort aus gelangt es über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn.

Pramipexol wird im Körper nicht wesentlich abgebaut. Nach acht bis zwölf Stunden ist etwa die Hälfte des Wirkstoffs über die Nieren mit dem Urin unverändert ausgeschieden.

Wann wird Pramipexol eingesetzt?

Pramipexol ist zugelassen zur Behandlung der Parkinson-Krankheit, sowohl alleine als auch in Kombination mit Levodopa. Es kann mitunter den bei Levodopa im späteren Behandlungsverlauf typischen Wirkungsschwankungen ("On-Off-Phänomen") entgegenwirken beziehungsweise diese abmildern.

Ausserdem ist Pramipexol zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms zugelassen.

Die Anwendung erfolgt kontinuierlich und längerfristig. Im Verlauf der Behandlung wird oft eine Dosissteigerung notwendig.

So wird Pramipexol angewendet

Das Parkinson-Mittel Pramipexol wird in Form von Tabletten eingenommen. Der Therapiebeginn erfolgt einschleichend, das heisst, es wird mit einer niedrigen Dosierung begonnen, die dann langsam auf die optimale Dosierung gesteigert wird.

Die Einnahme erfolgt morgens, mittags und abends unabhängig von den Mahlzeiten. Die maximale Tagesgesamtdosis beträgt 3,3 Milligramm Pramipexol (berechnet als Salzform 4,5 Milligramm). Bei der Kombination mit Levodopa werden üblicherweise niedrigere Dosierungen benötigt.

Tabletten mit einer verzögerten Wirkstofffreisetzung (Retard-Tabletten) müssen nur einmal täglich eingenommen werden. Sie setzen den Wirkstoff langsam über den Tag verteilt frei.

Zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms wird eine niedrige Dosierung einmal täglich zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen.

Welche Nebenwirkungen hat Pramipexol?

Die Therapie mit Pramipexol bringt ebenso wie viele andere Parkinson-Therapien auch Nebenwirkungen mit sich.

Bei über zehn Prozent der Patienten kommt es zu Übelkeit, Schwindel, Bewegungsstörungen und Schläfrigkeit.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Impulskontrollstörungen, zwanghaftes Verhalten, Verwirrtheit, Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen, niedriger Blutdruck, Verstopfung, Erbrechen, Müdigkeit, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Gewichtsabnahme und verminderter Appetit.

Was ist bei der Einnahme von Pramipexol zu beachten?

Gegenanzeigen

Pramipexol darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments

Wechselwirkungen

Pramipexol geht kaum Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen ein, da er vom Körper nicht beziehungsweise kaum abgebaut wird.

Allerdings können Wirkstoffe, welche die Ausscheidung über die Niere blockieren, zu erhöhten Pramipexol-Blutspiegeln führen. In der Folge kann es notwendig sein, die Dosierung des Parkinson-Mittels zu verringern.

Zu diesen Wirkstoffen zählen beispielsweise Cimetidin (Mittel gegen Sodbrennen), das Parkinson- und Grippe-Mittel Amantadin, die auf den Herzrhythmus wirkenden Arzneistoffe Mexiletin, Chinidin und Procainamid, das HIV-Medikament Zidovudin und das Krebsmedikament Cisplatin.

Wirkstoffe gegen Psychose und Schizophrenie sollten nicht mit Pramipexol kombiniert werden. Der Grund: Sie haben eine exakt gegenteilige Wirkung und verschlechtern damit die Parkinson-Krankheit.

Fahrtüchtigkeit und Bedienen schwerer Maschinen

Es kann unter der Therapie mit Pramipexol zum Auftreten von Schlafattacken kommen. Während der Behandlung sollten Patienten daher keine Fahrzeuge führen und keine schweren Maschinen bedienen.

Altersbeschränkung

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Pramipexol bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht erwiesen. In den zugelassenen Anwendungsgebieten gibt es für diese Altersgruppe keinen relevanten Nutzen einer Therapie mit dem Wirkstoff.

Ältere Patienten und Patienten mit leichten bis mittelschweren Nierenfunktionsstörungen dürfen Pramipexol einnehmen. Bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen muss die Dosierung verringert werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere und Stillende sollten Pramipexol nicht einnehmen. Die Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments bei diesen Personengruppen wurden nicht ausreichend untersucht.

So erhalten Sie Medikamente mit Pramipexol

Medikamente mit dem Wirkstoff Pramipexol sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz in jeder Dosierung verschreibungspflichtig.

Seit wann ist Pramipexol bekannt?

In Deutschland wurde Pramipexol erstmals 1997 auf den Markt gebracht. Seit 2009 ist der Patentschutz ausgelaufen. In der Folge kamen zahlreiche Generika mit dem Wirkstoff Pramipexol in den Handel.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Friese, K. et al.: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 8. Auflage, 2016.
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