Phenylbutazon

Von Felix Hintermayer
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Phenylbutazon ist ein starkes Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen-Antirheumatika. Neben Schmerzen kann es auch Fieber und Entzündungen lindern. Aufgrund der schweren Nebenwirkungen wird der Wirkstoff mittlerweile aber nur noch in bestimmten Fällen von Gicht, Morbus Bechterew und rheumatoider Arthritis angewendet. Lesen Sie hier alles Wichtige über Phenylbutazon.

So wirkt Phenylbutazon

Phenylbutazon hemmt die Bildung von Prostaglandinen. Diese Gewebshormone sind wesentlich an der Entstehung von Schmerz, Fieber und entzündlichen Reaktionen beteiligt.

Der Wirkstoff blockiert Enzyme, die für die Synthese der Prostaglandine unerlässlich sind (Cyclooxygenasen, kurz: COX). Auf diese Weise wirkt Phenylbutazon schmerzstillend (analgetisch), fiebersenkend (antipyretisch) und entzündungshemmend (antiphlogistisch).

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach oraler Einnahme wird der Wirkstoff schnell und vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen. In der Leber wird er teilweise zu dem ebenfalls entzündungshemmenden Oxyphenbutazon abgebaut.

Ausgeschieden werden der Wirkstoff und seine Abbauprodukte vor allem über die Niere mit dem Harn.

Phenylbutazon verbleibt sehr lange im Körper. Erst etwa 50 bis 100 Stunden nach der Einnahme ist es zur Hälfte wieder ausgeschieden (Halbwertszeit).

Wann wird Phenylbutazon angewendet?

Phenylbutazon darf aufgrund der starken Nebenwirkungen nur angewendet werden bei folgenden Krankheitsbildern angewendet werden, wenn die Patienten auf sonstige Therapien nicht ansprechen (therapierefraktär):

So wird Phenylbutazon angewendet

Phenylbutazon stand früher in Form von Tabletten, Dragees, Zäpfchen und Lösungen (zur Injektion) zur Verfügung. Mittlerweile gibt es in Deutschland nur noch ein Fertigpräparat zur Injektion.

Die Dosierung wird vom Arzt festgelegt. Üblich ist eine einmalige Injektion von 400 Milligramm Phenylbutazon. Bei ausnahmsweise längerer Anwendung werden regelmässig Blutbildkontrollen empfohlen.

Phenylbutazon sollte so kurzzeitig wie möglich angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen hat Phenylbutazon?

Nebenwirkungen sind häufig. Rund 20 bis 30 Prozent der Patienten entwickeln unerwünschte Reaktionen auf den Wirkstoff. Dazu gehören Störungen der Blutbildung wie ein Mangel an weissen Blutkörperchen (Leukozyten) und eine sehr starke Verminderung der Leukozyten-Untergruppe der Granulozyten.

Mögliche Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt sind Übelkeit, Erbrechen sowie Entstehung oder Aktivierung von Geschwüren mit Blutungen. Als weitere Nebenwirkungen können zum Beispiel Schwindel, Seh- und Hörstörungen sowie Benommenheit auftreten.

Weil durch die Gabe des Wirkstoffes ausserdem Wasser und Kochsalz im Körper zurückgehalten werden, kommt es zu Gewebsschwellungen (Ödeme) und Gewichtszunahme. Vereinzelt entwickeln sich auch Leber- und Nierenschäden.

Manche Patienten reagieren zudem allergisch auf den Wirkstoff, was sich zum Beispiel mit Hauterscheinungen und Asthmaanfällen äussern kann.

Was ist bei der Anwendung von Phenylbutazon zu beachten?

Gegenanzeigen

Phenylbutazon darf nicht angewendet werden bei:

  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, anderen Pyrazolonen oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • Überempfindlichkeit gegenüber NSAR (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac)
  • ungeklärten oder aktiven Blutungen
  • zwei oder mehr Magen-Darm-Blutungen in der Vergangenheit
  • allgemeiner Blutungsneigung
  • Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • schwerer Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Phenylbutazon und anderen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen.

So verringert zum Beispiel der Cholesterinsenker Cholestyramin die Aufnahme von Phenylbutazon über den Verdauungstrakt. Bei gleichzeitiger Anwendung des Epilepsie-Mittels Phenytoin steigt dessen Blutspiegel.

Ausserdem verstärkt Phenylbutazon die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin und oralen Diabetes-Medikamenten sowie die gerinnungshemmende Wirkung von Antikoagulanzien.

Des Weiteren beeinträchtigt Phenylbutazon die Ausscheidung von Methotrexat (Mittel bei Krebs und nach Transplantationen), sodass sich giftige Mengen davon im Körper ansammeln können.

Altersbeschränkung

Phenylbutazon darf bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Weil Phenylbutazon so vielfältige Nebenwirkungen haben kann und es besser verträgliche Alternativen gibt, darf der Wirkstoff in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Der Wirkstoff tritt in die Muttermilch über und darf gemäss Fachinformation auch in der Stillzeit nicht eingesetzt werden.

Experten des Pharmakovigilanz - und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin empfehlen, generell Ibuprofen und Paracetamol den Vorzug zu geben. Einzeldosen von Phenylbutazon erfordern jedoch keine Einschränkung des Stillens.

So erhalten Sie Medikamente mit Phenylbutazon

Phenylbutazon unterliegt in Deutschland der Rezeptpflicht. In Österreich und der Schweiz sind keine Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff mehr registriert. Arzneimittel für Tiere sind davon nicht betroffen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Gallacchi, G.: Schmerzkompendium, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2005.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Lüllmann, H. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, 16. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2006.
  • Manger, B. et Schulze-Koops, H.: Checkliste Rheumatologie, 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2012.
  • Meyers, F.H. et al.: Lehrbuch der Pharmakologie, Springer-Verlag, 2013.
  • Oberdisse, E.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Teil 2, Springer-Verlag, 2013.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Phenylbutazon, unter: www.embryotox.de (Abruf: 15.01.2022).
  • Waldvogel, H.H.: Analgetika Antinozizeptiva Adjuvanzien: Handbuch für die Schmerzpraxis, Springer-Verlag, 2013.
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