Ondansetron

Von Lisa Hein
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Ondansetron ist ein antiemetisches Mittel, also ein Medikament, das Übelkeit unterdrückt und somit das Erbrechen verhindert. Der Wirkstoff blockiert dazu selektiv bestimmte Serotonin-Rezeptoren. Es wird unter anderem gegen Übelkeitsanfälle während einer Chemotherapie oder Strahlentherapie bei Krebspatienten eingesetzt. Lesen Sie hier alles Wichtige über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Ondansetron!

So wirkt Ondansetron

Ondansetron ist ein Antiemetikum (brechreizlinderner Wirkstoff) aus der Gruppe der Setrone. Es blockiert zentrale (im zentralen Nervensystem = Gehirn und Rückenmark befindliche) und periphere (ausserhalb des zentralen Nervensystems befindliche) Andockstellen für den Nervenbotenstoff Serotonin.

Erbrechen wird im Gehirn ausgelöst (im sogenannten Brechzentrum), und zwar indem der Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) Serotonin an bestimmten Andockstellen bindet, den 5HT3-Rezeptoren.

Ondansetron kann ebenfalls an diesen Rezeptoren andocken, ohne dass dadurch aber der Brechreiz ausgelöst wird. Indem der Wirkstoff die Rezeptoren besetzt, kann Serotonin nicht mehr andocken – das Erbrechen wird unterdrückt.

Da das Antiemetikum die Andockstelle jedoch nur kompetitiv hemmt, also ein Konkurrenzkampf um die Bindestellen am Rezeptor entsteht, müssen stets ausreichend grosse Mengen des Wirkstoffes im Körper vorliegen, um die Serotoninwirkung zu unterdrücken.

Viele Krebsmedikamente, die bei einer Chemotherapie verabreicht werden, sowie auch eine Strahlentherapie können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Sie setzen nämlich Serotonin aus speziellen Zellen im Dünndarm (enterochromaffine Zellen) frei. Dies kann zusätzlich zu einer Serotonin-Freisetzung direkt im Brechzentrum im Sinne eines sich selbst verstärkenden Effekts führen - ein Teufelskreis entsteht.

Setrone wie Ondansetron wurden mit dem Ziel entwickelt, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Damit konnte eine entscheidende Wende bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, die durch Chemo- oder Strahlentherapie ausgelöst wurden, erreicht werden. Durch die Kombination mit weiteren Antiemetika lässt sich die Wirkung sogar noch verstärken.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Ondansetron wird entweder über den Mund eingenommen (orale Anwendung) und dann über die Darmwand ins Blut aufgenommen oder direkt als Infusion in eine Vene eingebracht (intravenöse Anwendung). Über die Blutbahn gelangt der Wirkstoff ins Gehirn.

Er wird fast vollständig in der Leber abgebaut und dann zu 80 Prozent mit dem Urin und zu 20 Prozent über die Galle mit dem Stuhl ausgeschieden. Nach etwa drei Stunden hat die Hälfte des Wirkstoffes den Körper wieder verlassen (Halbwertszeit).

Wann wird Ondansetron eingesetzt?

Ondansetron wird verwendet zur:

  • Behandlung und Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen während einer Chemo- oder Strahlentherapie
  • Behandlung und Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen

So wird Ondansetron angewendet

Normalerweise erhalten Patienten vier bis acht Milligramm des Antiemetikums oral oder intravenös. Die Wirkung hält einige Stunden an, dann kann eine erneute Dosis gegeben werden. Die maximale Tagesdosis beträgt 32 Milligramm.

Bereits Kinder ab dem ersten Lebensmonat können mit Ondansetron behandelt werden. Die Dosis wird dann individuell an die Körperoberfläche angepasst (fünf Milligramm pro Quadratmeter).

Welche Nebenwirkungen hat Ondansetron?

Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Benommenheit, Verstopfung, Bauchschmerzen und Schlafstörungen. Beschrieben wurden auch einige Fälle von Unverträglichkeitsreaktionen mit Nesselsucht (Urtikaria) und Haut-/Schleimhautschwellungen (Angiödeme).

In höheren Dosen kann Ondansetron das sogenannte QT-Intervall verlängern und so unter Umständen eine seltene Form von Herzrhythmusstörung (Torsades de Points) auslösen. Dies betriff vor allem Patienten mit angeborener oder erworbener QT-Intervall-Verlängerung.

Was ist bei der Anwendung von Ondansetron zu beachten?

Gegenanzeigen

Ondansetron darf nicht eingesetzt werden bei:

  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • gleichzeitiger Anwendung von Apomorphin (Parkinson-Medikament und Antiemetikum)

Bei schwerer Störung der Darmbeweglichkeit (Darmmotilität) sowie angeborener oder erworbener QT-Intervall-Verlängerung darf das Antiemetikum nur unter besonderen Vorsicht angewendet werden.

Wechselwirkungen

Ondansetron wird von bestimmten Leberenzymen abgebaut. Werden zusätzlich andere Medikamente eingenommen, welche die Menge dieser Enzyme erhöhen, verstärkt sich der Abbau des Antiemetikums, was seine Wirkung beeinträchtigen kann. Solche Medikamente sind zum Beispiel Carbamazepin (krampflösendes Mittel gegen Epilepsie) und Rifampicin (Antibiotikum gegen Tuberkulose).

Die Kombination mit anderen Arzneistoffen, die wie Ondansetron das QT-Intervall verlängern können, erhöht das Risiko für Herzrhythmusstörungen. Beispiele dafür sind kardiotoxische Medikamente (wie Doxorubicin und Daunorubicin), einige Antibiotika (wie Erythromycin), Antipilzmittel (wie Ketoconazol) und Betablocker (wie Timolol oder Atenolol).

Altersbeschränkung

Ondansetron kann bereits ab dem zweiten Lebensmonat eingsetzt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Primär sollten in der Schwangerschaft andere Antiemetika wie Meclozin, Doxylamin oder Dimenhydrinat zum Einsatz kommen. Ist die Wirkung dieser Medikamente nicht ausreichend, kann Ondansetron verordnet werden. In mehr als 200.000 ausgewerteten Schwangerschaften im ersten Trimenon wurde keine erhöhte Gesamtfehlbildungsrate beobachtet.

Es gibt keine dokumentierten Erfahrungen mit Ondansetron in der Stillzeit. Auch hier ist in erster Linie anderen Antiemetika der Vorzug zu geben. Sind Einzelgaben nötig, kann darunter auch gestillt werden. Es empfiehlt sich dabei, auf Symptome beim Säugling zu achten.

So erhalten Sie Medikamente mit Ondansetron

Ondansetron ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig, also nur nach Vorlage eine ärztlichen Rezepts in der Apotheke erhältlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Block, F.: Kompendium der neurologischen Pharmakotherapie, Springer Verlag, 2008.
  • Frölich, J.C. et Kirch, W.: Pflegehandbuch Arzneitherapie, 2013.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.Berlit, P.: Therapielexikon Neurologie, Springer Verlag, 2006
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Ondansetron, unter: www.embryotox.de (Abruf: 13.11.2021).
  • Schmidt, H. et Estler, C.-J.: Pharmakologie und Toxikologie, Schattauer Verlag, 2007.
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