Olanzapin

Von Lisa Hein
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Olanzapin gehört zu den wichtigsten Mitteln gegen Schizophrenie. Es wird außerdem zur Behandlung von bipolaren Störungen eingesetzt. Der Wirkstoff gilt allgemein als besser verträglich als die älteren Antipsychotika, kann aber zu starker Gewichtszunahme führen. Hier lesen Sie alles Wichtige über Olanzapin: Wirkung, Anwendung, Neben- und Wechselwirkungen.

So wirkt Olanzapin

Olanzapin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der sogenannten atypischen Antipsychotika. Es wirkt antipsychotisch (gegen Psychosen), antimanisch (gegen eine phasenweise auftretende starke Antriebssteigerung) und stimmungsstabilisierend, weshalb es im Gegensatz zu anderen Antipsychotika zur Behandlung bipolarer Erkrankungen zugelassen ist.

Im Gehirn und Rückenmark (zentrales Nervensystem) sorgt das Zusammenspiel verschiedener Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter) dafür, dass man sich ausgeglichen fühlt und angemessen auf bestimmte Situationen (wie Aufregung, Freude, Angst etc.) reagieren kann. Dazu werden die verschiedenen Botenstoffe (wie Serotonin und Dopamin) je nach Bedarf von Nervenzellen ausgeschüttet und später wieder aufgenommen und gespeichert.

Dieses Gleichgewicht der Botenstoffe ist bei Menschen, die unter Schizophrenie oder bipolaren Erkrankungen leiden, gestört. Olanzapin blockiert bestimmte Andockstellen (Rezeptoren) von Botenstoffen, unter anderem jene von Dopamin und Serotinin. Die Wirkung dieser Botenstoffe kann so wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Gleichzeitig hat Olanzapin einen leicht beruhigenden Effekt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach der Aufnahme über den Mund (per oral) wird Olanzapin gut aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Der Abbau findet in der Leber unter Beteiligung des Enzyms CYP1A2 statt. Die Abbauprodukte werden hauptsächlich über die Niere ausgeschieden.

Bei der Verabreichung in den Muskel (intramuskulär) als Depot-Injektion wird der Wirkstoff nach und nach über einen längeren Zeitraum aus dem gebildeten Depot freigesetzt. Abbau und Ausscheidung bleiben jedoch ident zur Aufnahme über den Mund.

Wann wird Olanzapin eingesetzt?

Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Olanzapin zählen:

  • Schizophrenie
  • Manische Episode im Rahmen einer bipolaren Erkrankung (spricht der Patient darauf an, eignet sich Olanzapin auch zur Vorbeugung von manischen Phasen)

So wird Olanzapin angewendet

Der Wirkstoff Olanzapin wird normalerweise in Form von Tabletten oder Schmelztabletten eingenommen. In akuten Fällen darf der Wirkstoff auch direkt ins Blut gespritzt werden.

Üblicherweise beträgt die tägliche Dosis zehn Milligramm. Bei Bedarf kann sie schrittweise auf bis zu 20 Milligramm am Tag gesteigert werden. Die volle Wirkung von Olanzapin entfaltet sich erst mehrere Tage bis Wochen nach Behandlungsbeginn.

Bei Patienten, die stabil auf Olanzapin eingestellt sind, kann - zur Vermeidung der täglichen Tabletten-Einnahme - der Wirkstoff als Depot-Injektion in den Muskel gespritzt werden. Die Injektion wird dann alle zwei oder vier Wochen vom behandelnden Arzt wiederholt.

Welche Nebenwirkungen hat Olanzapin?

Sehr häufig, das heißt bei mehr als zehn Prozent der Behandelten, ruft Olanzapin Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und Schläfrigkeit hervor.

Häufig (bei einem bis zehn Prozent der Behandelten) führt die Behandlung zu Veränderungen im Blutbild, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung und erniedrigtem Blutdruck (vor allem bei schnellem Lagewechsel, z.B. schnellem Aufstehen aus dem Liegen).

Was ist bei der Einnahme von Olanzapin zu beachten?

Gegenanzeigen

Olanzapin darf nicht angewendet werden bei:

Vorsicht ist zudem geboten bei:

  • Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie)
  • Pylorusstenose (Verengung im Bereich des Magenausganges)
  • schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen

Wechselwirkungen

Olanzapin kann bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdruck-Medikamenten (z.B. ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker) oder Schlafmitteln (z.B. Benzodiazepine, Antihistaminika) deren Effekte verstärken.

Alkohol steigert die sedierenden Effekte von Olanzapin.

Bedenken Sie diese Wechselwirkungen vor allem beim Lenken von Fahrzeugen oder Bedienen schwerer Maschinen.

Olanzapin wird in der Leber vor allem vom Enzym CYP1A2 abgebaut. Andere Arzneistoffe, die dieses Enzym blockieren oder induzieren (in seiner Aktivität steigern), können daher Wirkung und Nebenwirkungen von Olanzapin verstärken oder abschwächen:

CYP1A2-Hemmstoffe wie Fluvoxamin (Antidepressivum) und Ciprofloxazin (Antibiotikum) können die Olanzapin-Wirkung verstärken. CYP1A2-Induktoren wie Carbamazepin (Epilepsie-Mittel) und Tabakrauch können die Olanzapin-Wirkung abschwächen, indem sie den Abbau des Wirkstoffes beschleunigen.

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Als Nebenwirkung kann bei der Einnahme von Olanzapin Schläfrigkeit und Schwindel auftreten. Achten Sie deshalb insbesondere am Anfang der Behandlung auf die individuelle Reaktion auf das Arzneimittel.

Gemeinsam mit dem Arzt ist dann zu entscheiden, ob eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von schweren Maschinen möglich ist.

Altersbeschränkungen

Zur Anwendung von Olanzapin bei Kindern und Jugendlichen liegen nur sehr wenige Erfahrungen vor. Die Behandlung sollte deshalb nur von sehr erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, wenn der individuelle Nutzen gegenüber dem entsprechenden Risiko deutlich überwiegt.

Schwangerschaft und Stillzeit

Experten zufolge sollten in der Schwangerschaft statt Olanzapin besser erprobte Alternativen (Risperidon, Quetiapin) angewendet werden. Ist eine Frau allerdings gut mit dem Wirkstoff eingestellt (gute Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit), darf dieser während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden.

Bei Olanzapin-Anwendung in der Schwangerschaft kann es kurz nach der Geburt zu Anpassungsstörungen des Neugeborenen kommen. Darauf müssen Ärzte sorgfältig achten.

Während der Stillzeit wurden bisher keine Probleme beim Säugling festgestellt, wenn die Mutter mit Olanzapin behandelt wurde. Deshalb gilt die Einnahme dieses Wirkstoffes während der Stillzeit als "akzeptabel".

So erhalten Sie Medikamente mit Olanzapin

Medikamente mit Olanzapin sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig, da der Behandlungserfolg regelmäßig durch einen Arzt kontrolliert werden muss. Sie erhalten die Medikamente deshalb nur mit einem Rezept vom Arzt in der Apotheke.

Seit wann ist Olanzapin bekannt?

Olanzapin ist ein relativ junger Arzneistoff. Er wurde aus den sogenannten "klassischen Antipsychotika", also Mitteln gegen psychische Beschwerden, entwickelt und im Jahr 1996 in Deutschland zugelassen.

Als Vertreter der Gruppe der "atypischen Antipsychotika" (Antipsychotika der zweiten Generation) weist Olanzapin weniger Nebenwirkungen auf, kann aber zu starker Gewichtszunahme und Störungen im Fettstoffwechsel führen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Gründer, G. et Benkert, O.: Handbuch der Psychopharmakotherapie, Springer Verlag GmbH, Berlin-Heidelberg, 2. Auflage, 2012.
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Olanzapin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 21.07.2021).
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