Nitrendipin

Von Felix Hintermayer
Aktualisiert am
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Nitrendipin ist ein blutdrucksenkender Wirkstoff aus der Gruppe der Kalziumkanalblocker. Er wird bei Bluthochdruck eingenommen. Nitrendipin sorgt dafür, dass sich die Blutgefässe weiten, wodurch der Blutdruck sinkt. Lesen Sie hier alles Wichtige über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Nitrendipin.

So wirkt Nitrendipin

Kalziumkanalblocker wie Nitrendipin blockieren den Kalzium-Einstrom in die Muskelzellen der Gefässwände. Dadurch entspannen und weiten sich die Wände - der Blutdruck sinkt.

Der Blutdruck wird wesentlich vom Durchmesser der Blutgefässe beeinflusst. Wenn sich die glatte Muskulatur in den Wänden der Gefässe kontrahiert und so die Gefässe verengt, steigt der Blutdruck. Wenn sich die Wandmuskulatur entspannt, sodass sich die Gefässe weiten, sinkt er.

Das Anspannen der Muskelzellen in den Gefässwänden erfolgt durch den Einstrom von Kalzium-Ionen über spezielle Kanäle in der Zellmembran. Je mehr Kalzium in den Zellen vorliegt, desto angespannter sind sie und desto enger sind die Blutgefässe - und desto höher ist der in ihnen herrschende Druck.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nitrendipin wird über den Mund (per oral) eingenommen und sehr gut ins Blut aufgenommen (resorbiert). Nach einer bis drei Stunden werden maximale Wirkstoffspiegel im Blut erreicht.

Bei Einnahme des Wirkstoffes als Tablette setzt die Wirkung nach 20 bis 30 Minuten ein. Nitrendipin wird in der Leber durch das Enzym CYP3A4 verstoffwechselt und anschliessend hauptsächlich über die Niere mit dem Harn ausgeschieden, zu einem kleinen Teil auch mit dem Stuhl.

Etwa acht bis zwölf Stunden nach der Einnahme hat die Hälfte des Wirkstoffes den Körper wieder verlassen (Halbwertszeit).

Wann wird Nitrendipin angewendet?

Nitrendipin-Tabletten werden zur Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) eingesetzt. Die in Deutschland erhältlichen Phiolen dienen der Behandlung eines hypertensiven Notfalls (starker, plötzlicher Blutdruckanstieg mit Lebensgefahr).

So wird Nitrendipin angewendet

Nitrendipin wird in der Regel als Tablette angewendet. Die tägliche Dosis beträgt meist zwischen 20 und 40 Milligramm pro Tag (entweder als Einzeldosis oder aufgeteilt auf zwei Dosen).

Bei einem hypertensiven Notfall wird Nitrendipin als Lösung (in einer Phiole) eingenommen. Der Inhalt der kleinen Phiole wird im Notfall in den Mund entleert und sofort geschluckt. Bei Bedarf kann nach einer halben Stunde eine weitere Phiole gegeben werden.

Welche Nebenwirkungen hat Nitrendipin?

Sehr häufige Nebenwirkungen von Nitrendipin - als Folge der Gefässerweiterung - sind Kopfschmerzen, Hautrötung mit Wärmegefühl und Herzrasen (gilt besonders für die Phiolen).

Häufig entwickeln Patienten Nebenwirkungen in Form von Schwindel, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Missempfindungen (Parästhesien), Herzklopfen, Schwellungen (Ödeme) in den Unterschenkeln und Kreislaufsymptome durch stark gesenkten Blutdruck. Besonders zu Beginn der Behandlung treten auch oft Anfälle von Brustenge (Angina pectoris) auf.

Sehr seltene Nebenwirkungen von Nitrendipin sind Herzinfarkt, Zahnfleischwucherung (Gingivahyperplasie), Veränderungen verschiedener Blutwerte (wie Mangel an weissen Blutkörperchen) und bei Männern eine Vergrösserung der Brustdrüsen (Gynäkomastie).

Sollten Sie unter starken Nebenwirkungen oder nicht genannten Beschwerden leiden, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf.

Was ist bei der Einnahme von Nitrendipin zu beachten?

Gegenanzeigen

Patienten, die allergisch auf Nitrendipin reagieren, dürfen den Wirkstoff nicht einnehmen.

Weitere Gegenanzeigen sind:

  • Herz-Kreislauf-Schock
  • Herzinfarkt in den vergangenen vier Wochen
  • instabile Angina pectoris
  • dekompensierte Herzschwäche (hier sind alle Möglichkeiten des Körpers, die Herzinsuffizienz auszugleichen, erschöpft, sodass schon in Ruhe Symptome wie Atemnot auftreten)
  • gleichzeitige Anwendung von Rifampicin (Antibiotikum)

Wechselwirkungen

Wird Nitrendipin zusammen mit weiteren Blutdrucksenkern (Antihypertensiva) angewendet, verstärkt sich der blutdrucksenkende Effekt.

Nitrendipin kann den Blutspiegel von Chinidin und damit dessen Wirkung verringern. Chinidin wird gegen Herzrhythmusstörungen verordnet.

Der Blutdrucksenker kann den Blutspiegel des Herzmittels Digoxin erhöhen, weshalb dessen Dosis eventuell verringert werden muss.

Verschiedene Arzneistoffe können bei gleichzeitiger Anwendung die Wirkung von Nitrendipin verringern, so zum Beispiel die krampflösenden Mittel Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital.

Andere Arzneistoffe können die Nitrendipin-Wirkung steigern. Das gilt etwa für Cimetidin (bei Sodbrennen und Magen-Darm-Geschwür), Valproinsäure (bei Epilepsie), das Antibiotikum Erythromycin sowie die Anti-Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol und Fluconazol.

Während einer Therapie mit Nitrendipin sollten man auf Grapefruitsaft verzichten. Dieser ist nämlich ein potenter Hemmer des Enzyms CYP3A4 und kann deshalb die Ausscheidung von Nitrendipin verlangsamen - eine verstärkte, unvorhersehbare Blutdrucksenkung wäre die Folge.

Altersbeschränkung

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Nitrendipin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht erwiesen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Nitrendipin ist gemäss Fachinformation in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, da hier keine hinreichenden Erfahrungen zur sicheren Anwendung vorliegen.

Die klinische Erfahrung zeigte jedoch bislang kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei ungeborenen Kindern, deren Mütter Nitrendipin eingenommen haben. Falls besser untersuchte Medikamente nicht infrage kommen, ist daher die Therapie mit Nitrendipin in der Schwangerschaft vermutlich akzeptabel.

In der Stillzeit kann aufgrund der langen Halbwertszeit des Wirkstoffes eine Anreicherung beim Säugling nicht ausgeschlossen werden. Bisher wurden jedoch keine negativen Auswirkungen auf Stillkinder berichtet, deren Mütter mi tMitrendipin behandelt wurden.

Mittel der Wahl zur Blutdrucksenkung in der Schwangerschaft und Stillzeit sind alpha-Methyldopa und Metoprolol. Bei Bedarf kommt primär der besser untersuchte Kalziumkanalblocker Nifedipin zum Einsatz.

So erhalten Sie Medikamente mit Nitrendipin

Nitrendipin ist in Deutschland und Österreich verschreibungspflichtig und daher nur nach Vorlage eines ärztlichen Rezepts in der Apotheke erhältlich. In der Schweiz sind Medikamente mit dem Wirkstoff nicht mehr erhältlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Nitrendipin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 10.01.2022).
  • Richling, F. et Schneider, D.: Checkliste Arzneimittel A – Z, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013.
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